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"Die Mutter des Bürgerbusses"

Bundesverdienstkreuz "Die Mutter des Bürgerbusses"

Die Liste von Horst Naus ehrenamtlichen Engagements in der Politik und der Gesellschaft ist lang. Der Initiator des Weimarer Bürgerbusses wird dafür heute mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

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Horst Nau ist in vielen Bereichen ehrenamtlich engagiert. Sein Baby ist dabei der Bürgerbus der ­Gemeinde Weimar. Er schreibt für die Helfer jeden Monat den Dienstplan.

Quelle: Patricia Graehling

Oberweimar. Es gibt kaum ein politisches Ehrenamt, das Horst Nau noch nicht innehatte. Auch die Liste seines Engagements in der Gesellschaft ist sehr lang. So hat der 68-Jährige seine Wahlheimat Oberweimar und die Gemeinde Weimar aktiv mitgeprägt, hat Menschen an einen Tisch gebracht und von seinen Ideen überzeugt, hat sogar eine Partnerschaft mitentwickelt.

Der gebürtige Großseelheimer kam der Liebe wegen 1967 nach Oberweimar - und integrierte­ sich auch dort schnell in den Vereinen, vor allen Dingen im Wanderclub. Denn ein Vereinsmensch war Nau schon immer: „Ich war in der Jugendarbeit im Volkstanz aktiv, war aber auch in der Feuerwehr und anderen Vereinen“, sagt er über seine ­Jugend im Kirchhainer Stadtteil. „Meine Eltern haben mir das so vorgelebt“, erklärt er sein großes Engagement bescheiden. „Aber ohne die vielen Helfer, die sich ebenfalls einbringen, und meine Familie, die hinter mir steht, wäre das gar nicht möglich.“

Nau war etwa in Wollmar, Hassenhausen und Halsdorf unterwegs, um den Menschen den Volkstanz näherzubringen, unterstützte die dortigen Gruppen. Dabei lernte er auch seine Frau Gisela kennen, mit der er zwei Kinder hat. In Weimar baute er mit anderen Wanderfreunden ein 120 Kilometer langes Wandernetz auf, sorgte für eine Anbindung der Region und den Premium-Wanderweg Lahn-Dill-Bergland, organisierte Wanderungen in Oberweimar, setzte sich für die Partnerschaft der Gemeinde Weimar zu Wutha-Farnroda im Osten ein - was dazu führte, dass die Freunde dort das ausgediente Feuerwehrauto aus Oberweimar bekamen. Bis heute hält die Freundschaft - vor allem zwischen Feuerwehrleuten und Wandergruppen, freut sich der 68-Jährige.

Als „Zugezogener“ war Nau Mitbegründer des SPD-Ortsvereins in Oberweimar. Seit 1972 ist er dort im Vorstand engagiert - jahrzehntelang in vorderster Reihe als Erster und später Zweiter Vorsitzender, heute gibt er seine Erfahrungen und Ideen noch als Beisitzer weiter. „Ich sagte mir, dass im Ort was gemacht werden muss“, erklärt Nau sein politisches Engagement. „Wir wollten was bewegen.“ Und das taten die Kommunalpolitiker auch: Sie setzten sich dafür ein, dass an der Bushaltestelle an der Hauptstraße­ - der B255, die mitten durch den Ort führte - eine Ampel installiert wurde. „Von dort fuhren jeden Morgen die Kinder in den Kindergarten und die Grundschule nach Niederweimar. Die Unfallgefahr war sehr hoch.“

Schon damals setzte Nau sich besonders stark für die Ortsumgehung Oberweimars ein, die erst in den vergangenen Jahren realisiert wurde. „Das brauchte viele Jahrzehnte Planungen und Verhandlungen“, sagt er heute. Dabei habe das Dorf sich stark gegen die Idee einer Brücke über Oberweimar gewehrt.

Seit der jüngsten Wahl ist Nau wieder im Ortsbeirat. Zuvor saß er dort von 1977 bis 1981. Von 1979 bis 1981 war er zudem Gemeindevertreter. Anschließend saß er bis 1997 im Gemeindevorstand. Zudem arbeitete er von 1985 bis 1995 als Ortsgerichtsschöffe. Dann zog der Angestellte der Deutschen Bahn sich zurück, weil er an Krebs erkrankte, kam in den Vorruhestand. Und selbst dann setzte er sich noch ein: „Ich wurde krank vom ­Tonerstaub“, sagt er. Anerkannt sei dies bislang nicht als Berufskrankheit, deswegen klagte er, kämpft heute mit der Initiative „NanoControl“ für sich und andere Erkrankte.

Nau sitzt selbst noch am Steuer des Bürgerbusses

Verschiedene Ehrungen bekam Nau für sein vielfältiges Engagement schon. So ist er Ehrenbeigeordneter der Gemeinde, bekam vor 16 Jahren schon den Landesehrenbrief. Heute­ kommt mit dem Bundesverdienstkreuz eine besondere Würdigung dazu.

„Er ist die ,Mutter‘ des Bürgerbusses“, sagt der frühere Bürgermeister Volker Muth, der Horst Nau für die Ehrung vorgeschlagen hat. „Er kam damals mit der Idee zu mir, hat unglaublich viel Zeit und eigenes Geld investiert und sich um ein Fahrzeug und Mitstreiter gekümmert“, sagt er lobend. Noch heute schreibt Nau die Dienstpläne für die Fahrer, sitzt einmal im Monat selbst hinter dem Steuer. „Wir wollen damit die Menschen aus den abgelegeneren Ortsteilen in die Zentren bringen, damit sie einkaufen und zum Arzt gehen können“, sagt Nau.

Ans Aufhören denkt der 68-Jährige noch lange nicht. Aber er möchte nicht nur am Steuer des Bürgerbusses sitzen: „In meiner Jugend war ich Segelflieger. Das würde ich gerne nochmal machen“, wünscht er sich.

von Patricia Grähling

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