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Ansturm auf begehrte Einzelstücke

Trachtenmarkt in Dreihausen Ansturm auf begehrte Einzelstücke

Tücher, Stulpen, ganze Trachten: Tausende handgearbeitete, alte Stücke bot die Hessische Volkskunstgilde am Sonntag beim Trachtenmarkt zum Verkauf an. Hunderte Sammler stöberten zwischen Stoff und Bändern.

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Trachtenpuppen gehörten zum Angebot des Marktes.

Quelle: Patricia Grähling

Dreihausen. „Zu der Jacke solltest du ein einfarbiges Tuch tragen“, rät s‘Anna aus Wollmar alias Klaus-Peter Fett einer Besucherin, die gerade eine­ schwarze Trachtenjacke mit bunten Stickereien darauf anprobiert. Mit einem Handgriff zieht s‘Anna schon ein Stück Stoff aus einem großen Stapel hervor und arrangiert es zur Jacke. „So ist es perfekt“, freut sie sich – und wendet sich flugs schon wieder anderen Besuchern zu. Ein Mann sucht noch ein passendes Tuch zu seiner Tracht.

Auch da hat die lustige Kunstfigur Anna, die nicht nur unterhält, sondern auch mit ihrem Fachwissen rund um die Trachten glänzt, schnell das Richtige zur Hand: Ein grünes Tuch mit weißen Mustern. Mit flinken Händen wickelt und bindet s‘Anna das Tuch, damit es authentisch aussieht: das Quadrat wird zum Dreieck, dann zum Schal aufgerollt, um den Hals gelegt und vorn geknotet.

Zwischen Röcken, Jacken, Stulpen und Strümpfen geben s‘Anna und die anderen Mitglieder der Volkskunstgilde ihre Tipps zum Nähen und der Farbauswahl weiter. Und die fachliche Hilfe ist oftmals auch nötig, denn wer seine Tracht wirklich authentisch tragen möchte, der hat manches zu beachten: „Gerade bei den katholischen Trachten muss man sehr auf die Farben bedacht sein“, erklärt Eckard Hofmann von der Hessischen Volkskunstgilde, während er einen grauen Rock in der Hand hält. „Jede Farbe hat eine andere Bedeutung.“ Der Rock sei ein Feiertagsrock, dazu könne ein blaues Tuch kombiniert werden.

Auch für die Schürze gibt es Regeln, nicht nur für die Farben. Sie sollte so lang sein, dass sie bis zum Band im Rock reicht, wie s‘Anna erklärt. Wenn die Schürze zu kurz ist, kann sie einfach im unteren Drittel aufgetrennt werden. Dann wird dort eine Borte eingesetzt und die Schürze wieder zusammengenäht. „Man kann auch eine Spachtel drannähen“, sagte sie und zeigt auf ihre eigene Schürze, bei der ein Spitzenband den Abschluss bildet und so perfekt bis auf das Band im Kleid reicht.

Für den 12. Trachtenmarkt haben die Mitglieder viele Monate lang im Vorfeld ausrangierte Trachten und Trachtenteile abgeholt, durchgesehen und mit Preisen ausgezeichnet. Beim Markt verkaufen sie die historischen Kleidungsstücke im Auftrag der Besitzer an Sammler und an Trachtentänzer weiter. „Wir haben Tausende Teile bekommen und alle sind gut erhalten“, sagt Hofmann. Gerade bei der katholischen Tracht lägen der Volkskunstgilde viele Teile vor, die mit viel Liebe zum Detail in monatelanger Handarbeit gefertigt worden seien. Auch einige Schätze: „Wir haben eine Bänderschürze der Marburger evangelischen Tracht bekommen. Die sind sehr selten.“

Trachten bringen es auf ein Alter von bis zu 80 Jahren

Dieses Schmuckstück habe natürlich schnell den Besitzer gewechselt – schon vor Eröffnung des Marktes standen zahlreiche Besucher vor dem Bürgerzentrum und warteten auf Einlass. Sie waren auf solche Schätze aus. Laut Hofmann war etwa eine Sammlerin aus Frankfurt dabei, die immer zu den Trachtenmärkten komme, um seltene Stülpchen zu erstehen.

Die rund 40 Mitglieder der Volkskunstgilde waren daher gerade in den ersten Stunden sehr gefragt und halfen bei Auswahl und Kauf der teilweise bis zu 80 Jahre alten Kleidungsstücke. „Wir sind absolut überrascht von diesem Besucheransturm“, sagte Hofmann schon in der ersten Stunde nach Eröffnung, als die Tische mit den Trachtenteilen sich schon deutlich geleert hatten. Aber bei dem Markt gab es ja nicht nur die historischen, alten Trachten. Es waren auch wieder Aussteller dabei, die neue, handgearbeitete Stücke anboten. Neben weißen Hemden und Trachtenkitteln gab es da Strümpfe, Handtaschen und andere Accessoires, die eine Tracht erst vollständig machen. Auch schöne Stoffe, Borten und Bänder waren bei den Besuchern sehr begehrt, die ihre Tracht wie früher selbst nähen oder mit Perlen und Bändern aufhübschen wollen.

von Patricia Grähling

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