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Ein Paradies für Bulldog-Freunde

Feldtag in Niederwalgern Ein Paradies für Bulldog-Freunde

Die Landtechnikfreunde Niederwalgern laden am Samstag zum Feldtag „Rund um die Kartoffel“ mit Heimat- und Brauchtumsabend ein. Am Sonntag stehen die Landmaschinen im Vordergrund.

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„Lanz-Doktor“ Werner Lange hat den Lanz Bulldog aus dem Jahr 1938 gestartet, danach stellte er den Motor optimal ein.

Quelle: Manfred Schubert

Niederwalgern. Dann findet ein Treffen von Lanz-Bulldogs und anderen Oldtimer-Traktoren sowie eine Ausstellung von Landmaschinen aus 200 Jahren statt. In den Supermarkt gehen, einen Beutel mit sauber gewaschenen, glänzenden Kartoffeln kaufen und in den Topf werfen. Oder, noch einfacher, eines der zahlreichen Fertigprodukte von Pommes über Püree bis Kroketten mitnehmen. Welche Arbeit aber dahinter steckt, bis die vielseitig verwendbare „tolle Knolle“ zum Verkauf bereit ist, kann man auf unterhaltsame Weise beim Feldtag der Landtechnikfreunde Niederwalgern erleben.

„Rund um die Kartoffel“ lautet das Motto am kommenden Samstag. Menschen, Pferde und Geräte werden ab 14 Uhr auf einem Feld neben dem Freizeitgelände „Fun Park“ zeigen, wie die Arbeit vom Setzen bis zum Ernten und Sortieren der Kartoffeln von 1880 bis heute aussah und aussieht.

Ab 19 Uhr schließt sich ein Heimat- und Brauchtumsabend unter dem Motto „Tanz in Tracht“ an. Die Besucher sind eingeladen, sich entsprechend zu kleiden. Alleinunterhalter Matthias Heuser musiziert, die Hessische Volkskunstgilde und die Volkstanzgruppe Gladenbach treten auf und die schönsten Trachten werden prämiert.

„Lanz-Doktor“ gibt Starthilfe

Einen kleinen Eindruck von dem, was am Sonntag ab 11 Uhr geboten wird, konnte man am vergangenen Samstag auf „Bremer’sch Hob“ bei Ortsvorsteher und Mitorganisator Hans Heinrich Heuser gewinnen.

Dort stehen einige der historischen Gerätschaften und Landmaschinen der Landtechnikfreunde, die bereits seit Wochen dabei sind, alles für den Feldtag in Schuss zu bringen. Der als „Lanz-Doktor“ bekannte Gießener Werner Lange war am Samstag gekommen, um drei alte Lanz-Bulldogs in Gang zu bringen. Die Heinrich Lanz AG in Mannheim war einst die größte Landmaschinenfabrik auf dem europäischen Kontinent.

Die ab 1921 bis 1957 hergestellten Traktoren, deren Name sich von den dem Gesicht einer Bulldogge ähnelnden Motoren ableitete, wurden zum Inbegriff der Schlepper von der Vorkriegs- bis zur Nachkriegszeit und führten zu deren umgangssprachlicher Bezeichnung als „Bulldog“.

Die Lanz-Bulldogs zeichneten sich durch Einfachheit, Robustheit und Zuverlässigkeit aus und wurden mit kostengünstigem Rohöl betrieben. Man kann sie auch mit Pflanzenöl befüllen, erzählte Lange, und berichtete schmunzelnd von einer entsprechenden „Tankaktion“ bei einem Supermarkt. Er teilt die Faszination für die alten Traktoren mit vielen Menschen, die mittlerweile Liebhaberpreise für diese zahlen. 1964 hat er im Alter von 13 Jahren seine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker begonnen. „Damals musste man in der Lehrlingszeit noch Sonntagsdienste leisten, da hat sich die Arbeit nach dem Lehrherrn gerichtet. Das ist heute undenkbar“, erinnerte er sich, während er an einem der alten Bulldogs arbeitete. Und obwohl er danach nie in seinem Beruf gearbeitet, sondern beispielsweise Panzer der Bundeswehr instand gesetzt hat, merkt man ihm seine Leidenschaft für diese Oldtimer an, bei denen er neben technischem auch mit Hintergrundwissen glänzt.

Starten mit der Lötlampe

Eines waren und sind die Bulldogs allerdings nicht, nämlich komfortabel. Von 1921 bis 1951 wurden die Motoren mit einer Glühkopfzündung gebaut. Was das bedeutete, wenn man seinen Schlepper starten wollte, führte Werner Lange an einem Lanz aus dem Jahre 1938 vor. Zunächst musste er mit einer Lötlampe von unten den Glühkopf erhitzen und dann mit dem abnehmbaren Lenkrad ein großes Schwungrad an der rechten Seite drehen, um den Motor zu starten. Das Geräusch, dass dann zu hören ist, und auch die dem Auspuff entsteigende Wolke entsprechen sicher nicht mehr heutigen Lärm- und Abgasvorschriften, sind aber auf jeden Fall äußerst eindrucksvoll. Und auch, dass im langsamen Lauf der Bulldog hin- und herwackelt. Kein Wunder, bewegt sich da ein einziger Kolben, der 41 Kilogramm wiegt, in über zehn Litern Hubraum horizontal hin und her und leistet dabei 55 PS. Einen Rückwärtsgang gibt es auch nicht. Am Geräusch und den Abgasen erkannte Lange, dass noch etwas Feineinstellung nötig war. Danach wandte er sich einem weiteren „Patienten“ zu, der etwas komplizierter zu heilen war. Ein Bulldog von 1937, 1955 zum so genannten „Halbdiesel“ umgebaut, der mit Hilfe einer Benzineinspritzung und Zündkerze gestartet wird.

Diese und etwa 100 weitere Oldtimer-Traktoren, davon ein Großteil Lanz-Bulldogs, werden bei dem Treffen am Sonntag erwartet. Die am besten restaurierten sollen prämiert werden. Bei guten Bodenverhältnissen stehen Pflüge und andere landwirtschaftliche Geräte aus verschiedenen Epochen zum Anspannen bereit. Auch eine Buschhoff-Großdreschmaschine aus den 1950er-Jahren soll bei passendem Wetter zum Einsatz kommen.

Der Eintritt ist an beiden Tagen frei. Freiwillige Spenden sammeln die Landtechnikfreunde zugunsten der Clowndoktoren am Universitätsklinikum.

von Manfred Schubert

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