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Eine deutsch-französische Lauflegende

Das wäre mal einer Eine deutsch-französische Lauflegende

Ein Franzose aus Ebsdorf hat es zu einer gewissen Bekanntheit gebracht: Michel Descombes geht bei Läufen im Clowns-kostüm in den französischen Farben an den Start.

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Michel Descombes ist als Clown in den französischen Nationalfarben bei Läufen in ganz Deutschland dabei. Beim Hamburger Marathon lief auch der Ebsdorfer Sascha Grün mit.Foto: privat

Ebsdorf. Sport soll ja bekanntlich fit halten - lachen auch. Wie bekömmlich die Mischung ist, zeigt Michel Descombes: Der gebürtige Franzose hat kürzlich seinen 75. Geburtstag gefeiert. Bei Benefizläufen und bei Marathonläufen ist er noch regelmäßig am Start. Inmitten der Läufer sticht er dabei ins Auge. Nicht wegen seines Alters, das sieht man ihm kaum an - sondern wegen seiner Laufkleidung: Descombes geht seit Jahrzehnten im Clownskostüm in den französischen Nationalfarben an den Start.

Geboren im Mai 1941, in Blois an der Loire, ist der Franzose mit Ende 20 der Liebe wegen nach Deutschland gekommen. Eine Leidenschaft zum Sport hatte er schon immer. „Die Langdistanzen habe ich aber erst mit 43 Jahren für mich entdeckt“, sagt Descombes.

Der erste Lauf im Kostüm war ein ganz besonderer Augenblick: Kurz vor dem Mauerfall unterzeichneten Jacques Chirac und Francois Mitterand in Frankreich eine europäische Friedensbotschaft. Descombes gebührte die Ehre, diese Botschaft nach Berlin zu bringen - zu Fuß. Die Strecke legte er in je 60 Kilometer langen Etappen zurück, in manchen Orten begleiteten ihn fröhliche Kinder ein Stück, wie er sich gerne zurückerinnert. Damals sammelte er 30000 Euro für Unicef.

Privat lebt der frühere Banker in Ebsdorf, verbringt aber auch viel Zeit des Jahres auf Gran Canaria, seiner Lieblingsinsel. Sein ungewöhnliches Laufdress hat Descombes mittlerweile nicht nur deutschlandweit Bekanntheit beschert: Er ist auch international bekannt. Zahlreiche Menschen haben mittlerweile im Internet Videos und Fotos von dem 75-Jährigen gepostet.

Seit 1989 startet der Franzose in den bunten Laufklamotten, hält meist ein Baguette aus Plastik und bunte Transparente in der Hand. Manchmal läuft er noch vor der Ziellinie herum, feuert andere Läufer an und sorgt für Spaß. Denn dem „Spaßpräsidenten“ geht es nicht um Spitzenzeiten, sondern darum, dass der Sport nicht so ernst sein sollte.

„Monsieur Baguette“ will außerdem bewusst auffallen, für den guten Zweck: Descombes sammelt weltweit Geld für die „Villa Kunterbunt“, „Kinder in Not“ und weitere Projekte. So hilft er mit seinen Aktionen Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen und krebskranken Kindern.

Mehr als 200 Marathonläufe, zahllose Ultraläufe und mehr als 200000 Euro eingesammelte Spenden sind eine Bilanz, die ihn stolz machen. „Der Mann ist ein offenes Buch, so viele Kilometer, die kleinen Geschichten am Rande und die Uneigennützigkeit verdienen höchsten Respekt“, sagt Sascha Grün aus Ebsdorf, selbst ambitionierter Läufer.

Descombes ist auch regelmäßig beim Ebsdorfer Dorflauf dabei, um Werbung zu machen und Spenden zu sammeln. Ziele hat der Wahl-Ebsdorfer noch reichlich - an einen beschaulichen Ruhestand denkt er nicht, auch wenn er sich mittlerweile ein wenig einschränken muss.Neben einem 60-Kilometer-Benefizlauf liegt ihm besonders die „Tour der Hoffnung“ am Herzen. „Das ist zwar eine Radtour, aber auch besser für meine Knie“, sagt er augenzwinkernd.

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