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Infotafeln zeigen Heimatgeschichte

Von „Steebonn“ und „Koulplätze“ Infotafeln zeigen Heimatgeschichte

Informationen für Touristen und Erinnerungen für Einheimische: Mit Schautafeln wollen die Bürger im Ebsdorfergrund die Geschichte ihrer Heimat für die Nachwelt erklären und erhalten.

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Andreas Schulz (von links), Elfriede Staubitz und Wolfgang Richardt stellen die Infotafel am Steinbrunnen in Ebsdorf vor.

Quelle: Patricia Grähling

Ebsdorf. In Ebsdorf gibt es eine kleine Quelle, die ein altes, in Stein gefasstes Becken speist. Es liegt direkt neben der Zwester-Ohm an einem Fußweg. Aber warum? Das wissen viele heute nicht mehr. Die Gemeinde Ebsdorfergrund und der Heimat- und Verschönerungsverein von Ebsdorf wollen die Erinnerung an den historischen Ort aber aufrecht erhalten. Eine­ ­Infotafel zeigt interessierten Einheimischen und Touristen daher neuerdings die Geschichte des Ebsdorfer Steinbrunnens auf und verrät: Es war einst der Waschplatz des Dorfes.

Ebsdorfer Quelle als Treffpunkt

„Damals lag der Steinbrunnen noch außerhalb von Ebsdorf“, erklärt Wolfgang Richardt vom Heimatverein. Heute liegt er im Ortskern, neben dem Bürgerhaus und der Feuerwehr, wenige Fußminuten von der Wehrkirche und den alten Fachwerkhöfen entfernt. „Hier wurde nicht nur Wäsche gewaschen“, führt Richardt aus. „Auch Trinkwasser wurde aus der Quelle geholt.“ Bis zum Bau der Wasserleitungen von 1913 bis 1915 sei die Quelle Treffpunkt gewesen.

„Im Winter 1928/29 erlebte der Steinbrunnen dann nochmal eine kleine Renaissance“, verrät der Lokalhistoriker. Damals war es bitterkalt: Bis zu Minus 24 Grad herrschten in Ebsdorf. Die Leitungen seien zugefroren, während die Quelle munter weitergesprudelt habe. Und Kaiser Heinrich III. soll schon aus dem Ebsdorfer Quell getrunken ­haben, vermutet Richardt. Das griff auch Elfriede Staubitz auf, die ein Gedicht über den „Steebonn“ verfasst hatte. Es ziert nun die Tafel. Darin heißt es etwa: „Berge Wäsche hilfst du säubern, stetig war bei dir was los.“ Denn: „Zu jeder Jahreszeit standen die Frauen hier mit den Füßen im Wasser und haben die Wäsche gewaschen und dabei sicherlich das Dorfgeschehen besprochen“, so Richardt.

 
An alte Straßennamen erinnert eine Tafel in Wittelsberg, die Irike Seiler (von links), Helga Seitner, Martina Becker und Hans-Werner Sauer erläutern. Foto: Grähling

„Die Tafel findet Beachtung“, sagt Bürgermeister Andreas Schulz. Die Menschen blieben stehen, informierten sich über die Geschichte des Platzes. „Damit will die Gemeinde ihre Besonderheiten hervorheben und auch die eigene Herkunft nicht vergessen“, betont er. Weitere Schilder sollen folgen und so nicht nur Besonderheiten für Touristen entlang des Radwegs „Lange Hessen“ herausbilden. „Es ist ein gutes Erinnerungsstück für Einheimische“.

Das finden auch die Wittelsberger, die ebenfalls bereits eine Tafel bekommen haben. Am Grundtreff findet sich eine Karte des Dorfes. Sie zeigt die alten Namen für Straßen und Flure. „Die sind bei vielen Wittelsbergern schon in Vergessenheit geraten“, sagt Hans-Werner Sauer.

Ein neuer Name für die Hauptstraße

Mit der Gruppe des Erzählcafés hat er Erinnerungen aufgefrischt und die alten Namen aufgeschrieben. „Die Moischter Straße hieß früher Erlengraben“, erklärt er. Es ist die Hauptstraße des Dorfes. „Sie wurde damals umbenannt, damit Rettungsdienste sich besser zurechtfinden. Denn so wussten sie gleich, dass es die Straße nach Moischt ist“, erklärt er. Da gab es zudem die Flurbezeichnungen „Helge Ree“ – für „Heiliger Rain“ – oder die „Sauhou“, also die Schweinehütte. Ebenso verzeichnet die Karte die Wasserlöcher, die Lehmkaute oder den „Koulplatz“, an dem früher Holzkohle gewonnen wurde.

„Nur der Älteste aus unserer Gruppe erinnerte sich noch daran, wo der Kohleplatz war“, so Sauer. Damit die jungen Wittelsberger das in Zukunft auch noch wissen, sei die Tafel erstellt worden.

von Patricia Grähling

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