Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Eine „Glockebetzel“ und die lila Kühe

Dorfarchiv Ebsdorf Eine „Glockebetzel“ und die lila Kühe

Mit vielen Besuchern ging die siebte Präsentation des Dorfarchivs Ebsdorf seinem Ende entgegen. Ab November können sich Kulturfreunde auf Teil zwei der Ausstellung und die Geschichte der Ebsdorfer Vereine freuen.

Voriger Artikel
Ebsdorfer sichern sich ein heißes Kulturgut
Nächster Artikel
Im „Grund“ soll mehr gefeiert werden

Bei Kaffee und Kuchen trafen sich zahlreiche Ebsdorfer, um ein letztes Mal die jüngste Ausstellung des Dorfarchivs zu besuchen und etwas über ihr Dorf zu erfahren.

Quelle: Ina Tannert

Ebsdorf. Nur fünf Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, inmitten der katastrophalen, von Wiederaufbau und Verzicht geprägten Nachkriegszeit, stellten die Ebsdorfer 1950 ein beachtliches Fest auf die Beine, begingen trotz alle Widrigkeiten ihre 1200-Jahr-Feier. Dies war nur ein Thema von vielen der vergangenen Ausstellung im Dorfarchiv Ebsdorf, die der Heimat- und Verschönerungsverein anlässlich seines 20-jährigen Bestehens konzipierte.

Neben der Geschichte der hessischen Tracht, dem Dorfleben vor 150 Jahren oder den Hügelgräbern aus der Bronzezeit im Hachborner Feld, wartete die Präsentation „Ebsdorf - ein Dorf mit Geschichte(n), Teil 1“ mit Dutzenden weiteren kleinen Alltags-Themen der Vergangenheit auf.

Originale und originelle Stücke ausgestellt

„Es gibt zahlreiche dieser Mini-Themen, die trotzdem nicht in Vergessenheit geraten dürfen“, erklärte Vereinsvorsitzender Wolfgang Richardt. Das Ende des ersten Ausstellungsteils feierten Vereinsmitglieder und zahlreiche Bewohner mit einem kleinen Fest, samt Kaffeetafel und einer besonderen Attraktion: in den alten Hengstställen wurde ebenfalls der neue Schauraum des Archivs mit der neuen Sonderausstellung „Bakelit - ein Material für 1000 Dinge“ präsentiert.

Und fast ebenso viele All­tagsgegenstände aus der Vergangenheit hat der Verein zusammentragen können. Darunter finden sich zahlreiche originale wie originelle Stücke des vergangenen Jahrhunderts, die teils aus privaten Sammlungen stammen. Hunderte Einzelstücke konnten die Gäste ausgiebig begutachten, vom alten Lehrerpult, über diverse Werkzeuge bis hin zu alten Radios und Telefonen aus Bakelit, einer der ersten industriell produzierten Kunststoffe. Besonders beliebt bei den Besuchern war eine alte, mechanisch betriebene Rasierklingenschleifmaschine. Das denkbar einfach gestaltete, wie effektive kleine Kästchen schärft mit integrierten Wetzsteinen, die durch ein Zugband bewegt werden können, jede Klinge wieder messerscharf.

Stolz sind die Vereinsmitglieder auch auf eine gut erhaltene „Glockebetzel“ von 1867, eine traditionelle Zipfelmütze und Teil der Männertracht, dem Hessenkittel.

Teil zwei der Ausstellung eröffnet Anfang November

Die seit November laufende Haupt-Präsentation wurde von über 250 Personen besucht, die größtenteils mehrfach vorbeischauten. „Es gab großes Interesse, wir sind sehr zufrieden“, freute sich der Vorsitzende. Nach dem Erfolg des ersten Ausstellungsteils wollen die Vereinsmitglieder an dem Konzept festhalten: „Es gibt immer einen Hauptteil und mehrere kleine, wissenswerte Nebenthemen“, erklärte Richardt.

Teil zwei der Ebsdorf-Geschichte wird sich mit der Historie zahlreicher örtlicher Vereine und Zusammenschlüsse sowie deren Bedeutung für das dörfliche Leben beschäftigen, ehemalige wie aktuelle. Neben den großen Organisationen wie dem weit über 100 Jahre alten Gesangverein und Posaunenchor erwartet die Besucher Wissenswertes über heute kaum noch bekannte Vereine, wie die „lila Kühe“ - eine Art „Mädelsschaft“ als Pendant zur Burschenschaft oder den ehemaligen Radfahrerverein „Torpedo“.

Die Ausstellungseröffnung ist für Anfang November geplant. Bis dahin werden die Vereinsmitglieder intensiv forschen, sammeln und archivieren.

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr