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Ein Trialog, der den Horizont erweitert

Landsynagoge Roth Ein Trialog, der den Horizont erweitert

In der Landsynagoge Roth informierten die Lehrer Eckhard Pfeffer und Sebastian Popovic von der Ricarda-Huch-Schule in Gießen über die Schulpartnerschaft mit der Eldad Highschool in der israelischen Stadt Netanya.

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Eckhard Pfeffer (links im Hintergrund) und sein Kollege Sebastian Popovic stellten in Roth die Schulpartnerschaft mit der Eldad Highschool in der israelischen Stadt Netanya vor.Foto: Michael Hahn

Roth. Popovic ist Koordinator des Projekts und war wie sein Kollege Pfeffer schon oft als Betreuer mit in Israel. Zu den anwesenden Zuhörern gehörte auch der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Marburg, Amnon Orbach. Nach der Begrüßung durch die Vorsitzende des Arbeitskreises Landsynagoge, Annegret Wenz-Haubfleisch, die das Projekt als „bemerkenswert und zukunftsweisend“ bezeichnete, präsentierten die Pädagogen dessen bisherige Geschichte anhand von Videos und Bildern und lieferten einen Ausblick in die Zukunft der einzigartigen Partnerschaft.

Netanya und Gießen sind Partnerstädte, weshalb die Suche nach einer Schule für ein Schüleraustauschprogramm hier naheliegend war. 2011 fand zum ersten Mal ein Austausch statt, der dieses Jahr in die dritte Runde geht. Unter dem Motto „Partnerschaft leben - Zukunft gestalten“ und „Miteinander - Voneinander - Füreinander“ soll ein „Trialog“ stattfinden zwischen Juden, Christen und Muslimen.

Deutsche und israelische Schüler bekommen durch den Austausch nicht nur die Möglichkeit, ihren kulturellen und menschlichen Horizont zu erweitern, sondern auch Erfahrungen und Freundschaften fürs Leben zu sammeln. Eckhard Pfeffer, der aus dem Fronhäuser Ortsteil Bellnhausen stammt, betonte, es solle für die Jugendlichen Räume geschaffen werden für Lebenserfahrungen, für Auseinandersetzungen mit Geschichte, für das Erinnern, für Begegnungen mit Überlebenden und Zeitzeugen und generell für Begegnungen mit Menschen.

Das gemeinsame Gedenken von jungen Israelis und jungen Deutschen sei wichtiger Bestandteil des Austauschs, erklärte Popovic. Der jeweilige Perspektivenwechsel wäre nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Lehrer enorm hilfreich. Man sei auf der Suche nach fachdidaktischen Konzepten nicht fündig geworden, weshalb die Schülerinnen und Schüler zusammen ein Konzept entwickelten, bei dem Gedenken, Austausch und Diskussion möglich wären. Sie sollen an wechselnden, zukunftsorientierten Themen arbeiten, um eine gemeinsame Perspektive zu entwickeln. Dabei solle Raum für Austausch und emotionale Aufarbeitung geboten werden.

Landsynagoge als idealer Ort, um Fragen zu stellen

Trauer sei individuell, „jeder darf und soll reagieren wie er möchte“, fügte der Lehrer hinzu. All diese Prinzipien wären an keinem Ort besser umsetzbar als in der Landsynagoge Roth. Der Raum wirke auf Schüler, so Popovic, sie begännen von ganz alleine Fragen zu stellen und sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die Austausche werden unter anderem durch die Einwerbung von Drittmitteln finanziert, die bis zu zwei Drittel der Gesamtkosten abdeckten. Man wolle ausdrücklich auch Schüler aus sozial schwächeren Familien den Austausch ermöglichen, betonte Popovic. Die Außendarstellung des Projekts finde mittlerweile bundesweit statt, die Schüler betrieben nicht nur eine Facebook-Seite, sondern stellten beispielsweise auch eigene Fotopräsentationen zusammen.

Das Leitthema des Austauschs, bei dem sich mit 13 israelischen und 14 deutschen Schülern die bisher größte Gruppe begegnet, stehe unter dem Leitthema „Holocaust-Gedenken und Nachhaltigkeit: Historische Verantwortung als Teil der sozialen Nachhaltigkeit verstehen lernen“. Die Vorbereitung auf den Besuch der Gedenkstätte Buchenwald würden die jungen Menschen in der Landsynagoge anhand von Einzelschicksalen von Juden aus Roth vornehmen, erklärte Popovic.

In Zukunft werde man außerdem versuchen, Partnerschaften mit Schulen in Andalusien und Istanbul zu knüpfen, um den „Trialog“ zwischen den Kulturen noch besser führen zu können. Auch Austausche für Lehrer wären denkbar. Für die Pädagogen Pfeffer und Popovic sei die Arbeit an dem Projekt eine Herzensangelegenheit, für das sie auch private Zeit aufwenden. „Dafür lebe ich als Lehrer, die Schüler entwickeln sich enorm“, berichtete Popovic stolz und Pfeffer fügte hinzu: „Auch wir bekommen viel zurück.“

von Michael Hahn

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