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Einer, der die Kälte der DDR spürte

CDU-Festakt zum Tag der Deutschen Einheit Einer, der die Kälte der DDR spürte

Matthias Storck hat etwas zu erzählen: Die traurige und bittere Wahrheit über den Staat, der sich einst Deutsche Demokratische Republik nannte.

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Matthias Storck, Theologe und Buchautor, sprach in Fronhausen zum Tag der Deutschen Einheit.

Quelle: Götz Schaub

Fronhausen. Auch wenn das Bürgerhaus von Fronhausen schon gut gefüllt war, hätte dieser Redner, den sich die CDU zur Feier des Tages der Deutschen Einheit eingeladen hatte, ein rappelvolles Haus verdient gehabt. Matthias Storck ist kein Politiker. Er ist Pfarrer in Herford, verheiratet und Vater von drei Kindern - und er ist Landesverräter und Inhaftierter gewesen. Letzteres in einem anderen Leben, als es die DDR noch gab. Von diesem Leben erzählte er am Donnerstagabend seinem gebannten Publikum.

Storck und seine Frau Christine wurden 1979 wegen angeblicher „landesverräterischer Agententätigkeit“ von der DDR-Staatsmacht inhaftiert und nach 14 Monaten Haft von West-Deutschland freigekauft. Storck hat erlebt, was heute noch manche Menschen nicht wahrhaben wollen - die dunkle Seite, die wahre Härte des Unrechtsstaates DDR. Das Schlimmste, was zwischen West- und Ost-Deutschland hätte passieren können, wäre die Anerkennung des Ost-Staates durch Westdeutschland gewesen, so der Pfarrer. Und ja, es gab eine Menge Menschen in West-Deutschland, die genau das befürworteten. „Zum Glück aller und jener, die wie wir im Gefängnis saßen, ist es anders gekommen“, sagt Storck. Er findet es ausgesprochen traurig, dass der „Tag der Deutschen Einheit“ nicht flächendeckend mit Gedenkveranstaltungen gewürdigt wird. Auch von den Kirchen wünscht er sich dabei mehr Unterstützung, schließlich habe auch der Glaube seinen Anteil am friedlichen Zusammenschluss der beiden Länder gehabt. Storck ist sich ganz sicher: Deutlicher habe Gott uns nicht mehr zeigen können, dass er diese Zusammenführung wollte; und jeglicher Zwischenfall, der leicht zur Katastrophe hätte führen können, unterblieb.

Nun, was hatte Matthias Storck, Sohn eines Pfarrers und Student der Theologie, verbrochen? Er hatte zusammen mit seiner Verlobten und späteren Frau einen Brief an Margot Honecker geschrieben, die Frau des SED-Chefs und Staatsführers Erich Honecker.

Darin sprachen sich die beiden gegen das Pflichtfach „Wehrkunde“ in der Schule aus. Wehrkunde - ein Fach, in dem die Kinder beigebracht bekamen, wie sie sich gegen den Feind aus dem Westen zu schützen hatten, wie sie den Feind aus dem Westen im Fall der Fälle bekämpfen konnten und dass der Feind im Westen Raketen aufgestellt hat, die auf große DDR-Städte gerichtet sind.

Was sich die beiden auch dabei gedacht haben mögen, die Reaktion folgte. Nicht schriftlich, sondern klar und deutlich: Die beiden wurden in Berlin-Pankow inhaftiert und als Staatsverräter 14 Monate weggesperrt, ehe sie nach West-Deutschland gegen gute Devisen verkauft wurden. Storck deutete nur an, was er und seine Frau getrennt voneinander in diesen 14 Monaten erleben mussten. Ihm habe jedenfalls der Glauben, die vielen zuvor auswendig gelernten christlichen Lieder geholfen, die Zeit zu überstehen.

Mit der Wiedervereinigung Deutschlands war für die Storcks die Geschichte der DDR nicht zu Ende. Sie wollten sie weiter erzählen, um die Erinnerung wachzuhalten, an einen Unrechtsstaat, der von vielen Menschen mehr und mehr verniedlicht wird, die nur noch von Ostalgie sprechen und davon, dass doch sehr viel sehr schön war. „Es ist traurig, dass ein Politiker wie Gregor Gysi das Wort Unrechtsstaat noch immer nicht über seine Lippen bringt“, befand Storck.

Werner Waßmuth, Vorsitzender der Kreis-CDU, erinnerte daran, dass die Regierung unter Helmut Kohl seinerzeit die historische Chance ergriffen hatte und die Wiedervereinigung vorangetrieben hat. Dr. Stefan Heck, CDU-Fraktionsmitglied im Bundestag, ergänzte: „Wir können angesichts der Konflikte, die sich derzeit überall auf der Welt auftun, nicht genug dankbar sein, dass es hier so gut und friedlich ausging.“ Und im Publikum saß einer, der dazu nur eifrig nicken konnte - der ehemalige Kanzleramtsminister Friedrich Bohl, der politisch ganz nah dabei gewesen war.

von Götz Schaub

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