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Einsatztag mit 2600 Klicks honoriert

Weimarer Feuerwehr sucht Öffentlichkeit Einsatztag mit 2600 Klicks honoriert

Die Feuerwehr ist und bleibt neben notärztlichen Rettungsteams und Polizei die wichtigste Hilfseinrichtung in unserem Land. Zu verdienen gibt es kein Geld, dafür erhält man Gemeinschaft, technisches Fachwissen und auch Lob.

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Die Feuerwehr Weimar berichtet seit September bei Facebook über alle Einsätze ihrer Ortsteilwehren.

Quelle: Screenshot: OP

Weimar. Der demografische Wandel verrichtet sein Werk. Bisher tut er noch kaum weh, doch die ersten öffentlichen Einrichtungen stehen schon zur Disposition, Kindergartengruppen schließen, Schulklassen werden kleiner, Bürgerhäuser verkümmern, der eine oder andere Verein gibt mangels Nachwuchs auf. Der ländliche Raum kämpft um den Zuzug von jungen Menschen, gern mit Kindern, um seine Infrastruktur nicht zu gefährden. Jedes eingestellte Angebot ist ein Grund mehr, woanders sein Glück zu suchen. Ein Angebot, das die Kommunen unbedingt am Leben halten wollen und müssen, ist die Vorhaltung von ausreichend vielen Feuerwehren, die im Fall der Fälle die gesetzlich vorgeschriebene zehnminütige Hilfsfrist gewährleisten können.

Der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) weiß um die Situationen vor Ort und hat 2008 das Zukunftsprogramm „DFV 2020 - Strategien für eine sichere Zukunft“ auf den Weg gebracht.

Jenseits dieses Papiers arbeiteten die einzelnen Wehren schon über viele Jahre selbst aktiv an ihrem Fortbestand durch zahlreiche öffentliche Aktionen, die Mitbürger animieren sollen, sich selbst in der Feuerwehr zu engagieren. Immer wieder zeigen Feuerwehren bei Tagen der offenen Tür, was die Mitglieder der Einsatzabteilung alles können müssen, um effektiv zu helfen. Dabei geht es nicht selten um hohes technisches Know-how und Präzisionsarbeit. „Wir wollen damit sicher auch ein Stück weit dazu auffordern, uns zu unterstützen“, sagt Weimars Gemeindebrandinspektor Markus Herrmann.

Insbesondere geht es darum, dass Eltern ihre Kinder zur Jugendfeuerwehr schicken, damit diese später nach den entsprechenden Aus- und Weiterbildungen als erwachsener Mensch in den Einzelabteilungen aktiv werden können. Will man für Kinder und Jugendliche interessant sein, muss man allerdings auch präsent sein. Deshalb gibt es in Weimar eine Gruppe, die sich ausschließlich mit dem Thema Öffentlichkeitsarbeit beschäftigt.

Herrmann: „Nach einer Internetpräsenz, die weitgehend wieder eingeschlafen ist, haben wir uns jetzt vorgenommen, in einem neuen Medium aufzutreten und haben im September eine Facebook-Seite für die Feuerwehren der Gemeinde Weimar eingerichtet.“ Neuland war dies nicht mehr, Ortsteil-Wehren wie Allna, Niederwalgern, Oberweimar und Wolfshausen haben damit schon ihre Erfahrungen gemacht.

„Wir haben in Markus Tarkowski jemanden gefunden, der sich um unseren Facebook-Auftritt kümmert“, freut sich Herrmann. Damit es ganz klar ist: Facebook ist nur eine Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Aber eine effektive.

Quereinsteiger macht mit 37 Jahren Grundlehrgang

„Als im September das Unwetter in Nesselbrunn war, hatten wir an einem Tag 900 Zugriffe auf unsere Bilder und Infos“, informiert Herrmann. Trakowski ergänzt: „Im Ganzen waren es 2600 Klicks, ein solches Echo auf unsere Arbeit ist natürlich sehr erfreulich, zumal es nur positive Resonanz war.“ Markus Tarkowski pflegt nicht nur den Facebook-Auftritt der Freiwilligen Feuerwehr Weimar/Lahn, er ist auch selbst Mitglied der Einsatzabteilung Roth und ein gutes Beispiel für eine erfolgreiche Mitgliederwerbung. „Ich bin jetzt 44 Jahre alt und bin erst vor sieben Jahren zur Feuerwehr gestoßen.

„Als der Orkan Kyrill hier wütete und Roth drohte, überschwemmt zu werden, habe ich meine Gummistiefel angezogen und geguckt, wo ich helfen kann. Ich bin dann danach in die Feuerwehr eingetreten und habe vom Grundlehrgang an mir das Wissen und Können angeeignet.“ Tarkowski glaubt, dass es noch viel mehr Mitbürger zwischen 20 und 40 Jahre gibt, die sich gerne für die Feuerwehr engagieren würden. „Man geht nur nicht einfach mal so hin und fragt, ob sie einen vielleicht gebrauchen können“, weiß Tarkowski aus eigener Erfahrung. Und trotzdem fordert er Interessierte auf, sich zu erkennen zu geben, vielleicht durch einen Besuch einer Feuerwehr-Übung. Mittlerweile ist man über jeden dankbar, der ein Stück dazu beitragen kann, dass die Tagesbereitschaft gedeckt werden kann. Denn viele Aktive arbeiten nicht am Wohnort oder gar in der Gemeinde.

Hauptaugenmerk bleiben aber die Zielgruppen Kinder und Jugendliche. „In der Spitze hatten wir 120 Kinder in der Gemeinde. Das ist jetzt zurückgegangen auf Zahlen zwischen 90 und 100“, sagt der Gemeindebrandinspektor. Das klinge natürlich auch noch ganz gut, doch müsse man wissen, dass sich diese Kinder und Jugendlichen sehr ungleich auf die Dörfer aufteilen. „Man kann nicht erwarten, das aus einem der kleineren Dörfer 20 Kinder kommen. Da legen wir die Jugendarbeit dann schon mal zusammen, um sie effektiver gestalten zu können“, so Herrmann.

In Sachen Mitstreiter-Werbung will sich die Gruppe, in der unter anderem auch die Jugendwarte mitarbeiten, noch mehr Dinge einfallen lassen. Dazu sollen aber die Hausaufgaben auch gemacht werden. Etwa regelmäßige berichte im Mitteilungsblatt der Gemeinde Weimar, damit die Bürger immer wissen, was bei ihrer Wehr gerade so los ist.

„Ganz ehrlich, die Zeiten der nur feiernden Feuerwehr sind längst vorbei. Wer sich hier engagiert, muss wissen, dass er lernen muss, mit hochtechnischem Gerät umzugehen“, sagt Tarkowski und spielt dabei auf die Tatsache an, dass die Zahl der „technischen Hilfeleistungen“ immer breiteren Raum einnimmt und Feuerwehrmännern und -frauen sehr viel abverlangt.

Dann sei es jedoch umso schöner, das Erlebte in der Gruppe teilen zu können, unter Menschen zu sitzen, die über gleiche oder ähnliche Erfahrungen verfügen, die sich gegenseitig helfen und motivieren können.

von Götz Schaub

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