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Dürfen Gläubige Zinsen nehmen?

Religionen Dürfen Gläubige Zinsen nehmen?

Die Rother Synagogengespräche sind fester Bestandteil im Jahresprogramm des Arbeitskreises Landsynagoge Roth. Zu einem Trialog der Religionen wird jedoch nur alle zwei Jahre geladen.

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Die Diskussionsteilnehmer Zaid El-Mogadeddi, Prof. Dr. Edith Franke (Moderatorin), Monika Bunk und Professor Dr. Rainer Kessler (von links).Foto: Heinz-Dieter Henkel

Quelle: Heinz-Dieter Henkel

Roth. „Vom Zinsverbot bis an die Börse. Wirtschaftsethik im Judentum, Christentum und Islam“ lautete das Thema das inzwischen 54. Synagogengesprächs in der mit etwa 30 Besuchern gut besetzten, ehemaligen Synagoge Roth. Als erste berichtete die stellvertretende Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Marburg, Monika Bunk, über das Zinsverbot im jüdischen Glauben. Sie zitierte drei Textstellen aus der Tora, die eindeutig gegen die Erhebung von Zinsen sprechen. ­Allerdings, so räumte sie ein, gelte dies nur bedingt.

Es sei zwar ausdrücklich verboten, von Armen Zinsen zu verlangen, das Verbot gelte aber erst allgemein, wenn Zinsen in Wucher umschlügen. Einschränkend müsse auch gesehen werden, dass die heilige Schrift keine Sanktionen für ein diesbezügliches Fehlverhalten vorsehe.

Der emeritierte Marburger Professor Dr. Rainer Kessler, noch kurz zuvor beim Kirchentag in Berlin mit gleichem Thema befasst, verwies auf Textstellen im Alten wie Neuen Testament, die eine Zinskritik beinhalten.

Martin Luther hielt am Zinsverbot fest

Luther, so berichtete er, habe am Zinsverbot festgehalten, dabei sei gerade die Kirche als Großgrundbesitzer die Institution mit dem größten Pachtzinsaufkommen gewesen. Im Mittelalter und ausgehender Neuzeit habe man den Juden die Geldgeschäfte überlassen, mit zunehmend wirtschaftlichem Erfolg diese aber auch beneidet. Dies führte bis hin zum Exodus ganzer jüdischer Familien, durch den Landesfürsten sich so ihrer Schulden entledigten. Heute spiele das Zinsverbot im christlichen Glauben nur noch eine sehr untergeordnete Rolle. Auch im islamischen Glauben, der von Koran und Scharia bestimmt wird, gibt es ein Zinsverbot, berichtete Zaid El-Mogadeddi von der Islamischen Bank in Frankfurt.

Kreditgeschäfte sind dennoch möglich. Ein Kreditnehmer muss sich einen Kreditgeber suchen, der mit ihm einen Vertrag abschließt. Damit ist der Kreditgeber voll am Risiko des Kreditnehmers beteiligt. Er profitiert nur im Erfolgsfalle. Bei Misserfolg droht völliger Kapitalverlust.

Eine islamische Bank müsse zudem einen bestimmten Prozentanteil ihrer Einlagen, so El-Mogadeddi, als zinsloses Darlehen gewähren. Unter diesen Gesichtspunkten könne man die meisten Banken in islamischen Ländern nicht als islamische Banken bezeichnen. Die häufigsten Nachfragen der Besucher betrafen das islamische Bankenmodell.

Vor dem Hintergrund der Lehmann-Pleite und der folgenden Bankenkrise rief Professor Dr. Rainer Kessler abschließend dazu auf, dass sich die Gläubigen stärker als bisher in Geldgeschäfte einmischen müssten.

von Heinz-Dieter Henkel

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