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Ein „Trüffelschwein“ der Vorgeschichte

Archäologie Ein „Trüffelschwein“ der Vorgeschichte

Aufmerksam beobachtet Herbert Scheuermann Verfärbungen im Erdboden, untersucht frisch gepflügte Äcker. So hat er schon zahlreiche Pfeilspitzen aus der Steinzeit gefunden - und eine alte Siedlung in Wittelsberg.

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Herbert Scheuermann sucht seit 40 Jahren in den Landkreisen Marburg-Biedenkopf und Waldeck-Frankenberg nach archäologischen Fundstücken.

Quelle: Patricia Kutsch

Ebsdorf. Mit einer kleinen Scherbe begann bei Herbert Scheuermann vor 40 Jahren die Leidenschaft. Seither sucht der Hobby-Archäologe aus Bottendorf im Landkreis Waldeck-Frankenberg regelmäßig nach Überbleibseln aus längst vergangenen Zeiten. Hunderte von Scherben, Pfeilspitzen und Überresten von Dolchen hat er in den vergangenen Jahrzehnten angesammelt - und dem Landesamt für Denkmalpflege schon den ein oder anderen guten Tipp für eine Fundstelle gegeben.

In seiner Heimat hat der Bottendorfer zunächst wenig gefunden. Daher konzentrierte er seine Suche auf das Marburger Land. Gerade im Amöneburger Becken findet ein Archäologe laut Scheuermann schnell Reste aus der Vorgeschichte - wenn er weiß, worauf er achten muss. Die Böden im Amöneburger Becken haben es Scheuermann leicht gemacht: „Man erkennt Fundstellen an den Verfärbungen“, erklärt er. So entdeckte er 2002 bei Wittelsberg im Ebsdorfer Grund eine Siedlung aus der Jungsteinzeit. Er sah die Verfärbungen und meldete es dem Landesamt für Denkmalpflege - denn an dieser Stelle sollte bald schon eine Ortsumgehung gebaut werden. „Sie fanden drei Hausgrundrisse. Die waren jeweils 25 Meter lang“, erklärt Scheuermann.

Zwei Fundstellen in Ebsdorf

Zwei Fundstellen hat Scheuermann in Ebsdorf entdeckt. Überreste aus der frühen Jungsteinzeit fand er dort. Zwischen Dreihausen und Roßberg entdeckte er ebenfalls eine Verfärbung, die ihn schließlich zu 700 Jahre alten Scherben führte. Bereits 1989 fand der Bottendorfer zwischen Heskem und Moischt ein Urnenfeld aus der Bronzezeit. Seine Entdeckung zog Ausgrabungen durch die Fachleute nach sich - die entdeckten tatsächlich ein komplett erhaltenes Grab mit Beigaben, wie kleine Messer und Gefäße.

„Ich habe eigentlich in jedem Dorf von Kirchhain bis Lohra eine Fundstelle“, sagt Scheuermann rückblickend. Bei Schweinsberg fand er den Standort eines Gebäudes aus der römischen Kaiserzeit. Rund 200 Meter lang sei es gewesen, erinnert der Hobby-Archäologe sich. Scherben hatte er dort gefunden und einige Teile aus Eisen. Kleine Becher fand er in Erfurtshausen, verzierte Scherben auf einem Acker bei Schröck, Scherben aus der römischen Kaiserzeit bei Schweinsberg. „Marburg und das Amöneburger Becken sind ein sehr geschichtsträchtiges Gebiet.“

Die meisten Fundstücke sind aus Stein

Mittlerweile hat Scheuermann seine stolze Sammlung in Vitrinen angeordnet, macht sie Besuchern gerne zugänglich. An mehr als 300 Fundstellen hat er zahlreiche Überbleibsel aus der Vorgeschichte entdeckt. „Mein ältester Fund ist etwa 400000 Jahre alt“, sagt der Hobby-Archäologe. Der Bottendorfer sammelt Gegenstände bis aus der Zeit des Mittelalters. Die meisten Funde sind aus Stein, „weil der sich hält“, erklärt Scheuermann. Auch Scherben von Tongefäßen haben sich über die Jahrtausende gehalten. „Knochen oder geflochtene Körbe aus organischen Materialien sind heute kaum noch zu finden“, sagt er.

„Ich habe mich schon immer für Archäologie interessiert. Mittlerweile weiß ich, wo ich suchen muss“, erklärt Scheuermann sein Hobby. „Ich bin eben ein kleines Trüffelschwein.“ Er hoffe, immer wieder das Besondere zu finden, das zieht ihn hinaus auf die Äcker.

Seine Privatsammlung möchte er gar nicht unbedingt erweitern oder gar behalten. „Ich möchte, dass die Fundstücke dahin gehen, wo sie herkommen.“ Allerdings gebe es nicht überall Museen, die seine Fundstücke aus der jeweiligen Gegend zeigen können.

„Aber die Stücke aus Frankenberg gehören nach Frankenberg und die Stücke aus Amöneburg eben nach Amöneburg.“ Derweil verwahrt Scheuermann seinen Fund, ordentlich nummeriert und mit Verzeichnissen, wann er etwas wo entdeckt hat. „Und es gibt noch so viel zu entdecken“, sagt er.

Vieles habe allerdings Tausende von Jahren im Boden überdauert - und gehe dann durch die Bautätigkeit der Menschen kaputt.

von Patricia Kutsch

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