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Energieverbrauch wird fast halbiert

Gemeinde Ebsdorfergrund Energieverbrauch wird fast halbiert

Heiligabend 2002 knipste Helmut Piscator in einem Bürgerhaus das vergessene Licht aus und bemerkte dabei, dass die über die Feiertage ungenutzten Räume beheizt wurden. Eine reine Energieverschwendung, befand er.

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2002 wurden für alle gemeindlichen Liegenschaften 1,120 Millionen Kilowattstunden abgerechnet. 2011 wurde dieser Wert auf 608 471 Kilowattstunden reduziert.

Quelle: Gemeinde Ebsdorfergrund

Ebsdorfergrund. Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist. Viele noch so kleine Taten zur Energieeinsparung helfen nicht nur tatsächlich, Energie zu sparen, sondern auch richtig viel Geld. Das weiß in der Gemeinde Ebsdorfergrund nicht nur Bürgermeister Andreas Schulz in seiner Eigenschaft als Kämmerer der Gemeinde.

Nein, das weiß auch Gemeindevorstandsmitglied Helmut Piscator ganz genau. Als ehrenamtlich tätiger Energiebeauftragter achtet er seit mehr als zehn Jahren peinlich genau darauf, dass in den gemeindlichen Liegenschaften keine Energie in Form von Strom und Wärme verschwendet wird. Seine Bilanz kann sich sehen lassen. Verbrauchten die Dorfgemeinschaftshäuser, Feuerwehrgerätehäuser und Kindergärten zusammen im Jahr 2002 rund 1,120 Millionen Kilowattstunden, waren es 2011 nur noch 608471. Mehr als 511800 Kilowattstunden wurden eingespart.

So gesehen, war das vergessene Licht an Heiligabend 2002 in einem der Bürgerhäuser keine Energieverschwendung, sondern der Anfangspunkt einer Idee, die über die Jahre zu einem Markenzeichen im Grund wurde. Schulz gibt heute gerne zu, damals Piscator ein anstrengendes Weihnachtsfest beschert zu haben. Denn einmal davon in Kenntnis gesetzt, dass im Bürgerhaus die Heizungen für niemanden laufen, wollte der Bürgermeister wissen, wie es in den weiteren Liegenschaften gehandhabt wurde und fuhr mit Piscator alle Einrichtungen ab. Das Ergebnis gab ihnen recht, die Zeit aufgewandt zu haben. Helmut Piscator nahm sich ein Themenfeld vor, das sehr viel Arbeit kostete, ihn aber auch das Gefühl gab, aktiv am Wohlergehen der Gemeinde mitzuarbeiten. Denn jede Idee zur Energieeinsparung zahlte sich in der Summe richtig aus.

„Natürlich mussten wir dafür auch öfters Geld in die Hand nehmen und neue technische Voraussetzungen schaffen“, sagt Andreas Schulz, aber die große Aufgabe bestand für Piscator auch darin, alle Nutzer der Liegenschaften zu sensibilisieren und zur Mitarbeit anzuhalten. Will heißen, es wurden für alle Dorfgemeinschaftshäuser Belegungspläne ausgearbeitet aus denen hervorging, wann die Räume geheizt werden mussten und wann es keinen Sinn machte die Temperaturen zu halten. Dabei war es auch wichtig, zu erfahren, ob und wann beispielsweise Kurse ausfielen.

Sparen ist Teil des Plans, bis 2020 energieautark zu sein

Zum Teil wurden bereits neue Heizungen in die Liegenschaften eingebaut mit modernen Steuerungsmöglichkeiten, andere wurden damit nachgerüstet. „Heute läuft das alles automatisch. Veränderungen in der Belegung der Liegenschaften werden mitgeteilt und die Steuerung entsprechend korrigiert“, sagt Piscator.

Er sagt das in einem Ton, als sei es das Selbstverständlichste von der Welt, sich so intensiv und ausgiebig, wie er es getan hat, unentgeltlich mit dem Thema Energiesparen zu beschäftigen. „Wir wissen alle, was wir an ihm haben und wissen seine Arbeit sehr zu schätzen“, sagt Schulz. Natürlich wurden in den vergangenen Jahren auch Großprojekte zur Energieeinsparung umgesetzt, schließlich ist die Einsparung von Energie auch ein Aspekt des ehrgeizigen Vorhabens der Gemeinde, bis 2020 energieautark zu sein.

Unter anderem wurden das Dorfgemeinschaftshaus Beltershausen und die Mehrzweckhalle Rauischholzhausen energetisch saniert. Das GrundBad in Heskem wurde an die Biogasanlage angeschlossen. In Beltershausen werden auch die Vorzüge der bereits vorhandenen Gasleitung genutzt. Und die Ideen gehen auch nach mehr als zehn Jahren nicht aus.

So soll der Radweg zwischen Beltershausen und Frauenberg mit Solarlampen ausgestattet werden. Und für den unwahrscheinlichen Fall, dass in der Sonnenscheingemeinde Ebsdorfergrund tatsächlich mal nicht die Sonne scheint, sollen kleine Windräder, die auf den Masten integriert werden, für die nötige Energie sorgen. In Euro lässt sich das Ergebnis der Ernergieeinsparung nur ungenau beziffern. Die ständig steigenden Energiekosten haben die Gemeinde jedenfalls nicht mit voller Wucht getroffen. Viel eher sind die Rechnungshöhen für die Gemeinde Dank der Einsparungsbemühungen fast auf dem Niveau von 2002 stehengeblieben.

„Wir zahlen 50000 Euro jetzt und würden um die 90000 Euro zahlen, wenn wir seit 2002 nichts unternommen hätten“, sagt Schulz. Und die energetischen Sanierungen gehen auch noch weiter. Schon bald bekommt die Kita in Beltershausen neue Fenster.

von Götz Schaub

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