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Hündin Neele hilft beim Mathe lernen

Schulhund Hündin Neele hilft beim Mathe lernen

Die Grundschule in Dreihausen ist auf den Hund gekommen: Schulleiterin Hanna Homberger setzt ihre Sheltie-Hündin Neele regelmäßig im Unterricht ein. Die Kinder freut das riesig. Ein Besuch in der ersten Klasse.

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„Neele, bring!“, auf diesen Befehl hin bringt die süße Hündin den Schülern Karten mit Matheaufgaben. Heißt es stattdessen „Neele, einparken!“, dann dreht die Hündin sich um die Achse und „parkt“ zwischen den Beinen der Kinder ein.

Quelle: Patricia Grähling

Dreihausen. „Heute bringe ich Neele mit.“ Schulleiterin Hanna Homberger steht vor ihrer ersten Klasse, die an diesem Morgen noch etwas aufgeregt und laut ist. Aber sofort verstummen sie, freuen sich sichtlich. Denn sie wissen, dass Neele unruhig wird, wenn die Kinder rennen oder zu laut sind. „Pssst! Neele mag das nicht, wenn du so laut bist“, ermahnen die Schüler sich da schon mal gegenseitig.

Homberger geht zurück in ihr Büro und ruft die Sheltie-Hündin Neele herbei. Die läuft sofort in den Klassenraum, geht um die Tische herum, beschnuppert den Raum und holt sich hier und da eine kurze Streicheleinheit ab. Lina hat heute Hundedienst. Sie springt sofort auf, füllt einen Napf mit Wasser und holt ein großes Kissen aus einem Schrank. Das ist der Platz, an dem Neele sich ausruhen kann. Denn für die Hündin ist der Klassenbesuch Arbeit.

Ausgebildet, um Pädagogen zu begleiten

Neele ist eine ausgebildete Schulhündin, Homberger ihrer Hundeführerin. „Sie ist dazu ausgebildet, einen Pädagogen zu begleiten“, erklärt sie den Unterschied zum Therapiehund. Aber auch Homberger nutzt die positiven Wirkungen, die Tiere haben. „Hunde haben eine positive Wirkung auf das Sozialklima in der Klasse und die Befindlichkeit der Kinder“, sagt die Schulleiterin. Es sei auch erwiesen, dass der Blutdruck sinke und andere positive Effekte im Körper auftreten. „Der Hund ist wertfrei. Er fragt nicht, ob jemand rechnen kann oder eine schöne Handschrift hat“, so Homberger. Er lasse sich von allen streicheln, führe Befehle aus – und stärke damit auch das Selbstbewusstsein der Kinder.

Schulhund hilft bei Zahlenreihen

Neele läuft aber nicht immer nur im Unterricht zwischen den Tischen herum und beschnüffelt „seine“ Klasse. Manchmal arbeitet die Sheltie-Hündin auch richtig im Unterricht mit. So bringt Homberger den Kindern mithilfe der Hündin Zahlenreihen spielerisch bei. In einer Ecke des Klassenzimmers sitzen die 20 Schüler dafür im Kreis zusammen. Neele hockt in der Mitte auf dem Teppich und beäugt ihr Frauchen aufmerksam.

Homberger verteilt Kärtchen verdeckt um die Hündin herum. Dann „übergibt“ sie Neele an Lina – zeigt mit einem Handzeichen, dass die Hündin nun auf die Schülerin hören soll. Lina stellt sich vor die Hündin, schaut sie aufmerksam an und gibt ihr den Befehl „Bring“. Begeistert beobachten die Kinder, wie Neele nun eine Karte in die Schnauze nimmt und zu Lina bringt. Nun müssen alle Kinder schnell mit den Fingern anzeigen, wie viele blaue Kreise auf der Karte zu sehen sind. Für Neele gibt es ein Leckerli, bevor sie dem nächsten Schüler ein Kärtchen bringt.

„Neele zieht Frau Homberger die Socken aus“

Zum Abschluss dürfen einige Kinder Neele noch einen Trick machen lassen. Lina lässt die Hündin eine Rolle machen. Tim findet es lustig, wenn Neele ihm den Strumpf auszieht. „Bestimmt lässt sich Frau Homberger auch abends von Neele die Socken ausziehen, wenn sie ins Bett geht“, meint Lina. Tim glaubt, dass Neele auch die Spielsachen der Lehrerin wegräumen muss: „Neele räumt nämlich gerne auf.“
Tim glaubt, dass Neele schon „tausende Tricks“ kann. Jedenfalls lernt sie immer neue dazu. „Derzeit üben wir, dass Neele erst in einem Buch ,liest‘, die Seiten umblättert und sich dann in eine Decke einrollt“, verrät Homberger den Kindern schon mal. Mit Zahlen und Hund ist die Unterrichtsstunde wie im Flug vergangen.

Neele tippelt dann schon zurück in das Büro der Schulleiterin, legt sich dort in ihr Körbchen und schläft. „Ich lasse sie maximal 45 Minuten am Tag in den Unterricht, denn es ist anstrengend für sie“, so die Lehrerin. Außerdem hat Neele jeden Freitag schulfrei. „Die Schulhundregeln kennen die Kinder hier alle – und halten sie meistens besser ein als die Schulregeln.“ So waschen sich die Kinder alle nach der Hundestunde die Hände, brüllen nicht rum und zwingen Neele zu nichts.

Neele hilft beim Entspannen

Mit ihrem Hund hat Homberger fast ein Jahr lang eine spezielle Schulhund-Ausbildung gemacht. Außerdem darf Neele nur mit in eine Klasse, wenn alle Eltern zugestimmt haben. „Die Eltern erzählen mir mittlerweile, dass die Kinder daheim fast nur von Neele berichten“, so Homberger. Es sei faszinierend, wie wichtig ihnen der Hund nach sieben Wochen Schule schon geworden sei. Das sieht man überall in der Hunde-Klasse. Ein Bild von Neele ziert jedes Namensschildchen, sie hat eine eigene Ecke im Klassenraum – und immer wieder jede Menge streichelnde Hände. Denn auch wenn die Kinder für sich Aufgaben lösen müssen, dürfen sie mal kurz aufstehen, Neele streicheln und sich so entspannen – bevor sie weiterrechnen und schreiben.

von Patricia Grähling

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