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„Wollen kein Industriegebiet Wald“

Bürgerinitiative gegen Windpark „Wollen kein Industriegebiet Wald“

Bis zu 25 Windkraftanlagen können im geplanten Windpark Ebsdorfergrund entstehen. Viele Bürger wollen das nicht. Am Donnerstagabend haben sie eine Bürgerinitiative gegründet.

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Volles Haus: Männer und Frauen aus Ebsdorfergrund und anliegenden Gemeinden gründen eine Bürgerinitiative.

Quelle: Dominic Heitz

Roßberg. Großer Andrang im Dorfgemeinschaftshaus Roßberg: Sämtliche Stühle sind besetzt, mehr als 200 Frauen und Männer sind gekommen. Sogar vor der Tür stehen noch viele. Alle wollen hören, was die Initiatoren der Bürgerinitiative „Wald ohne Windkraft“ zu sagen haben.

An vielen Orten in Mittelhessen sind in den vergangenen Jahren Windparks entstanden. Oft haben sich Bürger umliegender Gemeinden zusammengetan, um gemeinsam gegen den Bau solcher Windräder anzugehen. Die Motive dürften überall die gleichen gewesen sein: die Menschen haben Angst.

Hintergrund

Im Regionalplan Mittelhessen ist zwischen Wermertshausen und dem Leidenhöfer Kopf ein 367 Hektar großer Höhenzug als Windvorranggebiet 3141 ausgewiesen. Dort dürfen Windkraftanlagen gebaut werden. Zwei Anlagen plant die Gemeinde Ebsdorfergrund dort zu bauen, die Waltinteressenten Dreihausen möchten acht errichten. Außerdem engagiert sich dort noch die Firma Juwi aus Wörrstadt in Rheinland-Pfalz. Das Unternehmen plant derzeit elf Windkraftanlagen in dem Gebiet zu bauen.

Dr. Meinolf Schubert ist einer derjenigen, die den Stein in Ebsdorfergrund ins Rollen bringen wollen. In seinem Vortrag artikuliert er an diesem Abend, wovor er und seine Mitstreiter Angst haben: Angst um die Natur, Angst um die eigene Gesundheit und Angst um die eigenen Vermögenswerte. Schuberts Ausführungen sind eine Generalabrechnung mit der Windkraft. Als zukunftsträchtige Energiequelle sei sie ungeeignet, zu sprunghaft, um verlässlich zu liefern. Auch zog er in Zweifel, dass Windkraftanlagen dazu beitragen, die CO2-Emissionen zu verringern und so das Klima zu schonen.

Seine Kritik richtet sich nicht nur gegen die Technik. Auch die Informationspolitik rund um die Planung des Windparks bemängelt er. „Viel offensiver“ hätte die Gemeindeverwaltung die Bürger informieren müssen, sagt er.  Eine Frau ruft verärgert dazwischen, dass sie erst von der Sache erfahren habe, „nachdem die Planung durch war“.

Es kommen immer mehr Zwischenrufe von den Zuhörern. Applaus brandet bei einigen Wortmeldungen auf. Eine Frau sagt: „Es kann nicht sein, das einige wenige Profit auf Kosten aller machen.“ Damit ist zum einen das Unternehmen Juwi gemeint, dass im großen Stil Anlagen bauen möchte – die höchsten der Welt, sagt Meinolf Schubert. Zum anderen meinte die Frau damit die Waldinteressenten Dreihausen. Das ist eine Gruppe von rund 50 Waldeigentümern, die gemeinschaftlich in ihrem Wald Windräder bauen lassen wollen.

Drohungen aus dem eigenen Lager

Einer dieser Waldinteressenten ist Bernhard Peil aus Dreihausen. Peil ist auch im Dorfgemeinschaftshaus. Irgendwann steht er auf und sagt, dass er nicht mitmachen wolle, bei dem Plan, Windräder in dem Wald zu errichten. Er sei hier, um die Bürgerinitiative zu unterstützen. Dafür werde er von einigen der Waldinteressenten angefeindet.

Auf OP-Nachfrage wird er am Freitag genauer. Man habe ihm gedroht, sagt er. „Wenn ich nicht mitmache, soll ich auch kein Geld bekommen.“ Auf rund 6 000 Euro im Jahr würde er dann verzichten. „Mir ist Lebensqualität aber wichtiger als Geld“, sagt er.

Zurück nach Roßberg: Eine Liste wird rumgereicht, auf der sich die Männer und Frauen eintragen können. 192 Namen werden am Ende darauf stehen. Dr. Meinolf Schubert und Klaus Neebe skizzieren, wie es weitergeht. Es sollen Arbeitsgruppen gebildet werden. 77 Namen auf der Liste haben angegeben, aktiv unterstützen zu wollen; 43 davon sind bereit, sich in den Arbeitsgruppen zu engagieren. Am Freitag, 27. Oktober, treffen sich die Aktiven, um sich aufzuteilen. So schnell wie möglich soll eine Satzung erarbeitet werden, damit „Wald ohne Windkraft“ als Verein eingetragen werden kann.

Kosten für Bau in die Höhe treiben

Um den Bau der Anlagen zu verhindern, haben sich die Mitglieder der Initiative Folgendes überlegt: Durch eigene Gutachten sollen Auflagen für den Bau erwirkt werden, die die Kosten für die Windräder in die Höhe treiben und so die Wirtschaftlichkeit des Windparks schmälern. „Wald ohne Windkraft“ will dazu mit anderen Bürgerinitiativen in Kontakt treten, um aus deren Erfahrungen zu lernen.

„Wir wollen kein Industriegebiet Wald“, sagt Meinolf Schubert. Ziel sei es, keine einzige Anlage in dem Waldstück zuzulassen. Dazu wolle die Initiative eine Öffentlichkeit schaffen für „einen demokratischen Prozess, der auf den Ausgleich aller Interessen abzielt“. Denn für Schubert geht es auch um die Demokratie ganz allgemein. Seine Mitstreiter und er halten den gesamten Prozess der Planung solcher Windparks für zu intransparent. Dass führe zur Verdrossenheit, die sich bereits im Ergebnis der jüngsten Bundestagswahl niedergeschlagen habe, sagt er.

von Dominic Heitz

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