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Ein langes Haus für Großfamilien

Führung über jungsteinzeitliche Siedlung Ein langes Haus für Großfamilien

Mehr als 7000 Jahre ist es her, da wurden die Vorfahren der heutigen Bewohner im „Grund“ sesshaft und heimisch. Ihre Spuren verfolgten die Besucher in Heskem mit großem Interesse.

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Zahlreiche Fundstücke und Alltagsgegenstände aus der Jungsteinzeit konnten die Besucher besichtigen.

Quelle: Ina Tannert

Heskem. Rund 200 neugierige­ Besucher nahmen vergangene Woche an der Führung des Vereins Wissenschaftliche Baugrund-Archäologie (WiBA) teil und tauchten ein in den Lebensalltag einer jungsteinzeitlichen Siedlung.

Auf dem Ausgrabungsgelände­ bei Heskem standen einst mehr als 20 Langhäuser, wie anhand der dunklen Verfärbungen im Boden, Gruben und Pfostenlöcher deutlich wird. „Zum Bau nutzten die Menschen Eichen-­ oder Lindenstämme, die mit Lehm verkleidet wurden“, ­erklärte Archäologiestudent Robin Liebe, der mit Kollegin Racquel Nast über das Gelände führte. „Und wer hat darin gelebt, wie war die Sozialstruktur?“, wollte­ ein Besucher wissen. Wahrscheinlich Großfamilien, genau lässt sich das heute­ allerdings nicht mehr sagen, klärten die Grabungshelfer auf.

Rund um die Arbeitsstätten zwischen den Gebäuden fanden die Archäologen Reste von Alltagsgegenständen. Darunter Mahlsteine zur Getreideverarbeitung sowie Scherben von Tongefäßen mit bandförmigen Verzierungen, daher der ­Name Bandkeramiker-Kultur, die etwa­ zwischen 5500 und 4900 vor Christus als erste Bauernkultur Mitteleuropas zählt. Darüber hinaus wurden Überreste aus deutlich späteren Epochen entdeckt, wie eine alte Urne aus der Bronzezeit um das Jahr 1250 vor Christus. „Das ist eine riesige Zeitdifferenz – die Stelle muss jahrtausendelang besiedelt gewesen sein“, staunte ein Besucher.

Bislang konnten die Archäologen etwa ein Viertel der gesamten Fläche untersuchen. Die Arbeiten dürften noch bis zum Ende des Jahres weitergehen. „Wir müssen sehen was noch kommt, aber wahrscheinlich sind wir vor Wintereinbruch weitestgehend fertig“, berichtete Projektleiterin Dr. Franka Schwellnus vom WiBA. Die aktuelle Fundstelle muss im Zuge der Arbeiten für die Umgehungsstraße Heskem zerstört werden. Zuvor werden die archäologischen Erkenntnisse aber in detaillierten Übersichtsplänen festgehalten.

Seit Monaten vermessen, fotografieren und zeichnen die Archäologen akribisch die Fundorte, erstellen Querschnitte und lagern die Fundstücke ein. Auf diesem Wege wird die Siedlung genauestens dokumentiert, die Forschungsergebnisse für die Nachwelt erhalten.

von Ina Tannert

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