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Ein Garten steht für den Lebenskreis

Am Hugenottenpfad Ein Garten steht für den Lebenskreis

Der Hugenotten- und Waldenserpfad bekommt eine Schleife über den Südkreis - mit Anschluss an den Frauenberg, eine frühere Waldenser-Siedlung. Aus Beltershausens altem Friedhof wird bei dieser Gelegenheit ein „Garten des Wandels“.

Beltershausen. Es ist ein Projekt, an dem fünf Kommunen beteiligt sind. Es wird vom Ebsdorfer Grund aus und mit Anbindung an den Regionalverein Marburger Land federführend organisiert. Andreas Schulz, Bürgermeister von Ebsdorfergrund, hat sich darum bemüht, dass der Hugenotten- und Waldenserpfad eine Schleife über Gladenbach-Erdhausen, Lohra, Weimar-Argenstein und den Ebsdorfer Grund bis nach Marburg bekommt. Und vom Dreihäuser Rathaus aus läuft nun gesammelt die Beantragung von EU-Fördermitteln für die Ausweisung dieses 38,5 Kilometern langen Abschnitts auf dem Fernwanderpfad.

150000 Euro soll es kosten, die südliche Schleife des Hugenotten- und Waldenserpfads auszuweisen - „wir hoffen auf eine 50-prozentige Förderung aus dem Leader-Programm“, erklärt Anderas Schulz und verweist darauf, dass auf diese Weise der Frauenberg mit seiner früheren Waldensersiedlung sowie der frühere Friedhof Beltershausen mit seinen alten Hugenotten-Grabmalen an den Weg angebunden werden.

Den Streckenverlauf auf bestehenden Pfaden haben die zwei Wanderfachmänner Horst Nau aus Weimar und Burkhard Langefeld aus Gladenbach ausgearbeitet. Jetzt gilt es, diese Strecke noch innerhalb der 2015 auslaufenden Leader-Förderperiode mit Schildern, Bänken und Info-Tafeln auszustatten und in ein Stück Hugenotten- und Waldenserpfad zu verwandeln. Ein Hauptteil der Gesamtkosten von 150000 Euro entfällt dabei auf die Gemeinde Ebsdorfergrund, die in diesem Zuge ihren früheren Friedhof in Belterhausen in einen „Garten des Wandels“ umgestalten lassen will. Kostenpunkt: Rund 60000 Euro.

Eine weitere Attraktion entlang der Strecke soll dadurch entstehen für die Wanderer, ergänzend zu Anlaufpunkten wie der Zeiteninsel in Weimar-Argenstein, dem Elisabethbrunnen bei Marburg-Schröck und der Elisabethkirche in der Universitätsstadt. Neben den Fördermitteln, auf die die beteiligten Kommunen hoffen, wenden sie selbst Geld auf für die Ausgestaltung des Weges - außer die Gemeinde Lohra, die es ablehnte, 2000 Euro für den Hugenotten- und Waldenserpfad aufzubringen. Der Regionalverein Marburger Land übernimmt nun die Kosten und macht somit die Anbindung der Gemeinde möglich.

Mit drin im Paket ist für den Ebsdorfer Grund die Ausleuchtung des Gotthardt-Nau-Radweges von Beltershausen auf den Frauenberg. Eine Laterne, gespeist aus Solarmodulen und Windrad, steht bereits zu Anschauungszwecken am Ortsausgang Beltershausen, insgesamt zwölf dieser Lampen will die Gemeinde aufstellen.

Doch Herzstück des Vorhabens ist der „Garten des Wandels“. Den Entwurf für die Gestaltung des 1800 Quadratmeter großen Grundstücks mitten im Dorf hat die Diplom-Ingenieurin und Gartengestalterin Manuela Karras aus Marburg gemacht.

Alte Pflanzensorten und ein Heckenlabyrinth

„Ich habe das Grundstück zu allen Jahreszeiten auf mich wirken lassen“, erzählt die Fachfrau und berichtet, welchen Anspruch sie verfolgt mit ihrem Konzept. „Es soll ein Sinnesgarten werden, der eine Botschaft transportiert, der an die Wanderung der Flüchtlinge erinnert und der den Lebenskreis des Menschen aufnimmt“, skizziert Karras ihre Ideen.

Das fast quadratische Grundstück will Karras in vier separate Gartenabschnitte einteilen. Jeder Teil des kleinen Parks soll dabei für sich selbst stehen, miteinander sollen die vier kleinen Quadrate eine Einheit bilden. Die alten Linden auf dem Grundstück sowie einige alte Hugenotten-Grabmale und das Ehrenmal zur Erinnerung an die Weltkriege werden dabei eingebunden.

In der Nordost-Ecke soll nach Karras‘ Entwurf ein Gräberfeld mit Ziergräsern entstehen, eingefasst durch eine Hecke aus Zaubernuss, die im Winter blüht. Daneben soll das Ehrenmal seinen Platz finden. Dieser Teil des Gartens steht für die Sterblichkeit des Menschen.

Zwischen den Quadraten soll ein Kreuzweg entstehen, eingefasst mit duftender Kamille. Für die Nordwest-Ecke plant Karras ein Heckenlabyrinth, das für den Lebensweg des Menschen steht. Der südwestliche Teil des Gartens ist mit Blumenrabatten in Rot und Rosa, mit einem Barfußbereich und einem Pumpschwengel zum Erfrischen und Kühlen müder Wandererfüße gedacht. Dieser Abschnitt steht für die Jugend.

Die vierte Station des Gartens widmet sich dem Reifen. Der Mensch wächst und lernt, sammelt Erfahrungen. Karras will diesen Prozess durch Sträucher mit Wildfrüchten wie Quitte und Nispel, typische Pflanzen des Bauerngartens, mit Johannisbeeren und Stachelbeeren darstellen.

Wanderer, Menschen aus dem Dorf, jeder der Ruhe und Erholung sucht in dem Gärtchen soll von den Früchten naschen dürfen. Auch die Gäste des Bürgerhauses, die direkt nebenan den „Garten des Wandels“ besuchen können.

Karras plant mit pflegeleichten Pflanzen und einer Gestaltung, die den Erhalt des Gartens möglichst einfach machen soll. Die Schulen vor Ort sollen Patenschaften übernehmen.

Mit der Umsetzung der Vorhaben rechnet Bürgermeister Andreas Schulz ab dem kommenden Jahr.

von Carina Becker

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