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Ein Hoch aufs heimische Leitungswasser

„Grundwasser“ als Trinkwasser Ein Hoch aufs heimische Leitungswasser

Eine Marke ist es schon, das „Grundwasser“. So nennt die Gemeinde Ebsdorfergrund ihr Leitungswasser, für dessen Gebrauch als Trinkwasser sie eine Kampagne startet.

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Getränkeflasche mit Gemeinde-Logo und Plakat-Werbung fürs „Grundwasser“: Ebsdorfergrund setzt auf Trinkwasser aus eigenen Brunnen.

Quelle: Tobias Hirsch

Dreihausen. „Die Vorteile sind eigentlich zwingend“, sagt Ebsdorfergrund-Bürgermeister Andreas Schulz, der vermitteln will, dass man mit Leitungswasser mehr machen kann als duschen, das Auto oder die Wäsche waschen. „Es ist ein optimales Trinkwasser“, sagt der Verwaltungschef, dessen Gemeinde sich – bis auf die Ortsteile Hachborn und Wittelsberg – autark mit Wasser versorgt. Ein Aufwand, der sich noch mehr lohnen würde, wenn die Bürger das ortseigene Wasser aus den Brunnen in Dreihausen, Rauischholzhausen, Wermertshausen und aus der Quelle in Ilschhausen auch geschlossen als Trinkwasser nutzen und dafür auf den Kauf von Mineral- und Tafelwasser aus dem Supermarkt verzichten würden, findet Schulz.

Jahresration „Grundwasser“ gibt‘s für 4,78 Euro

„Noch vor einigen Jahrzehnten wäre doch kein Mensch auf die Idee gekommen, teures Wasser in Flaschen zu kaufen und nach Hause zu transportieren“, sagt der Bürgermeister über ­einen Vorgang, der heutzutage­ für viele Verbraucher absolut selbstverständlich ist. Mit einer Kampagne fürs „Grundwasser als Trinkwasser“ will Schulz diese Einstellung verändern. „Unser Wasser kann sogar im Vergleich mit Mineralwasser mithalten, schneidet mitunter sogar besser ab“, sagt er und verweist auf eine aktuelle Analyse der Stiftung Warentest, in der zwar viele Mineralwässer gut abschnitten, aber längst nicht alle. „Leitungswasser ist eines der am strengsten überwachten Lebensmittel in Deutschland“, wirbt er für die Qualität des Wassers aus dem Kran.

Dass Leitungswasser im Preisvergleich unschlagbar ist, verdeutlicht der Bürgermeister anhand eines Rechenexempels. Vergleichsprodukt ist das meistverkaufte Tafelwasser Deutschlands, das vom Hersteller bei 31 Stadtwerken eingekauft und mit Kohlensäure versetzt für 49 Cent pro Liter an den Verbraucher abgegeben wird. Bei einem jährlichen Trinkwasserverbrauch von 1000 Litern macht das 490 Euro.

Programm

Von 11 bis 13 Uhr dreht sich am morgigen Freitag, 14. Juli, auf dem Parkplatz am Dreihäuser Rathaus alles ums „Grundwasser“, das Leitungswasser aus dem Ebsdorfergrund.
 
- Demonstration zu Müllmengen durch PET-Flaschen
- Lastwagen mit einer Jahresration Mineralwasser
- Blindverkostung der Firma „Soda Stream“: Selbst ­gesprudeltes „Grundwasser“ im Geschmacksvergleich mit ­Mineral- und Tafelwasser aus dem Handel
- Kinderspielstation
- Verlosung von drei Wassersprudlern
- Vorführung eines Films über das „Grundwasser“

„Die einen trinken mehr, die anderen weniger, die einen kaufen teures Wasser, die anderen günstiges – aber man kann davon ausgehen, dass pro Person zwischen 200 und 700 Euro an Kosten fürs Mineral- oder Tafelwasser anfallen.“ Verbraucher, die das Wasser aus der Leitung trinken, zahlen für die gleiche Menge in der Gemeinde Ebsdorfergrund 1,71 Euro, die Abwassergebühr mit eingerechnet, sind es 4,78 Euro. Um einen korrekten Vergleich mit kohlensäurehaltigem Mineral- oder Tafelwasser zu erreichen, müsse man dann noch die Kosten für den Kauf eines Wassersprudlers draufschlagen, „und die Sprudel-Kartuschen, die bei dieser Menge rund 150 Euro pro Jahr kosten“. Doch es soll nicht nur ums Geld gehen am Freitag auf dem Parkplatz des Rathauses Dreihausen.

Die Gemeinde Ebsdorfergrund stellt weitere Vorteile heraus, die das Trinken von Leitungswasser mit sich bringen soll. „Es schont den Rücken, auf den Kauf von 83 Kisten Wasser pro Jahr zu verzichten, die muss man ja alle schleppen“, sagt Schulz und bleibt beim 1000-Liter-Beispiel. Um die Menge greifbar zu machen, rückt ein Getränkehändler mit einer Lastwagen-Ladung voller Wasserkisten an. Transport, Herstellung, Vertrieb von abgefülltem Wasser – all das seien bedeutende Faktoren, nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Volkswirtschaft, hebt der Bürgermeister hervor. „Die Märkte werden teils über weite Distanzen beliefert. Die Straßen werden dadurch belastet. Und es verursacht Klimaschäden.“ Hinsichtlich der Umweltbelastung kommt das Recycling hinzu. „Auch das kostet Ressourcen“, sagt Schulz und verweist darauf, dass Discounter ihr Mineralwasser oft so günstig verkauften, dass das Geschäft erst durch nicht zurückgebrachte­ Flaschen lohnenswert werde,­ „weil das Pfand dann beim Markt verbleibt“.

Der Bürgermeister hofft, durch die Aktion auch Verbraucher über die Grenzen von Ebsdorfergrund hinaus zu erreichen. „Ich will gern ein Beispiel dafür geben, wie wir die öffentliche Wasserversorgung stärken können, indem wir einen fast verlorenen Marktanteil zurückholen“, erklärt Schulz und sagt, dass der Zweckverband Mittelhessischer Wasserwerke, der die meisten Kommunen in der Region versorgt, bereits Interesse an der Kampagne bekundet habe. So könne das „Grundwasser“ vielleicht zu einer kleinen Revolution auf dem Getränkemarkt beitragen, wünscht er sich.

Um diese Entwicklung zu ­fördern, hat die Gemeinde sich vorgenommen, künftig für ­alle Kindergartenkinder Führungen zu den Brunnen von Ebsdorfergrund anzubieten, damit die Jüngsten schon lernen, wo das Wasser herkommt.

von Carina Becker-Werner

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