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Die Kinderlein können kommen

Rechtsanspruch erfüllt Die Kinderlein können kommen

„Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung erfüllt“: Dieser Slogan in Form eines Stempels prangt auf einer neuen Broschüre, mit der die Gemeinde ab sofort das Angebot von Kindergärten und Kinderkrippen vorstellt.

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Heike Schick, Koordinatorin für Kinderbetreuung (von links), die stellvertretende Leiterin der Kita Dreihausen Ute Schwarz und Bürgermeister Andreas Schulz informierten über den Stand beim Ausbau der Kinderbetreuung im „Grund“.

Quelle: Andreas Schmidt

Dreihausen. Die Broschüre soll am 1. April an alle Haushalte der Gemeinde verteilt werden. Gemeinsam mit Heike Schick, Koordinatorin für die Kinderbetreuung, stellte Bürgermeister Andreas Schulz den Bedarfsplan für die Kinderbetreuung fürs laufende Jahr vor.

Denn ab dem 1. August muss die Gemeinde nicht nur den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz erfüllen. „Wir müssen auch für 35 Prozent der unter Dreijährigen einen Betreuungsplatz vorweisen. Und dieses Angebot erfüllen wir bereits heute“, so Schulz.

Schon seit Jahren stelle die Gemeinde einen Bedarfsplan auf. „Dieser gibt wieder, wie die Entwicklung in den kommenden Jahren bei uns sein wird.“ Und er zeigt auf: 211 Kinder unter drei Jahren sind in der Gemeinde zu betreuen. Die Gemeinde stellt in Krippen und bei Tagesmüttern 68 Betreuungsplätze zur Verfügung - was 35 Prozent entspricht. Zudem gehe man von 10 Prozent dieser 211 Kinder aus, die außerhalb der Gemeinde betreut würden oder deren Eltern das Erziehungsgeld in Anspruch nähmen. Dadurch steige der Deckungsgrad auf 42 Prozent.

Noch nicht berücksichtigt sei die altersgemischte Gruppe des Kindergartens Rauischholzhausen, in dem weitere fünf U-3-Plätze geschaffen werden könnten - dadurch würde sich der Deckungsgrad auf 44,5 Prozent erhöhen.

Bei den Kindergartenplätzen besteht derzeit sogar eine Überkapazität: In den gemeindlichen und kirchlichen Kindergärten stehen 245 Plätze zur Verfügung - für derzeit 204 Kinder. Laut Bedarfsplan wird diese Anzahl bis 2015 auf 219 Kinder steigen - somit läge der Deckungsgrad dann bei knapp 112 Prozent.

Betreuung in Marburg macht Schulz Sorgen

Für die Betreuung ist die Gemeinde also bestens aufgestellt. Aber sie hat auch ein Problem: Sie muss jährlich gut 51000 Euro an die Stadt Marburg überweisen. Denn im Kindergartenjahr 2011/2012 wurden 15 Kinder aus der Gemeinde in Betreuungseinrichtungen der Stadt Marburg betreut. „Der Standortgemeinde eines Kindergartens steht die Erstattung der ungedeckten Kosten von der „Verursachergemeinde“ zu. Konkret heißt das: Die Beiträge, die Eltern aus dem „Grund“ in Marburger Einrichtungen zahlen, decken nicht die Kosten, die dort tatsächlich entstehen. Und dieser Differenzbetrag wird der Gemeinde in Rechnung gestellt.

„Das führt zu der kuriosen Situation, dass wir für 100 Prozent unserer Kinder laut Bedarfsplanung Plätze vorhalten, die dann nicht belegt werden - gleichwohl aber mit Personal ausgestattet werden und vorhanden sind. Die Einnahmen dieser Plätze fehlen. Und wenn diese Plätze unbelegt bleiben, entgehen uns auch Zuschüsse nach dem Kinderförderungsgesetz, das am 1. Januar kommenden Jahres in Kraft tritt.“ Zudem müsse man dann auch noch die Ausgleichszahlungen an die anderen Städte und Gemeinden leisten.

„Für Erhalt der Infrastruktur brauchen wir alle Kinder“

„So kommen wir durch Gebühren an Städte und Gemeinden und fehlende Fördermittel schnell auf 100000 Euro. Und die würden wir lieber bei uns investieren“, macht Schulz klar. „Daher bitten wir alle Eltern darüber nachzudenken, ob die Eltern ihre Kinder nicht lieber in die Betreuungsangebote in unserer Gemeinde geben“, wirbt Schulz. Denn: „Wenn wir die Infrastruktur in diesem Umfang aufrecht erhalten wollen, brauchen wir alle Kinder.“ Er befürchtet, dass sich sonst „eine Abwärtsspirale“ in Gang setze: „Wenn wir immer weniger Einnahmen haben und immer mehr bezahlen müssen heißt das auch, dass letztendlich Gruppen geschlossen und Öffnungszeiten nicht erweitert werden können.“ Schlimmstenfalls drohten Schließungen.

Diese Problematik betreffe nicht nur den Ebsdorfer Grund, sondern hessenweit die umliegenden Gemeinden zu den Städten. „Individuell ist das alles verständlich. Denn dort, wo die Menschen arbeiten, nehmen sie die Kinder aus praktischen Gründen auch gerne mit zu einer Einrichtung nahe der Arbeit“, so Schulz. Aber dadurch werde die Versorgung auf dem Land ungleich schwerer.

von Andreas Schmidt

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