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Eingeschworene Gemeinschaft

Serie "50 mit 50" Eingeschworene Gemeinschaft

Als Nesthäkchen einer siebenköpfigen Familie kam Christina Schneider im Jahr 1964 in Ebsdorf zur Welt.

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Fotos wohin man blickt: Christina Schneider wuchs in Ebsdorf auf und hat noch zahlreiche Fotos aus ihrer Kindheit.

Quelle: Katharina Kaufmann

Ebsdorf. Als Hobby-Fotografin hat Christina Schneider auch eine Liebe für alte Fotografien. Dutzende davon zieren die Wände der Wohnung der fast 50-Jährigen in Marburg. Dutzende davon sind Aufnahmen aus ihrer Kindheit. „Ich bin in Ebsdorf groß geworden. Und es war total schön“, fasst sie die damalige Zeit zusammen.

In der Haingasse wurde sie geboren. In der Haingasse wuchs sie auf - als jüngstes von fünf Mädchen. „Wer dort lebte, hatte meist kein Auto. So konnten wir als Kinder einfach aus der Haustür spazieren und fanden uns auf einem riesigen Spielplatz wieder“, ergänzt sie. Schlitten fahren war dort ebenso möglich wie Federball und Fußball spielen oder „Deutschland erklärt Frankreich den Krieg“. Weil es in ihrem Alter zwar viele Kinder, in der Nachbarschaft aber nur gleichaltrige Jungs gab, war Schneider mit diesen in Wald und Feld unterwegs. „Ich war dann immer die Indianerin zwischen den Cowboys, wenn wir durch den Wald getobt sind“, sagt sie, während sie einige Kinderfotos von sich zeigt. Das Bogenschießen von damals betreibt sie heute als aktiven Sport auf dem Marburger Tannenberg.

Ebenso wie an die Spiele ihrer Kindheit, erinnert sich Schneider an die Gegebenheiten in ihrem Heimatort. Einen Bahnhof habe es in Ebsdorf damals nämlich noch gegeben und eine Mülldeponie, in welche jeder seine Abfälle kippen konnte. Die erste, zweite und vierte Klasse der Grundschule befanden sich in Ebsdorf, die dritte Klasse dagegen wurde in Leidenhofen besucht.

„Die Gesamtschule in Heskem gab es auch schon“, berichtet sie. Allerdings seien die Schüler bis zur siebten Klasse gemeinsam unterrichtet worden: „Erst danach musste man sich für einen Schulzweig entscheiden. So waren wir eine eingeschworene Gemeinschaft. Wichtig war nicht, ob man auf das Gymnasium ging oder die Hauptschule. Wichtig war, was man am nächsten Nachmittag gemeinsam unternehmen konnte.“

Heute arbeitet die Mutter einer Tochter als Betreuerin in einer Wohngruppe des Internats der Blindenstudienanstalt in Marburg. „Ich erlebe dort hautnah, dass die Kinder und Jugendlichen heute ganz anders aufwachsen als wir damals - nicht unbedingt schlechter, aber nicht mehr so frei.“

von Katharina Kaufmann

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Von Redakteur Katharina Kaufmann

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