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"Merci, Horsti": Abschied im Bademantel

Ende einer Chorleiterkarriere "Merci, Horsti": Abschied im Bademantel

Horst Holzhausen ist im August 80 Jahre alt geworden. Nun lässt er seine fünf Jahrzehnte währende Chorleiterkarriere ausklingen. Die Sänger seiner drei letzten Chöre bereiteten ihm einen bewegenden Abschiedsabend.

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Hans-Christian Sommer (links) fand bewegende Worte zum Abschied von Horst Holzhausen.

Quelle: Manfred Schubert

Wittelsberg. „Es war immer eine Freude, mit Ihnen zu arbeiten. Man merkt Ihnen an, dass sie die Musik lieben und diese Liebe vermitteln können“, sagt Wittelsbergs Pfarrerin Heike Preising. „Sie haben über 14 Jahre in Wittelsberg gewirkt und reiche Frucht hervorgebracht, ein Geschenk für alle Menschen, die singend oder zuhörend daran teilhaben konnten.“

Viele der etwa 90 Gäste, die in den Grundtreff gekommen waren, um Chorleiter Horst Holzhausen zu verabschieden, nickten zustimmend bei diesen Worten. Bernd Katzenbach, Kreischorleiter des Sängerkreises Zwester-Ohm, ergänzte, dass Holzhausen vor 47 Jahren seine Chorleiterprüfung an Dr. Hochs Konservatorium in Frankfurt am Main abgelegt und seitdem acht Chöre im Landkreis Marburg-Biedenkopf und einen im Kreis Gießen geleitet habe. „Chorleiter zu sein heißt, Leute zu begeistern. Man muss mit Augen und Händen Sänger dazu bringen, das zu tun, was vorher verabredet war. Das ist eine Gabe, die Horst Holzhausen gegeben ist“, würdigte Katzenbach seinen Kollegen.

Der Marburger Verkehrsdirektor a.D. Hans-Christian Sommer erinnerte an die legendären „Sommerkonzerte“ auf der Freilichtbühne am Schlosspark, die Holzhausen mit seinen Chören, damals als „Holzhausen-Chöre“ bezeichnet, bereichert hatte.­ Schriftliche Grüße hatten die früheren Marburger Oberbürgermeister Dietrich Möller und Egon Vaupel gesandt.

Berühmt-berüchtigte Sprüche

Mit Worten sowie musikalisch dankten drei Chöre dem Dirigenten. Neben den Veranstaltern - dem Gesangverein Liederkranz 1865 Wittelsberg und dem Marburger Volkschor - war der MGV Caldern gekommen, den Holzhausen 22 Jahre lang bis 2014 geleitet hatte. Unter Leitung von Andreas Ochs brachte er seinem alten Chorleiter „Über sieben Brücken musst du gehn“ und „Von der Traube in die Tonne“ als Ständchen dar. Vorstandsmitglied Florian Erle sagte, dass Holzhausen auch menschlich den richtigen Ton getroffen habe, um neue Sänger wie ihn selbst zu rekrutieren.

Den Marburger Volkschor ­hatte Holzhausen 45 Jahre lang, bis August, geleitet. Jeweils eine Sängerin berichtete über das Jahrzehnt, in dem sie selbst zum Chor hinzugekommen war. Dabei durften einige der ­berühmt-berüchtigten, manchmal auch kritischen „Holzhausen-Sprüche“ nicht fehlen: „Das klingt heute aber wie nach einer Brauereibesichtigung“ oder „Ihr müsst so singen, dass es den ­anderen die Hemden auszieht, aber die Hosen müsst ihr anlassen, wir sind nämlich ein gemischter Chor.“

Der GV Wittelsberg sang unter Holzhausens Leitung eines der von ihm geliebten Udo-Jürgens-Lieder, „Merci, Chérie“. Später überraschte ihn sein Chor mit der umgedichteten Version „Merci, Horsti“ - seine Tochter Steffi dirigierte.

Eine Überraschung zum Ende

Holzhausen begann seine ­Abschiedsrede mit einem ­Zitat von Giora Feidman, das sein ­Leben widerspiegele: „Das Lied ist mein Koffer, ist voller Erinnerung. Mit diesem Gepäck bin ich niemals allein.“ In den 46 Jahren als Chorleiter habe er 700 verschiedene Chorwerke­ mit seinen Chören einstudiert und verbinde viele bewegende Erinnerungen damit.

Etwa­ das von fünf Chören auf der Schlossparkbühne aufgeführte­ „Vater unser“ von Gotthilf ­Fischer. Oder zwei Abende in der ausverkauften Stadthalle mit den internationalen Stars Maria­ Tiboldi und Joachim Kraus mit dem „Gold- und Silber-Walzer“ und dem „Wolgalied“. Oder der Musikalische Adventskalender­ 1992 mit der Musikabteilung des VfL Marburg mit „White­ Christmas“. Auftritte in Marburgs Partnerstädten Eisenach und Poitiers und bei Landesgartenschauen, das Benefizkonzert 2004 für die Opfer der Flutkatas­trophe in Sri Lanka waren einige der Erinnerungen, die Holzhausen aus seinem Koffer holte.

Eine letzte Überraschung gab es noch: Ehefrau Monika hatte­ für das Schlusslied „Ich war noch niemals in New York“, das Lieblingslied des Udo Jürgens-Fans, seinen Bademantel mitgebracht. Traditionell sang Jürgens immer am Ende seiner Konzerte so gekleidet. Gemeinsam trugen der Gesangverein Wittelsberg und der Marburger Volkschor es vor. Nach letzten­ Dankesworten erhoben sich ­alle Gäste und applaudierten stehend.

von Manfred Schubert

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