Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 9 ° Regen

Navigation:
Ein Picknick mit Ziegenböcken

Burgruine Frauenberg Ein Picknick mit Ziegenböcken

Es war ein lauer Sommerabend mit Picknick auf dem Frauenberg - und mit unerwarteten Gästen. Wenn die neugierigen Ziegen von Halil Erkan aus Cölbe im Anmarsch sind, empfiehlt es sich, das Picknick schnell einzupacken.

Voriger Artikel
Eine Sommernacht unterm Kirschbaum
Nächster Artikel
Weit mehr als eine Unterstützung

Picknick mit Ziegen: OP-Redakteurin Carina Becker bekam unerwarteten Besuch.

Quelle: Tobias Werner

Frauenberg. Auf einmal bahnt sich am Dienstagabend eine kleine Herde von acht Ziegen ihren Weg durch das Tor der Burgruine auf den Frauenberg hinauf. Die Tiere kommen nur langsam voran. Sie pausieren immer wieder an der Burgmauer, knabbern ein wenig Grünzeug ab oder lecken ausdauernd an den Steinen der Ruine.

Auf dem Burgberg ist ein bisschen was los an diesem Abend. Mehrere Besucher genießen von der Burgmauer aus die beeindruckende Fernsicht, haben sich auf einer Ruhebank oder wie wir auf der Picknickdecke im Gras niedergelassen. Jetzt herrscht Verwirrung: Wo kommen die Ziegen plötzlich her? Sind sie irgendwo ausgebüxt? Nach und nach wechselt das Publikum und immer wieder wird gefragt, wer denn hier für die Ziegen zuständig sei.

Das Rätsel lässt sich erst am nächsten Tag und nach mehren Telefonanrufen lösen. Das ist an jenem Abend aber nicht weiter schlimm, denn mit den Ziegen, ausschließlich junge Böcke, wie ein Burgbesucher gleich fachkundig feststellt, wird es jetzt erst richtig interessant.

Ein vorwitziger kleiner grauer Bock läuft den anderen voraus das letzte Stück Berg hinaus, marschiert schnurstracks auf die Picknicker zu und platziert sich vorwitzig auf der Decke, trinkt den Chai-Latte aus, der dort noch steht, und schaut sich alles gründlich an. Erstmal sind wir so verdutzt, dass wir das Einpacken vergessen und den Ziegenbock gewähren lassen. Davon braucht man schließlich Fotos! Dann stellen wir fest, dass so ein meckernder Gast ganz schön viel Dreck mit auf die Picknickdecke bringt und fangen hektisch mit den Einpacken an.

Den Bock schert das wenig. Er steckt seinen Kopf in Rucksack und Tüten, knabbert hier und dort. Man muss schon etwas energisch werden, um ihn davon abzubringen. Inzwischen haben die anderen Jungböcke auch Mut gefasst - wo der vorwitzige Graue mit den lustigen Kinnbommeln hinmarschiert, da folgen alle anderen.

Auf der Picknickdecke wird es jetzt langsam eng. Wir geben uns geschlagen und packen alles weg. Alle Böcke außer dem kleinen Grauen lassen sich ganz leicht vertreiben. Rucksäcke und Taschen werden auf der Bank abgestellt, dort sind sie wohl sicher. Die Ziegen trollen sich. Doch das Böckchen mit den Kinnbommeln springt auf die Bank und knabbert an den Taschen. Wir schimpfen - und er zieht endlich ab. Jetzt gibt es etwas Neues zu erkunden. Die anderen Böcke haben die Treppe zur Aussichtsplattform und Burgmauer entdeckt und sind schon nach oben unterwegs. Der kleine Graue schließt sich an.

„Die Ziegen sind so lieb, die machen so etwas nicht“

Bei den Menschen oben auf der Burgmauer kommt leichte Panik auf: „Machen die Ziegen was, bocken die?“, ruft die Burgbesucherin Carolin Berghäuser, eine Studentin aus Marburg. „Nö, gar nichts“, sagen wir. Und schon haben die Jungböcke ihre nächsten Freunde gefunden. Auf der Burgmauer schießt man jetzt begeistert Handyfotos mit Ziegen.

Dann bieten sich vor der Kulisse der untergehenden Sonne beeindruckende Bilder. Die Jungböcke klettern auf der Mauer der Ruine umher und liefern sich kleine Kämpfchen.

Tags darauf, am Mittwoch, will ich mehr wissen. Wem gehören denn nun diese Ziegen und warum laufen sie frei auf dem Burgberg herum? Bei der Gemeinde Ebsdorfergrund weiß man von nichts. Aber der Wirt vom Restaurant „Seebode“ am Fuße des Burgbergs kann weiterhelfen. Robert Claar verweist auf das Forstamt Kirchhain, das ein Beweidungsprojekt für den Burgberg unterhalte.

Der stellvertretende Forstamtsleiter Andreas Sommer ist wenig begeistert als er von den freilaufenden Ziegen hört. „Sie dürfen nur auf den umzäunten Flächen sein - außheralb müssen sie gehütet werden“, erklärt er und wundert sich über den Cölber Pächter Halil Erkan, mit dem das Forstamt einen Beweidungs-Pachtvertrag für den Burgberg abgeschlossen hat und der für seine Dienste bezahlt wird. „Es gab jetzt schon wiederholt Ärger wegen der Ziegen, die auch schon auf landwirtschaftlichen Flächen herumgelaufen sind“, sagt er und ergänzt, dass es dabei auch um Haftungsfragen gehe: „Was wäre denn, wenn beispielsweise eine der Ziegen ein Kind umstößt oder ähnliches und jemand wird verletzt?“, verdeutlicht Sommer das Problem und denkt darüber nach, den Pachtvertrag mit Erkan zu kündigen. Halil Erkan versteht die Aufregung nicht. „Die Ziegen sind so lieb, die machen so etwas nicht“, sagt er und erklärt, dass die „Tiere sich auch gar nicht annähern, wenn man sie nicht mit Essen anlockt“. Füttern sollten Besucher des Burgbergs die Tiere ohnehin besser nicht. „Ich füttere sie ja schon und sie sollen die Flächen dort abgrasen“, betont Erkan und erklärt, dass er jeweils für einige Stunden am Tag acht Böcke aus dem Gatter heraus lasse, damit der Berg rundum abgeweidet wird. „Dann fange ich sie wieder ein und bringe sie zu den anderen zurück.“

Wenn es nach dem Cölber Ziegenhalter geht, bleiben die Jungböcke noch den ganzen Sommer am und auf dem Burgberg. „Was danach aus ihnen wird, weiß ich noch nicht. Wenn ich einen Stall finde, würde ich sie gern behalten. Ansonsten schmeckt Ziege auch sehr gut.“

von Carina Becker

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr