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Ebsdorfer sichern sich ein heißes Kulturgut

Backhausgemeinschaft Ebsdorfer sichern sich ein heißes Kulturgut

Der Nachschub an frischem Ofenbrot und Schmandkuchen in Ebsdorf ist gesichert. Die Bürger übernehmen das ortseigene Backhaus, das schon jetzt in neuem Glanz erstrahlt.

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Schlüssel gegen Brot: symbolisch überreichte Bürgermeister Andreas Schulz den Schlüssel für das Ebsdorfer Backhaus an die Vorsitzende der Backhausgemeinschaft, Marita Staubitz.

Quelle: Ina Tannert

Ebsdorf. Kräftiges Brot frisch aus dem Steinofen, rustikale, knackige Brötchen oder saftigen Schmandkuchen - das mögen nicht nur die Bewohner von Ebsdorf. In Zukunft wird die örtliche Backhausgesellschaft dafür sorgen, dass diese Leckereien weiterhin aus ihrem eigenen Ofen kommen.

Offiziell übergibt die Gemeinde das modernisierte Backhaus am kommenden Sonntag in die Hände des neu gegründeten Vereins. Einen Tag vorher läuft die zweckgebundene Sperrfrist für das Gebäude ab. Eine Vereinsgründung war nötig, um in Zukunft von Gesetzes wegen für das dann ehemalige Gemeindeeigentum zuständig sein zu dürfen. Die baldige Übergabe feierten Gemeinde- und Vereinsvertreter bereits vergangene Woche mit einem kleinen Treffen und natürlich jeder Menge frischer Backwaren. Dass ein örtliches Backhaus dermaßen „rührig genutzt“ werde und sich gleich ein engagierter Verein zu dessen Erhalt gründet, „das ist etwas ganz Besonderes“, sagte Bürgermeister Andreas Schulz. Wo andere häufig zweckentfremdete Backhäuser an Privatleute verkauft werden müssten, wie etwa vor wenigen Jahren in Wittelsberg, sorgen die Ebsdorfer selber dafür, dass ein Stückchen Kulturgut erhalten bleibt und seinen ursprünglichen Zweck erfüllt.

21 Bäcker erhalten die Backtradition im Verein

Der künftige Eigentümer ist die Backhausgemeinschaft Ebsdorf. In dem Verein haben sich 21 Privatbäcker aller Altersstufen versammelt und sich dem Erhalt der dörflichen Backtradition verschrieben. Alle paar Wochen wird ausgiebig gebacken, „sechs bis sieben Familien treffen sich dazu regelmäßig“, zeigte sich die Vorsitzende Marita Staubitz begeistert.

Der lockere Verbund aus leidenschaftlichen Bäckern wurde bereits 2008 gegründet - aus der Not heraus, um das sanierungsbedürftige Häuschen auf Vordermann zu bringen. „Wir brauchten damals dringend einen neuen Ofen, das ging nur gemeinsam und mit vielen Spenden“, erklärte die Vereinschefin. Im Vorfeld der Backhaus-Übergabe wurde das um 1900 erbaute Gebäude samt Innenleben aufwendig saniert.

Finanzierung aus EU-Mitteln und Spenden

In 400 Stunden Eigenarbeit rissen die Ebsdorfer den veralteten Ofen ab, halfen tatkräftig beim Wiederaufbau und übernahmen die gesamte Renovierung des Innenraums. Insgesamt 28 Tonnen Schutt hatten sie am Ende zu entsorgen. Ende 2010 konnte der neue Ofen eingeweiht werden, der seitdem regelmäßig angefeuert wird. Insgesamt rund 20600 Euro kostete die Sanierung des Backhauses. Etwa die Hälfte konnte aus EU-Mitteln zwecks Förderung der regionalen Entwicklung finanziert werden, die Backhausgemeinschaft sammelte eigenhändig Spenden und steuerte 8000 Euro bei. „Das ist eine Riesenleistung“, sagte Schulz.

Die restliche Summe übernahm die Gemeinde, 2300 Euro - diesen Betrag zahlen die Mitglieder durch den Kauf des Backhauses zurück. Das Bürger-Konzept macht sichtlich Schule im Ort - demnächst soll sich eine Gefrierhausgemeinschaft in Ebsdorf gründen und das benachbarte alte Gefrierhaus in ähnlicher Weise übernehmen. Die offizielle Übergabe und Einweihung des Backhauses, das dann fest in den kundigen Händen der Mitglieder liegen wird, findet beim diesjährigen Backhausfest am 30. August statt.

Ab 12 Uhr können sich Besucher an allerhand frisch gebackenen Leckereien erfreuen.

von Ina Tannert

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