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„Die waren alle besoffen“

Prozess wegen Schlägerei „Die waren alle besoffen“

Während eines Oldieabends im Mai 2015 kam es zu einer Schlägerei zwischen einem Taxifahrer und zwei Partygästen. Das Amtsgericht befasste sich mit dem Fall - und stellte das Verfahren ein.

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Marburg. Im nächtlichen Gedränge entlang der Landstraße und der Zufahrtswege zu einem gut besuchten Volksfest, dem Oldieabend in Leidenhofen, geriet ein Taxifahrer mit zwei jungen Männern aneinander. Dass der Beschuldigte die Festgäste angriff und zusammenschlug, konnte ihm nicht nachgewiesen werden.

Dem Vorwurf nach soll der Taxifahrer im Verkehrschaos vor dem Festzelt den Wagen der jungen Leute geschnitten und ausgebremst haben. Nachdem einer der Insassen sich beschwerte, stieg der Angeklagte aus. Es kam zu einem lautstarken Streit, der in einem kurzen Gerangel endete, in dem von beiden Seiten der ein oder andere Schlag ausgeteilt wurde. So weit waren sich alle Beteiligten einig.

Wer hat angefangen? Gericht hört viele Varianten

Wer die Prügelei begonnen hatte, war dagegen nicht so ganz nachvollziehbar; beide Parteien warfen der jeweils anderen vor, das Ganze angefacht zu haben.

Laut dem Angeklagten beleidigte ihn erst einer der jungen Männer, ging danach aggressiv auf ihn los. Kurz darauf habe sich dessen Begleiter angeschlossen, beide hätten zugeschlagen oder es zumindest versucht. „Die waren alle besoffen und suchten Streit“, er habe sich lediglich verteidigt, beteuerte der Fahrer.

Dem widersprachen die vermeintlich Geschädigten. Der Beschuldigte habe begonnen, sie anzupöbeln, zu stoßen, und habe zuerst zugeschlagen. „Er wollte auf mich los, ich habe mich gewehrt“, so der Zeuge. Der ihm zu Hilfe eilende Freund sei in dem Handgemenge zu Boden gerissen worden. Dieser gab allerdings an, er sei auf dem nassen Boden ausgerutscht. Sodann soll der Angeklagte ein- oder zweimal brutal gegen den Kopf des am Boden Liegenden getreten haben. „Er hat auf mich drauf getreten, ich habe sein Gesicht gesehen“, war sich der zweite Zeuge sicher.

Zeugin revidiert Aussage

Das bestätigte anfangs auch seine Begleiterin - angeblich habe der Fahrer gezielt zugetreten. Auf Nachfrage des Gerichts revidierte sie ihre Aussage: Der Tritt könnte auch aus Versehen geschehen sein. Ein Mitglied des Sicherheitsdienstes sah hingegen, dass beide Männer gegen den Fahrer „vorgingen“, Tritte konnte er nicht bestätigen.

Darüber hinaus soll die ganze Geschichte von einem nicht näher bekannten zweiten Taxifahrer in Gang gebracht worden sein, der urplötzlich aus dem Dunkeln auftauchte, zuschlug und schnell wieder verschwand, meinten sich manche Zeugen zu erinnern.

Der Anfangsverdacht der gefährlichen Körperverletzung bestätigte sich nicht vor Gericht. Auch den Straftatbestand der einfachen Körperverletzung bezweifelte die Verteidigung. Bis auf eine blutende Lippe eines der Männer wurde anscheinend niemand verletzt: diese „Pille-Palle-Verletzung, bei der keiner weiß, wo sie herkommt“ reiche für eine Verurteilung nicht aus, betonte Verteidigerin Dr. Marina Marschall.

Eindeutiger Beleg für Schuld des Taxifahrers fehlt

Alleine angesichts der kräftigen Statur ihres durchtrainierten Mandanten wäre in diesem Fall „vom Kopf nicht mehr viel übrig geblieben“, sagte die Anwältin und forderte einen Freispruch für den Angeklagten.

Dem stimmte Richter Tobias Mackenthun zu. Weder die Angaben der vermeintlich stark angetrunkenen jungen Männer noch die „konträren Aussagen der Zeugen“ konnten eine Schuld des Mannes eindeutig belegen, befand der Richter. Er sprach den Taxifahrer von allen Vorwürfen frei.

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