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Ein Zeichen besonderer Wertschätzung

Auszeichnung für Landsynagoge Roth Ein Zeichen besonderer Wertschätzung

Der Arbeitskreis dörfliche Kultur zeichnete den Arbeitskreis Landsynagoge Roth mit der „Jakobsmuschel“ für seine Verdienste um die Bewahrung und kulturelle Nutzung der Synagoge als wichtiges bauliches Zeugnis dörflicher Kultur aus.

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Die Vorstandsmitglieder des Arbeitskreises Dörfliche Kultur Ena Messik (von links) und Siegrun Buchholz-Oeste mit Dr. Annegret Wenz-Haubfleisch, Vorsitzende des Arbeitskreises Landsynagoge Roth, sowie dem ADK-Vorsitzenden Willibald Preis.

Quelle: Manfred Schubert

Roth. Seit 2000 verleiht der Arbeitskreis Dörfliche Kultur (ADK) mit Sitz in Kirchhain jährlich die „Jakobsmuschel an der Tür“ an Personen, Vereine oder Einrichtungen, die sich besonders für die Erhaltung ländlicher Kulturdenkmäler, vor allem verlassene Kirchen, und deren kulturelle Nutzung einsetzen.

In diesem Jahr hatte sich die Jahreshauptversammlung des ADK einstimmig für den Arbeitskreis Landsynagoge Roth (AKL) entschieden, berichtete der ADK-Vorsitzende Willibald Preis in seiner Laudatio während des Festakts zur Preisverleihung vor etwa 60 Gästen. Es sei das erste Mal, dass eine Synagoge mit der dem Pilgerzeichen des Jakobsweges nachempfundenen getöpferten Muschel ausgezeichnet werde.

Synagoge ist jetzt ein zentraler Platz für Kultur

Das Synagogengebäude habe sich in einem trostlosen Zustand befunden und sei, nach einer Findungsphase von 1983 bis 1987, innerhalb von zehn Jahren saniert, zu einem würdigen Denkmal und seit der Eröffnung 1998 zu einem zentralen Platz für kulturelle Veranstaltungen geworden. Das Nutzungskonzept in Roth mit seinem breit gefächerten Veranstaltungskalender mit Gesprächen, Lesungen, Konzerten, Theater, Filmen, Schülererkundungen und Gedenkveranstaltungen sei aufgegangen.

Diese Fülle sowie der Versöhnungs- und Wiedergutmachungsgedanke bewogen den ADK, den Arbeitskreis auszuzeichnen, unterstrich Preis. Von den alten Jakobswegen sei einer auf der Köln-Leipziger Handelsstraße verlaufen, habe Marburg berührt und ungefähr bei Roth habe man sich nach Koblenz, Trier und Metz orientiert. Einen historischen Nachweis gebe es nicht, es könnte aber sein, dass es einst in Roth oder der Nähe einen Richtungshinweis mit einer Muschel gegeben habe.

"Jakobsmuschel" als Hinweis auf "glückliche Zukunft"

Bürgermeister Peter Eidam bezeichnete die „Jakobsmuschel an der Tür“ als Nachweis schwieriger, manchmal erfolgreich erhaltender Bürgerarbeit gegen den Strom der Zeit und als Hinweis auf eine „glückliche Zukunft“. Sie sei Zeichen, zugleich Mahnung als auch Hoffnung, Menschen zu finden, die zuhören und Verständnis haben und unsere Kulturgüter und darüber hinaus die Menschen wertschätzten. Der AKL erhalte und betreibe die Landsynagoge mit Sensibilität und viel Herzblut.

Seit dem 16. Jahrhundert lebten Juden auf dem Lande Dr. Annegret Wenz-Haubfleisch, Vorsitzende des AKL, sagte, der Preis sei für sie ein besonderer, weil der ADK damit dem durch die bisherigen Preisverleihungen entstandenen „Pilgerwegenetz im kunstgeographischen Sinn“ eine neue wichtige Wegmarke hinzufüge. Für Hessen sei es seit dem 16. Jahrhundert typisch gewesen, dass Juden in den Dörfern lebten oder als Händler präsent waren. Bis zur Vertreibung und Vernichtung durch das NS-Regime seien sie selbstverständlicher Teil unserer ländlichen Strukturen gewesen.

Bei der Vereinsgründung 1996 habe man sehr bewusst den Begriff „Landsynagoge“ in den Namen mit aufgenommen, um dies hervorzuheben. Sie dankte für die gleichzeitige Würdigung der Bedeutung des Judentums für die ländliche Kultur mit dieser Auszeichnung an den AKL. Vier Schülerinnen und ihr Lehrer von der Gesamtschule Niederwalgern gestalteten die Feierstunde musikalisch mit.

von Manfred Schubert

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