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Eltern fordern Familienfreundlichkeit

Fronhausen Eltern fordern Familienfreundlichkeit

Für die ersten sieben Monate dieses Jahres dürfen die Eltern vom Kindergarten im Ort Fronhausen auf eine Entlastung hoffen. Die Gemeinde kostet dieses Entgegenkommen 4900 Euro.

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Mit Transparenten verliehen Elternvertreter und Eltern der Kindertagesstätte Fronhausen ihren Forderungen und dem Unmut über das monatelange Hin und Her um eine Beitragssenkung Ausdruck.Foto: Lemmer

Fronhausen. Protestierende Eltern, publikumswirksame Argumente und ein glühender Redebeiträge aus dem Publikum - die Gemeindevertretersitzung überraschte am Donnerstagabend zum Tagesordnungspunkt Kindergartenbeiträge mit einigen Besonderheiten.

Die Familien, deren Kinder den evangelischen Kindergarten im Ort Fronhausen besuchen, sollen finanziell entlastet werden. Ein Antrag, der das Parlament schon seit dem vergangenen Jahr beschäftigt (die OP berichtete). Der Haupt-, Finanz- und Sozialausschuss (HFS) hatte die Aufgabe, einen Vorschlag mit entsprechender Gegenfinanzierung gemeinsam mit dem Träger, der evangelischen Kirchengemeinde Fronhausen, auszuarbeiten.

Dieser lautet sinngemäß, dass für die Zeit vom 1. Januar 2013 bis zum 31. Juli, sprich dem Ende des Kindergartenjahres, die Elternbeiträge für jedes Kind um zehn Prozent reduziert werden sollen. Nachdem dieser Antrag in der vergangenen Gemeindevertretersitzung noch einmal in den Ausschuss zurück verwiesen wurde, lag er den Parlamentariern am Donnerstagabend erneut vor.

7200 Euro kostet die damit geforderte Entlastung. Entsprechend dem Finanzierungsmodell des Kindergartens will die Kirche zwanzig Prozent davon tragen. 4900 Euro muss die Gemeinde aufbringen. Bereits im Vorfeld der Sitzung hatte sich der Elternbeirat mit einem ausführlichen Brief an die Gemeindevertreter gewandt (die OP berichtete). Mit der Anwesenheit von rund dreißig Eltern und einer kleinen Demonstrationseinlage zu Beginn der Aussprache über den betreffenden Tagesordnungspunktes unterstrich die Elternschaft ihr Ansinnen.

Ihre Transparente forderten beispielsweise mehr Familienfreundlichkeit und Beitragsentlastung. Der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Michael Heimann, ermahnte lautstark zur Ruhe und drohte, notfalls die Polizei zu verständigen. Es folgte der Einstieg in eine leidenschaftliche Diskussion.

CDU plädiert geschlossen für die Beitragssenkung

Geschlossen hinter den Beschlussvorschlag stellte sich die CDU-Fraktion. „Wenn wir mit 7200 Euro viele Eltern entlasten können, sollten wir nicht länger diskutieren“, sagte der Fraktionschef Heiner Pfeffer. Er war der Meinung, damit ein Zeichen für Familienfreundlichkeit setzen zu können. Zahlreiche entsprechend gleich lautende Argumente folgten im Laufe der Diskussion aus den Reihen der CDU. Als „Investition in die Zukunft und als Mittel die Konkurrenzfähigkeit zu stärken“ müsse man die Elternentlastung verstehen, so die geschlossene Meinung.

„Dass das das Gelbe vom Ei ist, kann ich mir nicht vorstellen“, meinte Günter Majewski, Fraktionschef der SPD. Er forderte, wie zahlreiche seiner Nachredner, eine vorausschauendere Lösung und erinnerte, dass die Gemeinde ab dem 1. August weitere 11000 Euro für die Einrichtung einer ganztägigen Kinderkrippe aufbringen müsse.

„Wir wollen keinen Schnellschuss machen und um erneute Diskussionen zu vermeiden lieber den Kindergartenbeitrag für ein Jahr festlegen“, schlug Martin Wenz von den Bürgern für Fronhausen vor. Er forderte, dass die Kirche dafür die Zahlen für das neue Kindergartenjahr offenlegen solle.

Das Parlament mit der Suche nach einer zweimonatigen Lösung zu beschäftigen, hielt er für nicht zielführend. Pfeffer griff zu einem eher ungewöhnlichen Mittel und beantragte dem im Publikum befindlichen Vertreter der Kirche, Pfarrer Manfred Meister, das Wort zu erteilen. Meister sagte, dass durch eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit von Träger und Kirche verträgliche Elternbeiträge gefunden werden müssten. „Um die Beiträge zu reduzieren, muss der politische Wille da sein“, forderte der Pfarrer.

Pfarrer Meister will „wegvon der Drittelregelung“

Bislang wurden sowohl im Kindergarten Fronhausen und in der ebenfalls kirchlich getragenen Einrichtung in Bellnhausen mit den Elternbeiträgen ein Drittel der nicht gedeckten Kosten finanziert. „Wir müssen von der Drittelregelung wegkommen, das geht in anderen Gemeinden auch“, appellierte Meister. „Wünschen sind auch Grenzen gesetzt“, setzte Wenz dem entgegen. „Einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen“, sagte der Erste Beigeordnete Lothar Mücke, der den erkrankten Bürgermeister Reinhold Weber vertrat, in der Diskussion. Er erinnerte die erhitzten Gemüter, dass die Gemeinde Fronhausen mit einem defizitären Haushalt wirtschafte und nicht nur die Finanzen des Kindergartens als Aufgabe habe. Geschenke zu machen, sei die Gemeinde nicht in der Lage und sie dürfe es aufgrund der Haushaltslage auch nicht, so Mücke. Die jährlichen Kosten für die beiden Kindergärten in Fronhausen und Bellnhausen bezifferte er auf augenblicklich 346437 Euro.

Mit 15 Jastimmen und 7 Neinstimmen wurde am Ende für den Antrag gestimmt, der ausschließlich die Eltern in Fronhausen entlastet. Die Bellnhäuser Einrichtung, die unter der Trägerschaft der Kirchengemeinde Hassenhausen steht, blieb hier außen vor.

von Martina Becker

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