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Ein Blick in eine versunkene Welt

Grabungen nahe Heskem Ein Blick in eine versunkene Welt

Im „Grund“ ging es schon vor 7000 Jahren ordentlich rund. Wie schon 2003 beim Bau der Ortsumgehung für Wittelsberg wurden nun auch bei Heskem  Spuren aus der neolithischen Kultur gefunden.

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Uwe Schneider zeigt die schwarzen Verfärbungen, die alle als Befunde gelten.

Quelle: Tobias Hirsch

Heskem. Uwe Schneider vom Verein Wissenschaftliche Baugrund-Archäologie Marburg ist Grabungsleiter in Heskem. Er organisiert die Grabungsarbeiten auf einer derzeit rund 2000 Quadratmeter großen Fläche, auf der dann die Ortsumgehung für Heskem gebaut werden soll.

Mit schwerem Gerät hat die Baufirma Wachenfeld Ende Oktober „akkurat und sorgfältig“ den Oberboden abgeschoben und so dem Archäologen bis Februar 2017 ein Portal in eine­ andere Zeit geöffnet. Und ja, dass was selbst Ungeübte sofort sehen können, nämlich deutlich abgegrenzte schwarze Verfärbungen im Erdreich, zeigen ihm Befunde und geben ihm damit die Gewissheit, dass hier Menschen gewirkt haben, und zwar vor gut 7000 Jahren. Menschen, die den Bandkeramikern zugeordnet werden.

Menschen, die zu ihren Lebzeiten zu einer ganz neuen Kultur gehörten, nämlich die der sesshaften Menschen, die nicht mehr nur jagten und sammelten, sondern Tiere domestizierten sowie Felder zur Nahrungsversorgung anlegten und bestellten, wie Dr. Christa Meiborg von der Abteilung Archäologie und Paläontologie des Landesamtes für Denkmalpflege, bei einer Besichtigung der Grabungsfläche erläutert.

Schwarze Kreise auf dem Erdboden deuten auf Häuser hin

Schwarze Flecken gibt es wirklich reichlich, Schneider geht nach derzeitigem Stand von mehr als zwei Dutzend Langhäuser aus, die auf dem Areal mal gestanden haben. „Die müssen nicht zwingend ­alle zur gleichen Zeit in Nutzung gewesen sein“, schränkt Meiborg ein. Viel mehr sei es wahrscheinlich, dass die Menschen nach einer gewissen Zeit, vielleicht nach 40 oder 50 Jahren, ein Haus aufgaben, nur um in unmittelbarer Nachbarschaft ein neues zu bauen.

Die Standorte der Häuser lassen sich durch parallel verlaufende schwarze Kreise im Erdboden ganz leicht lokalisieren. Jeder Kreis steht für einen Holzpfosten, der für den Bau von Langhäusern in den Boden gerammt wurde. Wohl aufgrund der häufigsten Windrichtung weisen sie in der Mehrzahl eine Ausrichtung von Nord-West nach Süd-Ost auf. Meiborg geht davon aus, dass die Pfosten aus Eichenholz bestanden haben, schließlich soll die Gegend vor Urbarmachung ein Eichenwald gewesen sein.

An zwei Stellen haben die Archäologen schon etwas tiefer gegraben und zwei Grubenschnitte vorgenommen. In den Gruben verwahrten die Menschen von damals unter anderem ihre Vorräte. Meiborg und Schneider kündigten bereits jetzt schon an, dass es im zeitigen Frühjahr sicher einen Tag der offenen Tür geben wird, während dem interessierten Mitbürgern die Grabungsfläche fachkundig vorgestellt und diverse Fundstücke gezeigt werden sollen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wurden schon einige Scherben von Gebrauchsgegenständen aus Ton gefunden, aber auch Feuersteine und Steinwerkzeug. Bleibt nur noch zu hoffen, dass das Wetter bis Februar einigermaßen mitspielt. Zuletzt waren die Bedingungen recht gut. Als es minus zehn Grad hatte, mussten die Arbeiten für eine Woche eingestellt werden.

von Götz Schaub

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