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Fadenspiel und Schmiedekunst

Tag der offenen Weberei in Ebsdorf Fadenspiel und Schmiedekunst

Aus zwei mach eins. Wie sich das Textil- und das Metallhandwerk kunstvoll verbinden lässt – das zeigten die Weberin Silke Mann und die Goldschmiedin Christiane Harms gemeinsam am vergangenen Wochenende in Ebsdorf.

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Handwerksfusion: Einen Tag lang kombinierten Goldschmiedin Christiane Harms (links) und Weberin Silke Mann ihre Handwerkskunst miteinander und kreierten farbenfrohe Schmuckstücke.

Quelle: Ina Tannert

Ebsdorf. Meisterweberin Silke Mann hatte in ihre Handweberei in Ebsdorf einen besonderen Gast eingeladen und demonstrierte gemeinsam mit Goldschmiedin Christiane Harms aus Cappel die „Fusion“ beider Handwerke. Das schmucke Ergebnis des Experiments waren unter anderem Dutzende handgewebte, farbige Armbänder mit frisch geschmiedeten Anhängern und Verschlüssen aus glänzendem Silber.

Die Zusammenarbeit war eine Premiere in der heimischen Handwerksszene. „Es war ein erfolgreiches Experiment, Textil und Metall ist einfach spannend“, schwärmte Silke Mann.

Aus dem Weber- und Goldschmiedehandwerk entstanden farbenfrohe Armbänder aus Leinen und Silber. Foto: Ina Tannert
 

Die Idee, gemeinsame Kreationen zu erschaffen entstand ganz spontan. Lange vor der Präsentation galt es, die Möglichkeiten beider Handwerke auszuloten, Gemeinsamkeiten und passende Techniken zu finden. „Wir wollten die Handwerke miteinander verbinden – das war schon eine Herausforderung“, erzählte die Goldschmiedin.

Viel gemeinsam haben beide Handwerke auf den ersten Blick nicht, benötigen völlig verschiedenen Materialien. Diese stellten die Initiatorinnen vor Ort aus. Der Größenunterschied wurde deutlich: Neben den teils überdimensionalen Webstühlen der Weberei verschwanden die kleinen, zierlichen Hämmerchen und traditionellen Gravierkugeln von Christiane Harms fast. Als Grundlage dienten ihr kleine Plättchen aus 925er Silber. Die feinen, verschnörkelten Muster, Tier- oder Pflanzenmotive auf den Anhängern stellte sie per Goldschmiedehammer, Säge und Stichel her. Für die Feinarbeit schmirgelte sie die Ränder mit diversen kleinen Feilen glatt und glänzend.

Die Gastgeberin nutzte feine Baumwolle oder Leinen als Material für eine dekorative Köperbindung. Die Spezialität der Weberin sind althergebrachte, leicht abgewandelte Webmuster, die sie in farbigen Tischläufern, Schals oder Dekoartikeln aus Wolle, Leinen oder Seide verewigt. Um die kleinen, zierlichen Armbänder zu weben, kam der kleine „Klik-Webstuhl“ mit zwei Kettbäumen zum Einsatz, der sehr filigrane Musterarbeiten ermöglicht. „Dieser Webstuhl ist für besondere Spezialitäten gedacht“, erläuterte Silke Mann.

Harms und Mann wollen ihr Repertoire erweitern

Etwa eine halbe Stunde Webarbeit kostet die Herstellung eines gemusterten Armbands. In dieser Zeit brachten die beiden Handwerkerinnen ihre verschiedenen Arbeitsweisen zahlreichen Kunden vor Ort näher, zeigten Kniffe und Tricks der unterschiedlichen Herstellungsverfahren.

Dutzende interessierte Besucher kamen zur Premiere am Tag der offenen Werkstatt in die Handweberei, bestaunten die handwerkliche „Fusion“ und brachten gleich eigene Wünsche mit. „Stoff und Metall passen gut zusammen. Es ist originell und sehr ansprechend für Leute, die ausgefallene Einzelstücke lieben“, befand Besucherin Gudrun Rose. Sie hatte auch gleich einige Ideen für weitere Experimente, darunter etwa handgeschmiedete Silberknöpfe für handgewebte Leinentaschen.

Das nehmen die beiden Handwerkerinnen vielleicht in Zukunft mit ins Repertoire. Nach dem erfolgreichen ersten Versuch schmieden sie bereits neue Pläne für eine weitere Zusammenarbeit. „Wir werden weiter spinnen, weben und schmieden“, sind sich beide einig.

von Ina Tannert

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