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Die glorreichen Sieben gegen Wild-West

Windkraft im Grund Die glorreichen Sieben gegen Wild-West

„Wir setzen in Sachen Energiewende auf einen Mix an regenerativen Energien. Wir möchten deshalb so wenige Windräder wie möglich, aber so viele wie nötig sind“, sagt Ebsdorfergrunds Bürgermeister Andreas Schulz.

Ebsdorfergrund. „Nur wenn wir jetzt den Fuß in die Tür bekommen, können wir als Gemeinde selbst bestimmen, wo Windräder gebaut werden können und wo nicht“, macht Schulz weiter deutlich. Er erinnert: Durch die gewonnene Klage der Stadt Alsfeld sind - so lange der Teilregionalplan Energie nicht in Kraft gesetzt ist - für private Investoren Tür und Tor geöffnet. „Das heißt hier herrscht Wild-West“, sagt Schulz. Allein er weiß von mindestens fünf privaten Bestrebungen innerhalb der Gemeinde Ebsdorfergrund, Windkraftanlagen zu bauen. „Wir wollen keine Verspargelung unserer Kulturlandschaft“, sagt er entschieden. Die einzige Möglichkeit, „Wild-West“ zu verhindern, ist selbst tätig zu werden und entsprechende Standorte im Teilregionalplan vorzusehen und schließlich zu bebauen. „Da versteht es sich von selbst, nur Standorte auszuwählen, die auch wirklich Sinn machen. Wir müssen schließlich auch eine Planung vorlegen, die die Kriterien zur Genehmigung erfüllen“, so Schulz. Die sinnmachenden Standorte können allein aufgrund der unterschiedlichen Topografie nicht immer auf dem Gebiet einer Gemeinde liegen. Glücklich also die Kommune, die gute Nachbarschaft pflegt, denn in Sachen Windkraft erhält die interkommunale Zusammenarbeit eine ganz neue Dimension. Am Montag sollen die Gemeindevertreter der Gemeinde Ebsdorfergrund etwas beschließen, das es in dieser Form noch nie gegeben hat, den Aufstellungsbeschluss einer Bauleitplanung der Städte Allendorf (Lumda) und Staufenberg sowie der Gemeinden Buseck, Rabenau, Reiskirchen, Fronhausen und Ebsdorfergrund.

In dem gemeinsamen sachlichen Teilflächennutzungsplan haben sich die sieben Kommunen auf Konzentrationszonen für die Errichtung von Windenergieanlagen geeinigt und zwar in Verbindung mit einem Ausschluss von Standorten für Windkraftanlagen im übrigen Außenbereich. Die sieben Kommunen haben sich zu einer Energiegesellschaft Lumdatal GmbH zusammengeschlossen und wollen so die Standorte für Windkraftanlagen in der Region Lumdatal gemeinsam steuern. Mit dem Aufstellungsbeschluss ist den privaten Bestrebungen erst einmal ein Riegel vorgeschoben, doch müssen die Kommunen ihr Vorhaben auch komplett durchziehen und zum Abschluss bringen.

Stellungnahme ist mit Ortsvorstehern abgestimmt

Die gemeinsame Planung der sieben Kommunen beeinflusst auch die Stellungnahme der Gemeinde Ebsdorfergrund zum Entwurf des Teilregionalplanes Energie Mittelhessen, die die Gemeindevertreter in ihrer Sitzung am Montagabend ebenfalls beschließen sollen. Der Beschluss kann als sicher gelten, schließlich wurde er im Vorfeld mit sämtlichen Ortsvorstehern der Gemeinde abgestimmt.

Die im Entwurf des Teilregionalplans Energie vorgesehene Fläche im Wald bei Roßdorf wird positiv beschieden. Ebenfalls positiv sieht die Gemeinde die über die Kommune hinausgehende Fläche oberhalb von Winnen, mit der auch die Nachbarkommune ihren Frieden geschlossen hat und auf der sie sogar jetzt auch noch investieren möchte. Positiv nimmt die Gemeinde Ebsdorfergrund zur Kenntnis, dass der Raum zwischen den beiden genannten Standorten herausgenommen wurde. Sollten darüber hinaus die beiden zusammenhängenden vorgesehenen Flächen südlich von Hassenhausen ausgewiesen werden, lehnt die Gemeinde Ebsdorfergrund im Gegenzug eine Fläche auf dem Gebiet der Weimarerer Ortsteile Wolfshausen, Roth, Argenstein ab, da ansonsten eine „Umzingelung der eigenen Ortsteile Hachborn und Ilschhausen zu befürchten sei. Zudem passe der Standort generell nicht zum Sichtfeld der Burgruine Frauenberg.Gegen die Ausweisung der Flächen südlich von Hassenhausen hat die Gemeinde keine Einwände.

Eine zusätzliche Erweiterung der Fläche der Stadt Amöneburg Richtung Süden lehnt die Gemeinde ab. Darüber hinaus wird auch die noch ins Gespräch gebrachte Ausweisung des Gebiets „Sennberg und Umgebung“ vorsorglich nicht befürwortet.

Wie viele Anlagen letztendlich auf die positiv beschiedenen Flächen passen, sei noch unklar, meint Schulz. Mit drei Anlagen nördlich von Winnen und den beiden Biogasanlagen, die in der Gemeinde existieren, sei man gut aufgestellt. Eine dritte Biogas-Anlage sei jedenfalls nicht mehr vorgesehen. „Wie gesagt, wir setzen auf einen Mix aus Biogas, Windenergie und auch Fotovoltaik“, so Schulz.

In Sachen Fotovoltaik begrüßt die Gemeinde die Klarstellung, dass ohne eine kommunale Bauleitplanung keine Umsetzung geschehen kann. Damit werde die kommunale Selbstverwaltung mit ihrer Planungshoheit geachtet, heißt es in der Stellungnahme zum Teilregionalplan Energie. Zu den sieben Kommunen, die sich „glorreich“ in der Energiegesellschaft zusammengefunden haben, um gemeinsam mehr zu erreichen, könnte nach Ebsdorfergrund und Fronhausen auch noch eine dritte aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf zustoßen, nämlich Weimar. Dort sind die Beratungen noch nicht abgeschlossen.

von Götz Schaub

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