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„Die Kunst ist es, Ideen umzusetzen“

Bürgermeisterwahl 2016 „Die Kunst ist es, Ideen umzusetzen“

Die Arbeit geht nicht aus. Das sei aber kein Grund, sich nicht auch noch neue zu suchen, meint Andreas Schulz. Er ist motiviert und möchte wieder zum Bürgermeister gewählt werden. Im OP-Interview nimmt er Stellung.

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Stellte sich zweimal, 1998 und 2004, jeweils einem Gegenkandidaten, 2016 ist Andreas Schulz wie 2010 Alleinkandidat.

Quelle: Privatfoto

Ebsdorfergrund. OP: Herr Schulz, seit 1992 sind Sie Bürgermeister in Ebsdorfergrund. Gibt es eigentlich noch einen weißen Flecken auf der Karte der Großgemeinde, wo Sie noch nie waren?

Andreas Schulz: Ich kann schon behaupten, so ziemlich an jeder Haustür gestanden zu haben. Etwa im Vorfeld vorangegangener Wahlen. Natürlich war nicht jeder dann zu Hause und ich war auch nicht in jedem Wohnzimmer. Dafür habe ich aber sicher alle relevanten Feld- und Wirtschaftswege erwandert und kenne die gemeindeeigenen Einrichtungen sehr, sehr gut. Und doch muss ich sagen, dass es nach all den Jahren immer wieder neue Schätze für mich im Grund zu entdecken gibt.

OP: Übertragen auf Ihre Arbeit als Bürgermeister kann man schon sagen, dass Sie nie in einen Trott verfallen sind, sondern immer wieder im Altbekannten neue Möglichkeiten gesucht und auch gefunden haben. Trotzdem, woher nehmen Sie jetzt die Motivation für die nächsten sechs Jahre?

Schulz: Darüber muss ich nicht wirklich nachdenken. Ich lebe hier, bin glücklich hier und möchte die Gemeinde gerne noch weiter begleiten und voranbringen. Und die Arbeit bleibt ein riesengroßes Puzzle, mit dem man nie fertig wird. Aber in der Tat gibt es immer wieder neue Ideen und Impulse, die hier noch umgesetzt werden können.

OP: Und wo ist Ihr Kreativ-­Mitarbeiter, der die Ideen für Sie produziert?

Schulz: Ganz ehrlich? Wir müssen hier nicht das Rad neu erfinden. Das Geheimnis guter Ideen ist doch recht banal. Wir gucken einfach über den Tellerrand hinaus und lassen uns inspirieren und schauen dann, ob Ideen, die woanders einen Erfolg einfuhren, auch für uns was bringen können. Natürlich entwickeln wir auch eigene Ideen, aber wie gesagt, nicht immer sind wir der Urheber. Wobei ich auch sagen möchte, wenn man sich wie ich mit einer Aufgabe so identifiziert, kommen einem auch von alleine viele gute Gedanken und Ideen. Die Kunst ist nur, sie umzusetzen.

OP: Okay, dann fragen wir mal nach den konkreten Vorhaben, die Sie für die nächste Amtszeit geplant haben. Worauf dürfen sich die Menschen im Grund einstellen?

Schulz: Eine ganz große und interessante Sache wird die Verwirklichung der Ortsumgehung von Heskem, weil diese ganz neue Entwicklungsmöglichkeiten mit sich bringt. Die Standorte Wittelsberg, Dreihausen und Heskem werden in einer ganz neuen Beziehung zueinander stehen können. Wir wollen dann beispielsweise das Projekt Busbahnhof für die Gesamtschule Heskem in Angriff nehmen und mit dem Generationenpark das Thema altersgerechtes Wohnen weiter bedienen. Wir wollen unsere Infrastruktur nicht nur erhalten, sondern bedarfsorientiert ausbauen.

OP: Und was haben wir für das Gewerbegebiet in Heskem zu erwarten? Vielleicht ein Ikea?

Schulz: Nun, wenn die fragen sollten, sind wir gesprächsbereit. Aber im ernst, das Gewerbegebiet ist in erster Linie für die Weiterentwicklung bereits in der Gemeinde ansässiger Betriebe gedacht. Da ist die Mitte der Großgemeinde sicher genau der richtige Standort. Das nächste Gewerbegebiet möchte ich auch gerne mit der Stadt Marburg entwickeln. Das ist auch so eine Idee. Die Stadt verfügt sicher über weitergehende Kontakte, wir können Flächen bieten, die es im Stadtgebiet so nicht mehr gibt. Das ist für mich eine Win-Win-Sache. Und so ein großartiges Neuland betreten wir damit dann auch wieder nicht, weil wir ja jetzt schon interkommunal gut mit Partnern zusammenarbeiten, etwa mit den Marburger Stadtwerken oder den umliegenden Kommunen wie Fronhausen und im Gießener Raum in Sachen Windenergie. Also, wenn wir mit der Stadt Marburg etwas entwickeln, möchte ich das auf Augenhöhe tun. Das heißt, dass wir uns auf der einen Seite die Erschließungskosten teilen wie auf der anderen Seite dann auch die Gewerbesteuereinnahmen.

