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Die Kandidaten der Parteien sind raus

Bürgermeisterwahl Fronhausen Die Kandidaten der Parteien sind raus

Die Stimmauszählung dauerte keine 30 Minuten, einige Augenblicke später präsentierte Wahlleiter Achim Batz den 250 Besuchern der Wahlparty das vorläufige Endergebnis.

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Am Sonntag wurde in Fronhausen gewählt: Von den vier Kandidaten haben es Claudia Schnabel und Michael Esken (zweiter von links) in die Stichwahl geschafft.

Quelle: Tobias Hirsch

Fronhausen. Ob es Werner Speier nun nach außen hin vertrat oder nicht, er war als parteiloser Kandidat gleichzeitig der Wahlvorschlag der CDU Fronhausen. Das Ergebnis von 21,9 Prozent dürfte aus CDU-Sicht schon etwas überraschend niedrig ausgefallen sein, trieb er doch mit den Hausbesuchen einen enormen Aufwand. Auch im SPD-Lager Ernüchterung. Ihr Kandidat Peter Kelch kam noch nicht einmal in den eigenen Reihen richtig zum Zug. Und so gehörte die Bühne den beiden anderen Kandidaten, die mit alter Parteienlandschaft in Fronhausen nichts zu tun haben. Die Betonung liegt auf Fronhausen, denn Michael Esken ist in einem anderen Bundesland, in einem anderen Parlament schon mal für die SPD aktiv gewesen.Hier aber ist er parteilos und wurde lediglich von dem Verein „Bürger für Fronhausen“ (BfF)unterstützt.

Bürgermeisterwahl Fronhausen. Foto: Tobias Hirsch

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Siegerin der ersten Runde ist in Claudia Schnabel eine Frau, die 2011 für die „Bürger für Fronhausen“ in das neue Parlament eingezogen war, mittlerweile aber mit drei weiteren ehemaligen BfF-Mitgliedern eine eigene Fraktion bildet, die der „Initiative Fronhausen“. Jetzt kommt es also zu einem Duell zwischen Michael Esken und Claudia Schnabel. Beide Kandidaten wollen in den nächsten 14 Tagen noch einmal alles geben, um die Wähler der anderen beiden Kandidaten und vielleicht auch noch mehr hinter sich zu bringen. Inge Lettermann-Naß, Fraktionsvorsitzende der „Initiative“, ist erfreut: „Der Aufwand der letzten Monate im Wahlkampf hat sich zunächst einmal ausgezahlt. Dass wir es schaffen, praktisch aus dem Stand auf mehr als 40 Prozent für unsere Kandidatin zu kommen, liegt über meinen Erwartungen. Jetzt wollen wir natürlich die nächsten Tage dazu nutzen, dass es auch am Ende wirklich reicht.“

Für Speier und Kelch dreht sich die Welt normal weiter

So sieht das auch Steffen Weber – nur für den anderen Kandidaten. Der Fraktionsvorsitzende der „Bürger für Fronhausen“ freute sich natürlich auch erst einmal über den zweiten Platz von Esken, der zur Teilnahme
am Finale berechtigt. „Vielleicht hat Claudia Schnabel ihr Kontingent schon erschöpft, jetzt gilt es, die Wähler der anderen Kandidaten von Michael Esken zu überzeugen. Wäre ja nicht das erste Mal, dass der Zweitplatzierte am Ende gewinnt.“ Das weiß Weber natürlich sehr genau, schließlich kam so auch sein Vater Reinhold vor zwölf Jahren in das Amt, als er den CDU-Mann Walter Horn in der Stichwahl schlagen konnte, nachdem dieser als Bester aus dem ersten Wahlgang in die Stichwahl eingezogen war.

Für Werner Speier und Peter Kelch dreht sich die Welt normal weiter, auch wenn beide eine gewisse Enttäuschung nicht verbergen konnten.

von Götz Schaub

 
 
 
Stimmen zur Wahl
Walter Horn (CDU) kamen am Wahlabend Erinnerungen an die Zeiten seiner Kandidatur vor 12 Jahren. Vom Wahlergebnis zeigte er sich überrascht: „Ich hatte Werner Speier in der Stichwahl gesehen. Er hat einen sehr engagierten Wahlkampf und fast 1500 Hausbesuche gemacht. Einen besseren Fachmann hätte man sich für die Gemeinde nicht wünschen können. Aber so ist der Wählerwille. Ich tippe, dass Claudia Schnabel in zwei Wochen genauso deutlich vorne liegen wird.“
Auch der amtierende Bürgermeister Reinhold Weber (Bürger für Fronhausen) erinnerte sich an die vorletzte Wahl, bei der die Ausgangslage für die Stichwahl ähnlich aussah. „So in der Richtung hatte ich das erwartet. Jetzt werden die Karten neu gemischt und es liegt an den Kandidaten, ob sie die Leute in den nächsten zwei Wochen noch mobilisieren können.“ Der Bürgermeister der Nachbargemeinde Weimar,  Peter Eidam , hat den Abend relativ gelassen erlebt. „Ich hatte im Voraus keine Einschätzung, wie die Wahl ausgeht“, sagt Eidam. Für die nächsten zwei Wochen hat er noch einen Rat für die Kandidaten: „Jetzt gilt es, nochmal Gas zu geben und die Leute da ansprechen, wo noch Wählerpotenzial ist.“ Landrätin Kirsten Fründt (SPD) äußerte sich vor Veröffentlichung der Wahlergebnisse zur Frage, ob es nicht schön wäre, wenn die Bürgermeisterrunde durch eine weibliche Kollegin ergänzt würde: „Für die Gendersache wäre es natürlich schön, das Wichtigste ist aber, dass die Interessen der Kommunen vertreten werden.“ Nach der Verkündung der Ergebnisse ist die Landrätin schnell abgereist.
Kathrin Wenner (Mitglied der CDU-Fraktion) zeigte sich enttäuscht: „Es ist schon sehr schade. Werner Speier hat einen engagierten Wahlkampf geführt. Und er war sehr fleißig bei der Sache, besuchte sehr viele Bürger direkt zu Hause.“ Ob die CDU nun einen Wahlaufruf für einen der beiden verbliebenen Kandidaten starten wird, ließ sie offen.
Lothar Mücke , Erster Beigeordneter (SPD): „Dieses Ergebnis haben mir viele Leute vorhergesagt. Ich wünsche beiden Kandidaten alles Gute. Mal sehen, wer gewinnt.“
 
Standpunkt zur Wahl: Wozu noch einen SPD-Mann?

Es war klar, mindestens zwei Kandidaten mussten gehen. Doch da kommt es auch auf das „Wie“ an. Ganze 271 Wähler entschieden sich für den SPD-Kandidaten Peter Kelch, in Summe magere 12 Prozent. Da fragt man sich schon, wozu die SPD einen Kandidaten aussucht und aufstellt, wenn er am Ende noch nicht einmal die Rückendeckung aus den eigenen Reihen bekommt. In diese wirklich unwürdige Situation wurde schon vor zwölf Jahren Lothar Mücke gebracht. Jetzt Peter Kelch. Rückhalt aus der Partei sieht anders aus, auch wenn es eine Persönlichkeitswahl ist. Warum lassen SPD-Wähler – rund 28 bis 30 Prozent bei Kommunalwahlen in Fronhausen – ihre Kandidaten so auflaufen?

von Götz Schaub

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