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Gutes Wasser für junge Fische und Libellen

Gewässerschutz Gutes Wasser für junge Fische und Libellen

Im Ebsdorfergrund sollen sich nicht nur die Menschen wohlfühlen, ­sondern auch Fische und Libellen. Die Gemeinde ­investiert daher in die Renaturierung ihrer Flüsse. Nun sollen Flächen an den Ufern gekauft werden.

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Bürgermeister Andreas Schulz (von links), Birgit Vasiliadis (RP Gießen), Walter Busch (Amt für ­Bodenmanagement), Anke Schmidt (Bauamt) und Herbert Diehl (RP) zeigen, wo am Rülfbach in Rauischholzhausen terrassierte Ufer entstehen sollen, in denen Tiere sich wohlfühlen.

Quelle: Patricia Grähling

Rauischholzhausen. Die Libelle ist das Wappentier der Gemeinde Ebsdorfergrund. Für sie und für viele andere Tiere, die am und im Wasser leben, möchte die Gemeinde künftig bessere Lebensbedingungen schaffen. Anreiz dazu gibt auch die Wasserrahmenrichtlinie des Landes Hessen, die verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität mit viel Geld fördert.

„Wir sind schon seit vielen Jahren dabei, ein blaues Band durch die Gemeinde zu legen und Fließgewässer in ihre natürlichen Räume zurückzubringen“, erklärt Ebsdorfergrunds Bürgermeister Andreas Schulz. Bei Ebsdorf und Hachborn beispielsweise sei an der Zwester-Ohm schon viel für die Renaturierung und den Gewässerschutz getan worden.

Nun möchte die Gemeinde Uferrandstreifen und Auenflächen entlang des Marienbachs und des Rülfbachs bei Wittelsberg und Rauischholzhausen kaufen. „Die Gelegenheit dazu ist jetzt besonders günstig“, erklärt der Bürgermeister. Denn derzeit läuft in der Gemarkung der beiden Ortsteile das Flurbereinigungsverfahren. „An der Landesstraße 3048 laufen wegen der Ortsumgehung noch umfassende Vermessungen und Neuordnungen der Grundstücke“, sagt Walter Busch vom Amt für Bodenmanagement.

Dabei werde das Amt im Auftrag der Gemeinde im Bereich der Flurbereinigung Land ankaufen - und den Besitz an Flächen dann an die Flussufer transferieren. Bei der Neuordnung bekommt die Gemeinde dann für ein Stück Land, das sie beispielsweise bei Wittelsberg gekauft hat, ein vergleichbares Stück Land am Rülfbach in Rauischholzhausen. „Wir sind dabei aber auf die Verkaufsbereitschaft der Eigentümer angewiesen“, betonte Busch.

Gemeinde will 2,7 Hektar Land kaufen

Schulz führte aus, dass die Gemeinde 2,7 Hektar Land kaufen wolle. Die Kosten für den Ankauf, die Vermessung und die Markierung des neuen Bodens läge bei rund 60.000 Euro. Um das zu finanzieren, hat die ­Gemeinde einen Antrag beim Regierungspräsidium in Gießen gestellt. Dort werden Projekte im Rahmen der sogenannten Wasserrahmenrichtlinie mit 75 bis 95 Prozent gefördert.

Diese Richtlinie gibt es laut Herbert Diehl vom RP Gießen bereits seit dem Jahr 2000. Ziel sei es, einen guten ökologischen Zustand der Gewässer in Hessen zu erreichen und zu erhalten. Die Kommunen seien dafür verantwortlich, die Ziele umzusetzen - ohne Zwang, dafür in Kooperation mit dem Land. „Anordnungen sind noch nicht geplant. Aber das könnte kommen, wenn der gewünschte­ ­Zustand der Gewässer nicht ­erreicht wird“, so Diehl. Erreicht werden soll die gute Wasserqualität möglichst bis 2021, spätestens aber bis 2027.

Bewertet werden für die Qualität sogenannte „Wasserkörper“ - das sind einheitliche Abschnitte eines Gewässers. Im Bereich der Gemeinde Ebsdorfergrund gibt es drei solcher Wasserkörper: die Zwester-Ohm, den Rülfbach und den Marienbach. ­Bewertet werde die Qualität nach einer Bestandsaufnahme der Lebewesen im Wasser und am Ufer.

Etwa bei 80 Prozent der hessischen Gewässer gibt es laut Diehl Handlungsbedarf. Im Ebsdorfergrund müsste bei allen drei Flüssen Hand angelegt werden. So sei der Rülfbach oberhalb des Schlosses in Rauischholzhausen noch in guter Qualität, werde danach aber schlechter.

Gute Bereiche verbessern auch versaute Bereiche

„Wir müssen nicht überall renaturieren“, erklärt Diehl weiter. „Gute Bereiche haben ein Strahlkraft in die versauten Bereiche hinein.“ Daher würden großflächige, gute Bereiche geschaffen - einige davon sollen nach 2020, wenn die Gemeinde Eigentümer der Uferrandstreifen ist, umgesetzt werden.

Diehl hat der Gemeinde schon einige Vorschläge für die Uferrandstreifen und Auenflächen gemacht, die dann Stück für Stück umgesetzt werden könnten. So solle unterhalb von Wittelsberg durch eine Öffnung eine Art Teich entstehen; zugleich solle an vielen Stellen die Sohle des Gewässers angehoben werden. „Das Wasser rauscht dann bei Hochwasser nicht vorbei, sondern bekommt Raum, um auszuufern.“

Zugleich verhindern breite Uferrandstreifen mit Bewuchs, dass Stoffe aus der Landwirtschaft sich im Gewässer absetzen. Am Rülfbach in Rauischholzhausen soll entlang einer steilen Böschung ein terrassiertes Ufer entstehen - mit Flachwasserzonen, in denen sich Jungfische entwickeln und Amphibien und Libellen wohlfühlen können.

von Patricia Grähling

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