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Ernten und Dreschen wie in früheren Zeiten

1. Niderwälger Dreschfest Ernten und Dreschen wie in früheren Zeiten

Das erste Niederwälger Dreschfest bot Raum für nostalgische Gefühle und Begeisterung für alte Technik, machte aber auch deutlich, wie hart die Landarbeit früher war. Das Fest lockte hunderte Besucher an.

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Hunderte Besucher verfolgten interessiert die Vorführungen beim ersten Niederwälger Dreschfest. Der Schlepper im oberen Foto trieb über einen langen Riemen eine Dreschmaschine an. Die
Fotos rechts zeigen, wie vor dem Einsatz von Maschinen gearbeitet werden musste, um das Getreide vom Feld und aus den Ähren heraus zu bringen. Fotos: Manfred Schubert

Niederwalgern. „Etwa 360 Arbeitsstunden brauchte man vor etwa 100 Jahren, bis man einen Hektar Getreide von Hand abgeerntet und eingebracht, gedroschen und gelagert hatte“, erklärte Hans-Heinrich Heuser von den Landtechnikfreunden Niederwalgern.

Ein moderner Mähdrescher, wie er neben den zahlreichen historischen Schleppern, gezogenen und selbstfahrenden Mähdreschern und andern Geräten zu sehen war, brauche für einen Hektar 40 Minuten, und es gebe noch größere. 1956 sei der erste Mähdrescher in Niederwalgern in Einsatz gegangen.

Heuser, zugleich Ortsvorsteher, erläuterte per Mikrofon und Lautsprecheranlage den Hunderten interessierten Zuschauern am Sonntag die Vorführungen. Diese boten, bei besten Wetterbedingungen, eine Reise wie im Zeitraffer durch die Entwicklung der Arbeit auf dem Getreideacker.

Unsere Vorfahren mussten mühsam mit der Sense schneiden und von Hand zusammenbinden, was später zum täglich Brot verarbeitet wurde. Immerhin halfen Pferde beim Transport. Diese kamen auch bei den ersten Mähmaschinen als Zugtiere zum Einsatz, was das Ganze aber noch nicht so sehr beschleunigte, denn immer noch musste das Getreide von Hand gesammelt und gebunden werden.

Und auch beim Dreschen, das im Fokus stand, kam die technische Entwicklung allmählich in Gang. Dreschflegel wurden durch Geräte mit Kurbelantrieb ersetzt und durch größere, die über Riemen per Dampfmaschine oder später mit Dieselmotoren betrieben wurden.

Dies alles erleichterte die Arbeit, die aber immer noch viel Körpereinsatz erforderte und mit Lärm und Staub verbunden war. Dies wurde bei der Vorführung der großen Gerlinghoff-Dreschmaschine aus den 1940er Jahren deutlich.

Diese besitzt eine Hebevorrichtung, um den Arbeitern zu helfen, die gefüllten Getreidesäcke zu schultern. Gewicht: zwei Zentner! Am Ende der Leiter zum Scheunenboden wartete auf die Sackträger immer ein „Körnchen“, berichtete Heuser.

Unterstützt wurden die 25 männlichen und weiblichen Niederwälger Landtechnikfreunde unter anderem von den Landtechnikfreunden Gontershausen und den Oldtimerfreunden Deckenbach sowie weiteren Besitzern alter Maschinen, die durch ihre einfache, aber robuste und heute noch einsatzfähige Technik erstaunten.

Viele Besucher bewunderten auch die etwa hundert Old­timer-Schlepper, von denen der älteste ein Lanz-Bulldog Baujahr 1948 war, die jüngsten vom Anfang der 1970er Jahre stammten. Mit so einem Lanz konnte man nicht einfach starten und losfahren. Besitzer Karl-Heinz Deutsch zeigte, wie man zunächst mit einem Gasbrenner etwa 20 Minuten vorglühen musste, bevor der Einzylinder-Motor zu lärmendem und rüttelndem Leben erweckt werden konnte.

Bereits am Samstag waren etwa dreißig Besitzer mit ihren Oldie-Traktoren zum Gelände am Funpark angereist und hatten miteinander gefachsimpelt.

von Manfred Schubert

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