OP: Sie sprachen es eben kurz an. Sie wollen Infrastruktur nicht nur erhalten, sondern auch ausbauen. Das bedeutet letztendlich auch, für mehr Einwohner sorgen zu wollen, oder?

Schulz: Sicher das auch. Aber wir wollen auch Bürger halten und das in jedem Alter. Über die Stärkung des Gewerbes vor Ort bieten wir auch Arbeitsplätze. Darüber hinaus werden die Mitbürger jenseits der 60 Jahre in Zukunft noch erheblich zunehmen. Wenn wir für sie die richtige Infrastruktur vorhalten, werden sie nicht so leicht gezwungen, aufgrund veränderter Lebensumstände sofort aus dem ländlichen Raum wegziehen zu müssen. Ich denke, mit der Einrichtung des GrundTreffs in Wittelsberg haben wir von unserer Seite aus schon einen absolut richtigen Schritt in eine gute Zukunft für ältere Menschen in unserer Gemeinde getan. Die älteren Menschen von heute wollen mobil bleiben, etwas erleben, nicht nur einfach unterhalten werden, sondern sich noch selbst mit Rat und Tat einbringen. Die ersten Angebote im GrundTreff laufen sehr gut und die Sommersaison hat noch gar nicht richtig angefangen mit all den Möglichkeiten, die wir dort dann noch bieten können.

OP: Das klingt gut, aber niemand lebt ewig, was passiert im Bezug auf die Einwohnerzahlen, wenn ältere Menschen sterben?

Schulz: Eigentlich nichts. Wo Wohnungen frei werden, lassen sich in der Regel schnell neue Mieter oder Besitzer finden. Ich darf behaupten, dass wir keinen nennenswerten Leerstand in der Gemeinde haben. Und bevor Sie die Frage nach Baugebieten stellen, kann ich gleich sagen, dass die Zeit, für jedes Dorf ein Baugebiet vorzuhalten, definitiv zu Ende ist. Wir werden uns ganz klar danach orientieren, wo Bedarf ist. In der Regel sind das die Orte an der L 3048 sowie Dreihausen und Beltershausen. Zudem möchte ich alles unternehmen, dass die drei Einkaufsstandorte in Ebsdorf, Hachborn und Dreihausen gesichert bleiben. In Dreihausen erleben wir ja gerade die Erweiterung des Rewe-Marktes. Das ist sicher ein gutes Zeichen.

OP: Und junge Familien finden im Grund auch ihr Glück?

Schulz: Auch daran arbeiten wir. Etwa mit der Anpassung beim Kindergartenangebot. Da muss man bedarfsgerechte Angebote machen. Vielleicht müssen wir eine Kindergartengruppe angesichts zurückgehender Geburten schließen. Aber es geht uns auch darum, eine weitere U-3-Gruppe aufmachen zu können, weil da der Bedarf vorhanden ist.

OP: In Ihre angestrebte neue Amtszeit fällt ja noch ein ganz besonders Datum: 2020. Vielleicht das Jahr, in dem wir Kontakt zu Außerirdischen aufnehmen, aber ganz sicher das Jahr...

Schulz : Genau, das Jahr, in dem wir energieautark sein werden.Das wollten Sie doch wohl sagen?

OP: Richtig. 2020 soll es also tatsächlich so weit sein?

Schulz: Also ich stecke mir in der Regel Ziele, die ich auch noch selbst in der Verantwortung erleben kann. Und ja, 2020 ist es sicher so weit. Wir haben sehr viel Arbeit in die Einsparung von Energie gesteckt, und wenn die beiden geplanten Windräder auf dem ,kalten Stall‘ bei Leidenhofen errichtet sind, haben wir es geschafft. Natürlich nur virtuell, denn wir beliefern uns ja nicht selbst. Aber wir erzeugen dann in der Tat die Energie, die wir verbrauchen.

OP: Vorletzte Frage. Nur das wenigste lässt sich ohne Geldmittel umsetzen. Was macht Sie so sicher, dass Sie in Sachen Finanzen weiterhin erfolgreich sein werden?

Schulz: Nun, auf eine spürbare Entlastung bei der Kreisumlage können wir wohl nicht bauen, denn obwohl diese bei den Prozentpunkten abgesenkt wurde, hatten wir nicht mehr Geld zur Verfügung. Der Effekt war nur der, dass wir nicht noch mehr als schon jetzt zahlen mussten. Also müssen wir von uns aus die Rahmenbedingungen erbringen. Da spielen die Einnahmen über die Einkommensteuer unserer Bürger sowie die gewerbliche Entwicklung eine große Rolle. Das bedeutet, immer die laufenden Ausgaben zu kontrollieren und klug zu investieren, damit nicht am Ende die hohen Abschreibungen den Haushalt belasten.
Und ganz wichtig: Immer das Notwendige vor dem Wünschenswerten stellen. Des Weiteren Einnahmen über Fördergelder requirieren. Da sind wir ja als Mitglied der Region Marburger Land gut dabei und wollen das auch in Zukunft für eine gute Lebensqualität in unseren Dörfern nutzen.

OP: Letzte Frage: Was versprechen Sie den Bürgern, die Sie am 19. Juni erneut zum Bürgermeister wählen sollen?

Schulz: Dass ich mit Herz und Verstand meine Arbeit gut machen will.

von Götz Schaub

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