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Ein Kilo Mehl vom urigen Urkorn-Acker

Zeiteninsel Argenstein Ein Kilo Mehl vom urigen Urkorn-Acker

Säen und ernten mit der Hand, Essen verarbeiten wie früher: Neun- und Zehnjährige aus Niederweimar beschäftigten sich mit Ackerbau, wie er einst betrieben wurde - und waren begeistert.

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Zum Abschluss ihrer Ackerbau-Aktion rösteten die Kinder Stockbrot über dem offenen Feuer.

Quelle: Carina Becker-Werner

Argenstein. „Das wird ein Brotaufstrich“, erklärt die zehn Jahre alte Greta Scherer und schabt energisch Meerrettich mit einem Feuerstein. Die zerkleinerten Äpfel, mit denen das Wurzelgemüse vermischt wird, stehen schon bereit. „So richtig gut geht das nicht mit so einem stumpfen Stein“, sagt Greta und arbeitet mit viel Energie weiter, „aber es macht trotzdem Spaß“. Das findet auch ihre Klassenkameradin Rebecca Zenker: „Das ganze Projekt hier auf der Zeiteninsel ist ganz toll für uns.“

Vorm Beginn der Herbstferien endete in der vergangenen Woche eine Ackerbau-Aktion der vierten Klassen an der Grundschule Niederweimar auf dem Gelände des Freilichtmuseums in Argenstein. Es war bereits der zweite Durchlauf des Projekts - „und nächstes Jahr machen wir es wieder“, kündigt Meike Schuler-Haas, Mitarbeiterin der „Zeiteninsel“ an. „Heute sind außer den Viertklässlern noch so viele Eltern und Geschwister mit dabei, daran sieht man, dass das Projekt ein großer Erfolg ist“, erklärt Schuler-Haas und ist froh darüber, dass die „Zeiteninsel“ auf diese Art und Weise das Interesse junger Menschen für die Arbeit in dem archäologischen Freilichtmuseum wecken könne.

Klassenlehrerin Ulrike Freudenstein ist dankbar für diese Bereicherung des Sachkundeunterrichts, „es ist ungleich wertvoller als eine Filmvorführung übers Säen und Ernten“, sagt sie. Ein Stückchen Land auf dem Gelände der „Zeiteninsel“ hatten die knapp 40 Kinder gemeinsam mit ihren Lehrern im Frühjahr mit den alten Getreidesorten Emmer, Einkorn, Dinkel und Gerste bestellt. Sie beobachteten die Pflanzen beim Wachsen und die ­Körner beim ­Reifen.

Zur Erntezeit waren dann Sommerferien, „deshalb haben wir das übernommen“, berichtet Schuler-Haas über den Einsatz der „Zeiteninsel“-Mitarbeiter, die, „ganz nach alter Methode mit der Steinsichel“ das Getreide schnitten.

Dann waren die Kinder wieder an der Reihe. „Wir haben das Getreide auf dem Schulhof gedroschen - mit Besen, Teppichklopfer und mit unseren Händen“, erzählt die zehnjährige Greta. So richtig prall fiel die Ernte nicht aus - gerade einmal ein Kilo Mehl kam heraus, nachdem die Jungen und Mädchen die Körner im Mörser zerrieben oder in ausrangierten Kaffeemühlen zermahlen hatten. Der Lerneffekt war allerdings umso größer, denn die Kinder stellten fest, wie viel Aufwand und Mühe im Anbau und der Weiterverwertung von Nahrungsmitteln stecken. „Ja, das war schon ganz schön anstrengend für so wenig Mehl“, sagt Philipp-Joas Endlich (9 Jahre), „aber es hat so viel Spaß gemacht so zu arbeiten wie die Leute früher“.

Dass auch wild gewachsene Pflanzen essbar und sogar schmackhaft sind, stellten die Kinder beim Abschlussfest auf der „Zeieninsel“ gemeinsam mit der wildkräuterkundigen Dr.Astrid Wetzel fest, die Schafgarbe, Huflattich, Beifuß und Spitzwegerich mit den Viertklässlern sammelte. Außerdem buddelte sie mit den Jungen und Mädchen wilden Meerrettich und wilde Möhren aus. „Zusammen mit den Äpfeln wird daraus ein leckerer Brotaufstrich - statt Kräuter der Provence gibt es bei uns Kräuter der Zeiteninsel“. erklärt Wetzel. Die selbstgemachte Paste verspeisten Kinder und Erwachsene zusammen mit Fladen- und Stockbrot vom offenen Feuer.

von Carina Becker-Werner

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