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Eine Reise in die Vergangenheit

25 Jahre Deutsche Einheit Eine Reise in die Vergangenheit

Für viele Deutsche war es ein unfassbares Ereignis, für viele ihrer Kinder ist es bloß etwas aus dem Geschichtsbuch: Der Fall der Mauer und die Wiedervereinigung Deutschlands. Schüler aus dem gesamten Landkreis haben das Thema aufgearbeitet.

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Mit einer neuen Version von „Wind of Change“ hat die Schülerband der Gesamtschule Ebsdorfer Grund das Programm eröffnet.

Quelle: Patricia Kutsch

Dreihausen. Deutschland ist seit 25 Jahren wieder eine Einheit. Zuvor war es in zwei Teile getrennt – die DDR und die BRD. Die heutigen Schüler haben das Ereignis gar nicht miterlebt, kennen die Fakten nur aus dem Geschichtsbuch. Zum Jubiläum 25 Jahre Deutsche Einheit haben sich die Schüler der Gesamtschule Ebsdorfer Grund, der Gesamtschule Niederwalgern, der Wollenbergschule Wetter und des Gymnasiums Philippinum mit dem Thema beschäftigt. Sie haben in Berlin Passanten zum Mauerfall befragt und Gespräche mit Jutta Fleck, der Frau vom Checkpoint Charly, und anderen Zeitzeugen geführt.

Zurück ins Jahr 1990

Daraus haben sie ein abendfüllendes Programm gestaltet, um 25 Jahre Deutsche Einheit zu feiern. Die Schülerband der Gesamtschule Ebsdorfer Grund eröffnete den Abend mit ihrer Version von „Wind of Change“ und auch die Big Band des Gymnasiums Philippinum sorgte für Musik, etwa mit Tuxedo Junction. Die Schüler entführten das Publikum ins Jahr 1990.

1990 war Ballonseide, weiße Turnschuhe, Nirvana, Dauerwelle, Pretty Woman, Windows 3.0 und der Gameboy. Da war „Verdammt ich lieb dich“ 16 Wochen auf Platz 1 der Charts und der WM-Sieg für Deutschland. 1990 wurde am Checkpoint Charly demontiert und Deutschland wurde wieder eins.

Die Schüler haben Zeitzeugen befragt und aus den Berichten ein eindrucksvolles, emotionales Video gemacht und eine Ausstellung mit Gegenständen und Geschichten der DDR gestaltet. Ein Film mit Erinnerungen von Zeitzeugen des Mauerfalls und des Alltags in der DDR zeigte auch Jutta Fleck.

Sie war Gefangene, kam nach Westdeutschland, demonstrierte jahrelang um ihre Kinder in die BRD zu holen und wurde bekannt als die Frau vom Checkpoint Charly. Heute arbeitet sie für den Mitveranstalter des Abends, die Landeszentrale für politische Bildung.

Zeitzeugen lesen aus den eigenen Stasi-Akten

Sie hatte drei Zeitzeugen mit dabei, die dem Publikum aus ihren eigenen Stasi-Akten vorlasen. Steffi Bartel stand unter Beobachtung, weil ihre Eltern in den Westen gingen, sie blieb bei ihren Großeltern. Ihr Onkel versuchte laut Akte zu verhindern, dass das Kind nachreisen durfte. Erst 1972 mit 15 Jahren gelang ihr die Republikflucht. Ein Jahr zuvor wurde sie von der Jugendhilfe überprüft. „Sie ist psychisch und physisch gesund“, hieß es darin, auch, dass sie gewissenhaft gesellschaftsnützliche Aufträge erfülle. Allerdings sei ihre Kleidung genauso westlich wie ihre Meinungen.

Rocco Holler verlas einen Auftrag an einen Stasi-Spitzel, der seine Ehefrau aushorchen sollte. „Mitzunehmen ist eine Flasche Schnaps“, hieß es in der Akte. Der Schriftsteller Jürgen Hultenreich wurde etwa bei einer Lesung bespitzelt, in der er „seinen Unwillen gegenüber der Staatsgewalt“ zum Ausdruck brachte. Auch die Reaktionen des Publikums wurden genau beobachtet. „H. wirkte arrogant“, schrieb der Spitzel. „Er ist blond und Zigarrenraucher.“

Ein Europa ohne trennende Mauern

Die Gießener Historikerin Jeannette van Laak berichtete aus der Geschichte des Notaufnahmelagers in Gießen. Früher diente es zur Aufnahme und Erfassung der DDR-Flüchtlinge, heute werden dort Asylbewerber aus aller Welt untergebracht. Etwa 35 Flüchtlinge kamen täglich an – während zwei genehmigter Massenausreisen in den 80er-Jahren waren es bis zu 500 am Tag.

„Vor 25 Jahren wurden Mauern eingerissen“, sagte Bürgermeister Andreas Schulz. „Das war etwas Besonderes. Und heute werden wieder Mauern errichtet – auch in Europa.“ Daher sei er stolz, dass Deutschland heute eintrete für ein Europa ohne trennende Mauern.

Zum Abschluss des Abends präsentierte Beate Gallus, eine Tochter von Jutta Fleck, das „HerzFace“. Sie malte es 1983 für ihre Mutter – heute soll es Mut und Hoffnung weitergeben und die Menschen verbinden. Die Schüler sangen gemeinsam mit den Gästen des Abends das zugehörige Lied und sorgten so für einen passenden Abschluss.

von Patricia Kutsch

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