Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Ebsdorf bringt es auf 100 Vereine

Heimat- und Verschönerungsverein Ebsdorf bringt es auf 100 Vereine

Vom „Tip-Tap-Club“ bis zu den „Sandhasen“. Mit einer neuen Ausstellung im Dorfarchiv präsentiert der Heimat- und Verschönerungsverein die Geschichte der Ebsdorfer Vereinskultur.

Voriger Artikel
"Sie leben in einer sicheren Gemeinde"
Nächster Artikel
Friede, Freude und endlich ein Haushalt

Rund 50 Bewohner besuchten die neue Ausstellung über die Geschichte von Ebsdorf.

Quelle: Ina Tannert

Ebsdorf. Nach dem Erfolg des ersten Teils der Ausstellung setzt der Heimat- und Verschönerungsverein mit der neuen Präsentation „Ebsdorf – ein Dorf mit Geschichte(n), Teil 2“ die historische Dokumentation des Ortes fort. Seit Monaten haben sich die Vereinsmitglieder durch die Geschichte der Dorfvereine gegraben, Dokumente gewälzt, mit Bewohnern gesprochen, Informationen zusammengetragen und archiviert.

Das Ergebnis: Seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in Ebsdorf fast 100 Vereine, Zusammenschlüsse, Organisationen und Hobbygruppen gegründet. Neben den typischen Sport- und Fanclubs samt Feuerwehr und Musikvereinen, gab es ebenfalls Frühstückstreffen, Kegelrunden, Bierclubs oder einfach spontan gegründete Themengruppen. Darunter finden sich ausgefallene Vereinsnamen wie die Dorfgemeinschaft „Aida“, die für „Aufbruch in den Alltag“ steht, der „Tip-Tap-Club“, benannt nach zwei beliebten Fußball-Maskottchen oder die „Siebenschläfer“, mit sieben Gründungsmitgliedern.

50 Besucher war bei Ausstellungseröffnung da

Die Ausstellung ist in einem bewährten Konzept erstellt, „neben dem Hauptteil, der Vereinsgeschichte, haben wir mehrere kleine, interessante Alltags- und Nebenthemen“, erklärt Vereinsvorsitzender Wolfgang Richardt. Teil der Präsentation sind daher auch verschiedene Schwerpunkte im ländlichen Alltag wie das örtliche Back- und Gefrierhaus, die ehemalige Milchbank, die drei Ebsdorfer Gasthäuser, Amtspersonen oder das alte Postwesen im Ort.
Rund 50 Einwohner besuchten die offizielle Ausstellungseröffnung am vergangenen Samstag.

In einem Festvortrag berichtete Sprachwissenschaftler Professor Heinrich Dingeldein (Foto: Ina Tannert) über die Herkunft und Bedeutung von Dorfnamen. Traditionell werden Bewohner eines bestimmten Hauses im Ort teils bis heute mit einem eigenen Hausnamen benannt und so von anderen Mitbürgern unterschieden. Die Dorfnamen sind unabhängig von den heute gültigen Familien- und Nachnamen der Bewohner, die erst später zur besseren Charakterisierung der Personen auf der ganzen Welt Einzug erhielten.

„Ursprung und Herkunft der heutigen Namen herauszufinden ist äußerst schwierig, aber meist logisch abzuleiten“, erklärte Dingeldein. In der Regel entstanden die Namen für Personen oder Personengruppen aus fünf verschiedenen Schwerpunkten: die Bewohner wurden entweder nach dem Rufnamen des Vaters, bei Zugezogenen nach deren Herkunft, dem Ortsteil oder einem auffälligen Landschaftsbild, dem Beruf oder nach körperlichen Eigenarten benannt. So war etwa der „Bamberger Hannes“ mit Sicherheit aus Bamberg in den neuen Ort gezogen. Familiennamen wie Dick, Fett, Klug oder Groß entwickelten sich wiederum aus charakteristischen körperlichen Merkmalen. Auch ein Mensch mit Wuschelkopf wurde so ganz schnell zu einem „Kraus“, ein Mann mit Glatze erhielt den Namen „Kahl“.

Dorfnamen entstanden aus fünf Schwerpunkten

Aus dieser alltagsnahen, nichtamtlichen Praxis entwickelten sich mit der Zeit die offiziellen Nachnamen. Alleine in Ebsdorf sind etwa 140 Dorfnamen bis heute erhalten geblieben. Zahlreiche alteingesessene Ebsdorfer rätselten während der Ausstellungseröffnung über den Ursprung von diesem und jenem alten Familiennamen. So entwickelte sich etwa der in Ebsdorf verbreitete Name „Bodenbender“ aus dem Beruf des Fassbinders. Während ein Vorfahre der Familie „Kotte“ wohl wegen seiner Größe „Kurz“, sprich „Kurt“ gerufen und der Name in abgewandelter Form schließlich übernommen wurde. Die Bewohner „Grau“ können wiederum auf einen Ahnen mit grauen Haaren zurückblicken, und der Namensgeber der Familie „Grün“ wohnte wohl auf oder bei einer grünen Wiese oder aber er war noch ein „grüner Junge“, ein Neuling.

Die Ausstellung „Ebsdorf – ein Dorf mit Geschichte(n), Teil 2“ ist ab sofort bis Mitte Juli kommenden Jahres im Ebsdorfer Dorfarchiv zu sehen.

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr