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Die verzweifelte Suche nach Wohnraum

"Letter of Intend" Die verzweifelte Suche nach Wohnraum

In Cölbe, Ebsdorfergrund, Fronhausen und Weimar fehlt freier Wohnraum. Die Unterbringung von Flüchtlingen stellt die Verwaltungschefs vor schwerlösbare Probleme. Deshalb wollen sie die Zuweisungspraxis ändern.

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Die Bürgermeister Volker Carle, Peter Eidam, Andreas Schulz und Fronhausens Bauamtsleiter Michael Esken (in Vertretung von Bürgermeister Reinhold Weber) treten mit einer Absichtserklärung zur Flüchtlingsunterbringung an den Landkreis heran.

Quelle: Martina Becker

Dreihausen. Dass Flüchtlinge und Asylbewerber Hilfe und einer menschenwürdigen Unterbringung bedürfen, darin sind sich die Bürgermeister Volker Carle (Cölbe), Andreas Schulz (Ebsdorfergrund), Reinhold Weber (Fronhausen) und Peter Eidam (Weimar) einig. Sie plädierten bei der Präsentation ihrer Vorstellungen zur Flüchtlingspolitik im Landkreis dafür, dass diese Menschen nicht in Großunterkünfte an den Ortsrand gedrängt werden, sondern im Sinne einer Integration in die Ortskerne gehörten.

„Der Landkreis zahlt pro Kopf 8,50 Euro am Tag für Miete und Verbrauchskosten“, informierte Schulz. Das sei definitiv zu wenig Geld, damit eine solche Unterbringung, die Ghettobildung vermeide, möglich werde, so Ebsdorfergrunds Bürgermeister. Besonders in den vier Gemeinden sei dies kaum zu bewerkstelligen, denn hier gibt es so gut wie keinen Leerstand. „Wir haben in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich dem Wohnungs- und Hausleerstand entgegengewirkt“, erklärte Schulz stellvertretend für seine Kollegen.

Ein nachhaltiger Einsatz für die Innenentwicklung, eine behutsame Baugebietsentwicklung im Außenbereich sowie der Ausbau und Erhalt der sozialen Infrastruktur hinsichtlich einer Nahversorgung zählte er als Gründe auf. Michael Esken, Bauamtsleiter der Gemeinde Fronhausen, der den erkrankten Bürgermeister vertrat, erzählte, dass er monatelang nach einer Wohnung in der Gemeinde gesucht habe. „Es gibt in Fronhausen keinen Mietmarkt“, so Esken. In Cölbe und Weimar sieht das nicht anders aus. Es bestehe eine fast nicht stillbare Nachfrage, so Carle und Eidam. Gerade weil der Wohnungsmarkt so ausgereizt ist, kann man mit dem gezahlten Beitrag von 8,50 Euro, der unter dem gängigen Kaltmietpreis von 10 Euro bis 10,50 Euro liegt, bei den Vermietern nicht landen.

Prämie bringt keinen Erfolg

Weitergebracht hat daher auch das bisherige Engagement für die Flüchtlinge nicht. Es wurden Arbeits- oder Kontaktkreise gebildet, um für das Thema sensibel zu machen.

In Ebsdorfergrund bietet man zusätzliche Prämien, wenn Flüchtlinge untergebracht werden. „Aber auch damit ist kein Staat zu machen“, sagt Schulz. Mit Zwang werde man den Wohnraum nicht schaffen. Die Verwaltungschefs plädieren daher für eine flexiblere Förderpraxis im Landkreis. Diese formulierten sie in einer Absichtserklärung, einem sogenannten „Letter of Intent“, der von allen vier unterzeichnet wurde. In der gemeinsamen Erklärung steht beispielsweise: „Wir wünschen uns vom Landkreis eine flexiblere Handhabung im Einsatz zur Schaffung von Wohnraum für die Unterbringung von Flüchtlingen und Asylbewerbern.“

Dazu gehöre vor allem eine unterschiedliche Honorierung der Bereitstellung von Wohnraum, heißt es im Weiteren. Gefordert wird auch, dass die Zahl der aufzunehmenden Flüchtlinge und Asylbewerber nicht nach der Zahl der Einwohner in den Städten und Gemeinden verteilt werde, sondern nach dem verfügbaren Wohnraum. In diesem Sinne will man selber ein Beispiel setzen und mit der Schaffung einer Gemeinschaftsunterkunft in Weimar Ressourcen nutzen, die die anderen drei Kommunen bei sich nicht haben.

Überdies will man in den Gemeinden durch ehrenamtliches Engagement die Toleranz gegenüber den Neuankömmlingen fördern. An den Landkreis gerichtet wird in der Erklärung darum gebeten, die Initiative zu unterstützen und nicht mit Zwangszuweisung zu drohen, sondern die zu unterstützen, die in Folge von Leerständen mehr Asylbewerber oder Flüchtlinge unterbringen.

von Martina Becker

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