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Archäologen finden 7.000 Jahre altes Kindergrab

Grabungen in Heskem Archäologen finden 7.000 Jahre altes Kindergrab

An einem durchaus markanten Datum im Oktober, nämlich Freitag, den 13., hatte das Grabungsteam definitiv kein Pech, sondern sehr viel Glück, denn es fand ein 7 000 Jahre
altes Kinderskelett.

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In Heskem wurde ein 7.000 Jahre altes Kindergrab gefunden.

Quelle: Götz Schaub

Heskem. Aufgrund einer bereits während der Bergung vorgenommenen anthropologischen Begutachtung kann anhand des Zahnstatus ein Alter zwischen vier und acht Jahren angenommen werden. Um die Zeit der Niederlegung noch genauer eingrenzen zu können, wurde vom Knochenmaterial eine Probe für eine 14C-Analyse genommen. Aufgrund der Auffindungssituation ist klar, dass diese Bestattung ebenso wie auch das Fundmaterial in die frühe Jungsteinzeit eingeordnet werden kann – damit ist das Skelett rund 7 000 Jahre alt. Es soll sich aller Wahrscheinlichkeit nach um ein Mädchen handeln.

Die lange Zeit forderte natürlich ihren Tribut. „Die Knochen waren sehr porös, sodass wir die Untersuchungen noch im Boden vornahmen“, sagt Projektleiterin Dr. Franka Schwellnus gegenüber der OP. Und ja, Teile des Skeletts zerbröselten dann auch. Nicht so der Schädel. „Der Schädel ist intakt, weil er von Erde ausgefüllt wird und so zusammengehalten wird“, informiert Schwellnus.
In unmittelbarer Nähe des Kinderskeletts wurden zudem Skelettreste eines erwachsenen Menschen entdeckt. Bestattungen innerhalb von bandkeramischen Siedlungen sind nicht ungewöhnlich, sagt die Expertin. Insbesondere Kinder oder ältere Menschen fanden wiederholt außerhalb der Gräberfelder dieser Zeitepoche ihre letzte Ruhestätte. Im hiesigen Raum ist es jedoch eine erstmalige Entdeckung. Bei früheren Grabungen bei Wittelsberg wurden keine menschlichen Überreste dieser Art gefunden.

Die archäologischen Voruntersuchungen im Trassenbereich der neuen Ortsumfahrung der L 3125 für Ebsdorfergrund-Heskem durch die von Hessen Mobil beauftragte Fachfirma „Wissenschaftliche Baugrund-Archäologie“ dauerten noch an. Nach einer Winterpause können wohl noch im Frühjahr Grabungen vorgenommen werden. Wichtig dabei: Die eigentlichen Straßenbauarbeiten werden dadurch nicht verzögert.
Bisher wurden verschiedene vorgeschichtliche Siedlungsareale ausgegraben und dokumentiert. Die Arbeiten konzentrieren sich derzeit auf die Einmündung der geplanten in die bestehende Straße zwischen Heskem und Dreihausen.

23 Hausgrundrisse sind bereits nachgewiesen

Dokumentiert sind bisher 23 jungsteinzeitliche Grundrisse von Langhäusern, die in Pfostenständerbauweise erbaut waren. Die ursprüngliche Ausdehnung dieser Siedlung aus der Bandkeramischen Kultur wird aber aufgrund der vorgegebenen Ausgrabungsfläche (Trasse der Baumaßnahme) nicht vollständig erfasst werden können.

Zu den normal vorkommenden Funden gehören Scherben von Keramikgefäßen, Tierknochen, Mahlsteine sowie Steinwerkzeuge. Umso überraschender nun der beschriebene Fund des Kinderskeletts. Nicht bestattet in einer für diesen Zweck angelegten Grabgrube, sondern niedergelegt auf der Sohle einer großen Grube, die ursprünglich zur Entnahme von Lehm angelegt worden war. Es handelt sich hierbei dennoch nicht um die lieblose Entsorgung eines Leichnams. Niedergelegt mit dem Kopf im Westen und den Füßen im Osten, lag dieses Kind mit angehockten Beinen auf der linken Körperseite. So, als würde es „nur“ schlafen – ein Eindruck, der durch die Lage einer der Hände unter dem Kinn des Kindes noch verstärkt wird.

Auch der auf der rechten Seite liegende Leichnam des Erwachsenen wurde mit Kopf im Westen und Füßen im Osten mit ebenfalls angehockten Beinen niedergelegt. Dr. Franka Schwellnus leitet das Projekt zusammen mit Nina Lutz. In der Regel sind zwei Techniker dabei sowie ein personell wechselndes Grabungsteam von zehn Personen.

Schon mehrfach berichtete die OP über den Stand der Grabungen, mehrfach gab es für Interessierte die Möglichkeit, das sonst abgesperrte Gelände unter fachkundiger Leitung in Augenschein zu nehmen, zuletzt am Tag des offenen Denkmals im September, als man von den Skeletten noch nichts wusste.grenzen zu können, wurde vom Knochenmaterial eine Probe für eine 14C-Analyse genommen.

Aufgrund der Auffindungssituation ist klar, dass diese Bestattung ebenso in die frühe Jungsteinzeit eingeordnet werden kann, wie auch das Fundmaterial – und damit rund 7.000 Jahre alt ist. In unmittelbarer Nähe zur Kinderbestattung wurden weitere Skelettreste eines erwachsenen Individuums entdeckt.

Bestattungen innerhalb von bandkeramischen Siedlungen sind nicht ungewöhnlich, sagen Experten; insbesondere Kinder oder ältere Menschen fanden wiederholt außerhalb der Gräberfelder dieser Zeitepoche ihre letzte Ruhestätte. Im hiesigen Raum ist es eine erstmalige Entdeckung. Bei früheren Grabungen bei Wittelsberg wurden keine menschlichen Überreste dieser Art gefunden.

von Götz Schaub

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