Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 0 ° Regen

Navigation:
Dorfbäcker halten die Tradition hoch

Ernährung Dorfbäcker halten die Tradition hoch

Knuspriges Holzofenbrot frisch aus der Backstube - diese Leckerei mögen viele Menschen, selbst an den Ofen trauen sich aber immer weniger Hobbybäcker.

Voriger Artikel
Wie die Dickwurz schaurig grinsen lernt
Nächster Artikel
Wermertshäuser packen es selbst an

Über Stunden hinweg informierten Marion und Werner Block (rechts) die interessierten Besucher über ihr traditionelles Backhandwerk und die Funktionsweise des großen Steinofens in der Backstube in Heskem.

Quelle: Ina Tannert

Heskem. Der Duft von frisch gebackenen Brotlaiben oder Pizza könnte in Zukunft deutlich häufiger aus dem alten, voll funktionsfähigen Backhaus wehen. Dass der große Steinofen künftig wieder öfter angeheizt wird, dafür setzen sich Marion und Werner Block aus Heskem ein. Die beiden backen seit mehr als 20 Jahren, sind wohl die letzten Hobbybäcker im Ort, die das Backhaus noch mehrmals im Jahr nutzen und ihre gesamte Familie mit traditionell gebackenem Bauernbrot versorgen. Bis zu 50 Laibe Bauern- oder Körnerbrot auf einmal bereitet das Paar an einem arbeitsintensiven Back-Wochenende zu.

Ihr Wissen wollen die Selfmade-Bäcker gerne an andere weitergeben, nicht zuletzt, damit die alte Tradition nicht ausstirbt, das Backhaus nicht ungenutzt herumsteht. „Es wäre schade drum. Wir wünschen uns, dass es weitergeführt wird“, sagt Marion Block. Dabei gebe es so einige Fans von herkömmlich hergestelltem Brot im Ort, das Selbermachen im eigenen Backhaus liegt da nahe, doch dieses wird heute nur noch selten genutzt. „Viele mögen das Sauerteigbrot, kennen es noch von den Großeltern, trauen sich aber selber nicht an den Ofen ran“, vermutet Block. Dabei biete das Gebäude samt Vorbereitungsraum direkt nebenan ideale Voraussetzungen für alle Hobbybäcker oder jene, die es werden wollen, ist sich das Paar sicher. Daher luden die Blocks alle interessierten Nachbarn zum Infotag ein. Mit Erfolg: Elf Bewohner kamen vorbei und zeigten großes Interesse, ihr ortseigenes Backhaus wiederzubeleben. Da wurde es in der Backstube schon eng, die die Besucher genau unter die Lupe nahmen, während das Paar das Handwerk näher erläuterte.

Jeder Nutzer muss Buchenholz mitbringen

Vor jedem Backtag ist schon etwas Arbeit erforderlich, knapp zwei Tage vorher bereiten die Blocks den Sauerteig vor, nutzen dafür getrockneten Teig der letzten Backaktion. Am Backtag wird der Ofen auf mehr als 400 Grad Celsius aufgeheizt. Wichtig sei dabei, im Vorfeld ausreichend Buchenholz zum Befeuern zu beschaffen - das muss jeder Nutzer selber mitbringen. Die restlichen Kohlen werden vor dem „Einschießen“ der Brote entfernt, die bei etwa 300 Grad eine Stunde vor sich hin backen. „Man ist etwa sechs Stunden beschäftigt“, schätzt Werner Block. Dafür könne man mit nur einem Durchgang gleich mehrere Personen für Monate mit selbst gebackenem Brot versorgen.

Bestens ausgestattet sei das Backhaus für weitere Bäcker allemal, dieses wurde erst 2004 saniert und von der Gemeinde mit einem neuen Steinofen ausgestattet. Der im Zuge der Dorferneuerung geschaffene Vorbereitungsraum in dem schmucken kleinen Fachwerkhaus nebenan verfügt zudem über ausreichend Platz für die Vorarbeit sowie über eine Teigmaschine, die den Großteil der Arbeit übernimmt.

Auch wenn die Hemmschwelle hoch ist, sei doch auch die Nachfrage nach dem frischen Backhausbrot groß, erklären die Blocks. Daher habe der Ortsbeirat diesen Informationstag auf den Weg gebracht, bei dem sich die Dorfbewohner aus erster Hand über das Brotbacken informieren konnten. Nicht zuletzt, um das voll sanierte Backhaus auch zu nutzen, das andernfalls seinen Sinn verliere. „Das wäre sehr schade, wenn diese Tradition zu Ende geht“, sagt Ortsvorsteher Heinz-Martin Lieser.

Das Bäckertreffen kam gut an bei den Besuchern, von denen sich einige vorgenommen haben, das Können der Großeltern wieder neu zu erlernen: „Der Geschmack ist einzigartig, solch ein Brot bekommt man nicht mehr beim Bäcker - aber das Praxiswissen ist in dieser Generation verloren gegangen, wir wollen es wieder aufleben lassen“, sagt Verena Rein. Allen Interessierten bieten die Blocks einen Einsteigerkurs an: „Etwas Erfahrung braucht es, aber wir lassen niemanden im Regen stehen“, verspricht Werner Block. Vielleicht kann dann in Zukunft auch wieder ein Backhaus-Fest im Ort gefeiert werden.

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr