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Die alte Einsatz-Uniform passt noch

Vereinsjubiläum Die alte Einsatz-Uniform passt noch

Mit Motorspritze, Signalhorn und Fahrrad – wie die Arbeit der freiwilligen Feuerwehr noch vor gut 70 Jahren aussah – daran erinnert sich der ehemalige Feuerwehrmann Heinrich Mink bis heute.

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Heinrich Mink (links) beim Einsatz mit der alten, schweren Motorspritze vor rund 70 Jahren.

Quelle: Privat

Ebsdorf. Mit Blaulicht und Martinshorn rast der moderne Einsatzwagen von heute durch die Straßen, gut ausgebildete Einsatzkräfte gehen ans Werk, die Sirene heult, der Funk rauscht, automatische Pumpen fördern das bereitgestellte Löschwasser aus dem Hydranten, elektrische Leitern helfen bei der Rettung in Not geratener Personen.

Dieses Einsatz-Szenario ist in der heutigen Zeit glücklicherweise keine Science-Fiction-Geschichte, wäre es jedoch vor 70 Jahren sicherlich gewesen. Wie die örtliche Brandbekämpfung noch Mitte des vergangenen Jahrhunderts vonstattenging, hat der ehemalige Feuerwehrmann Heinrich Mink aus Ebsdorf noch selber erlebt. „Damals wurde die Feuerwehr ausschließlich zur Brandbekämpfung eingesetzt, die Aufgaben haben sich heute sehr erweitert“, erklärt der 85-Jährige.

Warnung bei Brandgefahr mit dem Signalhorn

Bereits im Jahr 1945 trat er, gerade eben so dem Kindesalter entwachsen, dem aktiven Feuerwehrdienst bei und kurze Zeit später in den Verein der freiwilligen Feuerwehr ein, nur zwölf Jahre nach Vereinsgründung. Eine Sirene gab es damals noch nicht, bei Brandgefahr war er es, der sich als junger Bub auf sein Fahrrad schwang und die Bewohner noch per Signalhorn warnte.

Dass er bereits als Jugendlicher in den Posaunenchor eintrat, kam ihm dabei sehr zugute, „ich hatte ja schon Übung“. An seinen ersten Einsatz erinnert er sich noch gut – kurz vor Kriegsende fing eine Scheune im Ort Feuer, der junge Feuerwehrmann wurde als Mitglied des Schlauchtrupps zum Verlegen der langen Wasserschläuche abkommandiert. Die zentnerschwere alte Motorspritze musste von den jungen Burschen noch selber gezogen, das Löschwasser per Saugpumpe aus der Zwester Ohm gefördert werden. „Das war gar nicht so einfach, da war Muskelkraft gefragt“, erinnert sich der Senior.

Heute gibt es moderne Schutzausrüstungen  

Zum Schutz der Einsatzkräfte sind heutzutage eine ganze Reihe an moderner Schutzausrüstung Standard, damals bestand die offizielle Einsatzkleidung aus einer kargen Uniform, einer dünnen Jacke, Stoffmütze und Gürtel. Festes Schuhwerk wurde sich im Notfall noch schnell beim Nachbarn ausgeliehen. „Es war im Vergleich zu heute primitiv, wir hatten praktisch auch keine Ausbildung“, erzählt Mink.

Die jungen Feuerwehrmänner wurden von den älteren Kollegen eingewiesen. Trainiert wurde in regelmäßigen Wettkämpfen, als Teil der alljährlichen Feuerwehrfeste des Vereins. Für den freiwilligen Einsatz im Brandfall wurden bevorzugt die jungen Burschen herangezogen, die vor Ort im Handwerk oder in der Landwirtschaft arbeiteten „und damit nicht weit weg waren“. Er selber fand kurz nach dem Krieg keine Ausbildung, war lange Zeit als Kran-, Stapler-  oder Baggerfahrer und „Mädchen für alles“ bei einer örtlichen Maurerfirma tätig und leistete parallel über 20 Jahre lang Dienst bei der Feuerwehr. „Das waren beides harte Jobs, aber das war eben so, man ging damals ganz einfach zur Feuerwehr“, sagt Mink.

Mit Mitte 30 hängte er seine Uniform an den Nagel, heirate seine Frau Katharina und erfreut sich heute an seinen zwei Töchtern und vier Enkeln. Mit Familie und Vereinsfreunden kann er in wenigen Tagen nicht nur seinen 85. Geburtstag feiern, sondern auch 70 Jahre im Feuerwehrverein Ebsdorf. Auch im hohen Alter nimmt er regelmäßig an Sitzungen und Veranstaltungen des Vereins teil, singt zudem im Gesangverein und spielt immer noch im Posaunenchor. „Es macht bis heute Spaß und gehört einfach zum Leben“, freut sich der rüstige Rentner.

 
Bis heute passt dem ehemaligen Feuerwehrmann Heinrich Mink seine alte Einsatz-Uniform. Der aktive Senior feiert in diesem Jahr sein 70. Vereinsjubiläum im Feuerwehrverein Ebsdorf. Foto: Ina Tannert

von Ina Tannert

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