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Leitungswasser-Aktion in Dreihausen fruchtet

Verbraucher hinterfragen sich Leitungswasser-Aktion in Dreihausen fruchtet

Rund die Hälfe des Trinkwasserbedarf decken Verbraucher in Deutschland über Wasser in Flaschen. Die Gemeinde Ebsdorfergrund will dies ändern. Sie lud zum Werbetag für Wasser aus dem Kran.

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Ein Prosit auf das Wasser aus dem Kran: Kinder und Erwachsene ließen sich auf dem Parkplatz des Rathauses gern nachschenken. Die Gemeinde Ebsdorfergrund will ihr frei Haus geliefertes Leitungswasser als Trinkwasser etablieren.

Quelle: Nadine Weigel

Dreihausen. „Bislang habe ich immer Sprudelwasser eingekauft, aber das hier bringt mich jetzt schon zum Nachdenken“, sagt Klaus Bender (64) aus Rossberg. Er gehört am Freitag zu den annähernd 200 Besuchern, die sich auf dem Parkplatz des Rathauses in Dreihausen über Trinkwasser informieren. „Die Argumente, die dafür sprechen, Leitungswasser dem abgefüllten Wasser vorzuziehen, sind ja überzeugend – ich werde die Denkanstöße von heute mal auf mich wirken lassen“, sagt der 64-jährige Besucher.

Rund die Hälfe des Trinkwasserbedarf decken Verbraucher in Deutschland über Wasser in Flaschen. Die Gemeinde Ebsdorfergrund will dies ändern.

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Zuvor hatte Ebsdorfergrund-Bürgermeister Andreas Schulz den Besuchern die neue Trinkwasser-Kampagne vorgestellt. Für 1000 Liter abgefülltes Tafel- oder Mineralwasser gäben Konsumenten in Deutschland jährlich zwischen 200 und 700 Euro aus. Die gleiche Menge „Grundwasser“, das Wasser aus den Tiefenbrunnen (265 Meter) und einer Quelle in der Gemeinde, schlage hingegen mit „noch nicht einmal fünf Euro“ zu Buche. „Sie schonen Ihren Rücken, den Geldbeutel, die Umwelt, das Klima und Sie stärken die öffentliche Wasserversorgung, wenn Sie Leitungswasser trinken“, legte Schulz den Zuhörern nahe und forderte die auf: „Kaufen Sie Cola, Wein, Bier im Getränkehandel, aber lassen Sie die Wasserkisten dort stehen.“

Ramune Maikranz aus Wermertshausen fand: „Die Aktion ist wirklich gut.“ Die 39-Jährige informierte sich auf dem Rathaus-Vorplatz über die Qualität des Grundwassers und war überzeugt: „Ich denke, es ist viel gesünder Leitungswasser zu trinken. Vor allem, wenn man an die Plastikflaschen denkt – da habe ich gleich ein ungutes Gefühl, wenn ich daraus trinke.“ Auch der Kostenfaktor sei überzeugend. „Ich trinke grundsätzlich Leitungswasser, ich mag es auch einfach lieber ohne Kohlensäure.“

„Unser Wasser schneidet gut ab“

Da viele Verbraucher jedoch sprudelndes Wasser bevorzugen, beteiligte sich die Firma „Sodastream“ an der Aktion der Gemeinde und bot gesprudeltes Leitungswasser zum Probieren an. Helmut Dieterich, Mitarbeiter des gemeindeeigenen Servicehofs, stand an der Theke und füllte eifrig ein Glas Wasser nach dem anderen ab. „Das ist ein bisschen so wie beim Bierzapfen auf der Kirmes“, sagte er augenzwinkernd.
Wassermeister Radu Ionescu hielt Tabellen mit den Mineralstoffwerten des „Grundwassers“ bereit und verglich es für seine Zuhörer mit den Werten handelsüblicher Mineralwässer. „Unser Wasser schneidet gut ab. Gefördert aus den Brunnen in Dreihausen und Rauischholzhausen hat es beispielsweise kaum Nitratbelastung.“

Trinkwasser-Aktion kommt gut an

Drei Sprudler wurden unter den Besuchern verlost – einer wurde sogar verschenkt. Und zwar an das Brautpaar Elena Schneider und Fabian Pötzel aus Weimar, die sich während der Trinkwasser-Aktion drinnen im Rathaus das Ja-Wort gaben. Werner Schneider, Vater der Braut und Getränkehändler aus Cappel, unterstütze die Aktion, indem er einen Lastwagen mit 83 Kisten Tafelwasser anlieferte. „Diese Menge von Kisten enspricht dem, was viele Verbraucher jährlich an Wasserflaschen einkaufen und nach Hause schleppen“, erläuterte Bürgermeister Schulz.

Die Besucherinnen Helga Schulz und Helga Lauer, beide 75 Jahre alt, beide aus Dreihausen, kamen zum Rathaus, um sich über Wassersprudler zu informieren. „Ich mag lieber Wasser mit Kohlensäure, möchte aber gern Leitungswasser trinken – deshalb überlege ich nun, so ein Gerät zu kaufen“, sagte Lauer. „Die Aktion hier finde ich wirklich gut“, erklärte Schmidt und fühlte sich in ihrem Konsumverhalten bestätigt. „Ich trinke viel Leitungswasser – gelegentlich aber auch Mineralwasser. Ich wechsel gern ab.“

Trinkwasser hat hervorragende Qualität

Ein „Prost“ rief Karl-Heinz Schäfer, Geschäftsführer des Zweckverbands Mittelhessischer Wasserwerke (ZMW) der Gemeinde Ebsdorfergrund zu. Im Gespräch mit der OP kündigte er an, dass sich der ZMW als größter Wasserversorger in der Region an der „Grundwasser“-Kampagne ein Beispiel nehmen werde. „Wir wollen die Menschen gern sensibilisieren, Ihnen klar machen, was für ein hohes Gut unser Trinkwasser ist. Es kommt Tag für Tag aus der Leitung in hervorragender Qualität, ist das am strengsten überwachte Lebensmittel, und wir nehmen das als ganz selbstverständlich hin.“

Zusammen mit der Justus-Liebig-Universität Gießen, wo sich Studenten des Fachbereichs Soziologie mit der Bedeutung von Trinkwasser befassten, werde der ZMW im Herbst eine Reihe von Vorträgen organisieren, um die Bedeutung von hochwertigem Trinkwasser stärker ins Bewusstsein der Menschen zu rufen, kündigte Schäfer.

von Carina Becker-Werner

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