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Firma Nickel baut einen Schutzwall

Emissionsschutz Firma Nickel baut einen Schutzwall

Das Basaltwerk Nickel prägt das Ortsbild von Dreihausen. Doch Lärm und Staub ärgern die Anwohner. Ein Emissionsschutzwall soll das nun ändern. Der Bau hat nach Jahren der Planung begonnen.

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Quelle: Thorsten Richter

Dreihausen. „Basaltwerk Johannes Nickel“ prangt auf dem trutzigen Gebäude, das oberhalb von Dreihausen thront – direkt über dem Sportplatz. Seit mehr als 100 Jahren gibt es diesen Steinbruch, der fest mit der Geschichte des Dorfes verknüpft ist. Doch das Nebeneinander von Firma und Bürgern hat auch seine Schattenseiten, denn beim Basaltabbau entstehen Lärm und Staub. Nun hat das Unternehmen begonnen, einen Emissionsschutzwall zu bauen. Oberhalb des Sportplatzes ist schon ein Hügel zu sehen – der sich letztlich bis hinter den Alten Bahnhof ziehen soll.

Rund 20 Meter hoch soll der Wall werden und den Ort vor dem Betriebslärm abschirmen. Die Anlage soll Dreihausen auch besser vor dem Staub schützen, der entsteht, wenn der geförderte Basalt zerkleinert wird. „Der Ostwind kann den Staub gegen das Dorf wehen“, sagt Dr. Bettina Nickel, Geschäftsführerin des Basaltwerkes. Im April passiere das häufig. Als Filter sollen auf dem Wall deshalb auch Bäume und andere Gehölze  angepflanzt werden wie Haselnuss, Holunder, Buchen, Linden und schnell wachsenden Baumarten wie Zitterpappel und Salweide.

Gemeinde hat Gelände vor sieben Jahren verkauft

„Die Gemeinde unterstützt das Projekt seit Langem“, sagt Ebsdorfergrunds Bürgermeister Andreas Schulz. Daher habe sie auch das Gelände der ehemaligen Kreisbahn an die Firma Nickel veräußert, damit diese dort den Wall errichten kann. Verkauft hat die Gemeinde die Flächen bereits im Frühjahr 2010 – seither ist es laut Schulz immer wieder zu Verzögerungen mit dem Baustart gekommen. „Das hat bei Anliegern auch zu Unmut geführt“, erklärt er. Deshalb sei er froh, dass nun mit dem Bau begonnen wurde. Die Gemeinde hoffe auf eine zügige Umsetzung. Das Dezernat für Bergaufsicht in Gießen habe allerdings „leider“ keine zeitlichen Auflagen gemacht.

Dr. Bettina Nickel sagt, dass der Wall bis Mitte 2019 fertig sein soll. Bis die Pflanzen ihre volle Wirkung als Filter entfalten können, vergingen nochmal acht bis zwölf Jahre, sagt Nickel. Der Wall ohne Bäume werde aber auch schon als Schutz funktionieren. Wenn die Anlage fertig ist und die Bäume gewachsen sind, stelle die Anlage auch eine optische Bereicherung für Dreihausen dar. Denn das Werk sei dann besser abgeschirmt, heißt es in einem Präsentationspapier des mit dem Projekt beauftragten Planungsbüros.

Dass seit dem Kauf des Grundstückes so lange Zeit vergangen ist und der Wall immer noch nicht steht, erklärt die Geschäftsführerin mit einer Kette von Schwierigkeiten, die zu bewältigen waren. So benötigte Firma Nickel für die Baugenehmigung eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Diese Prüfung brauche aber eine komplette Vegetationsperiode und dauere daher anderthalb Jahre, so Dr. Bettina Nickel.

Immer mehr Probleme tauchten auf

Außerdem habe es Probleme bezüglich der Entwässerung gegeben, die geklärt werden mussten. Auch der Naturschutz musste beachtet werden; der Baumbestand durfte nur zu bestimmten Zeiten im Jahr gerodet werden. Ein weiteres Problem sei aufgetaucht, erzählt die Geschäftsführerin, als ein Gesetz novelliert wurde und deshalb die Erde von Baustellen nicht mehr als Material zur Verfügung stand. „Wir leben von Baustellen“, sagt Nickel.

Früher lieferte das Unternehmen Basalt als Baustoff an eine Baustelle an und nahm dafür im Gegenzug das ausgehobene Erdreich wieder mit. Diese Erde sollte auch zum Bau des Walls genutzt werden. Mit der Gesetzesänderung sei das aber nun nicht mehr möglich, so Nickel.

Schließlich sei auch noch eine Versorgungsleitung der Marburger Stadtwerke auf dem Gelände aufgetaucht, auf dem der Wall errichtet werden soll. „Die hatte aber niemand auf der Karte“, sagt Dr. Bettina Nickel. Diese Leitung muss also auch noch verlegt werden. Das koste die Basaltwerke zusätzlich einen fünfstelligen Betrag, sagt Dr. Bettina Nickel. „Wir haben uns das wesentlich einfacher vorgestellt“, sagt sie.

Schulz: Basaltabbau gehört zu Dreihausen

Wie wichtig der Wall für den Ort ist, stellt Bürgermeister Andreas Schulz heraus: „Der Gesundheitsschutz der Bevölkerung geht der Gemeinde vor – auch wenn der Basaltabbau zu Dreihausen gehört wie die beiden Kirchen.“ Dabei lobt er aber auch, dass die Basaltwerke Nickel schon viel getan hätten, um Staub und Lärm zu reduzieren, etwa durch eine Einhausung des Basalts.

Bevor der Wall aufgeschüttet ist, soll eine neue Entstaubungsanlage dafür sorgen, dass die Luft über Dreihausen etwas weniger von dem Betrieb in dem Basaltwerk belastet wird. Im Frühjahr 2018 soll die Anlage installiert und in Betrieb genommen werden, sagt Dr. Bettina Nickel. Für die neue Anlage nehme das Unternehmen rund 400 000 Euro in die Hand.

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