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Die Grund-SPD rebelliert - zumindest einige

Landratswahl Die Grund-SPD rebelliert - zumindest einige

Während die SPD im Kreis sich auf die erneute Landrats-Kandidatenkür am Samstag im Bürgerhaus Roth vorbereitet, schießen Genossen aus der Gemeinde Ebsdorfergrund quer. Und drohen mit dem Boykott des Wahlkampfs. Dies geschieht ausgerechnet an dem Tag, an dem ein weiterer Kandidat den Hut in den Ring wirft: Kai-Uwe-Spanka.

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Gotthard Seim und Elisabeth Newton, hier bei einer Ehrung, sind offenbar unterschiedlicher Ansicht über das, was die Grund-SPD gegenüber dem Kreisverband erklären sollte.

Quelle: Archivfoto

Dreihausen. Aus Protest gegen das Verfahren zur Aufstellung eines Ersatzkandidaten für den zurückgetretenen Michael Richter-Plettenberg wollen die Delegierten der Grund-SPD dem Unterbezirksparteitag am Samstag in Roth fernbleiben. Dort soll auf Vorschlag des Kreisvorstands die Marburger Sportamtsleiterin Kirsten Fründt gekürt werden.

Die Genossen im „Grund“, die das Schreiben unterzeichnet haben, - versandt wurde es von der Ersten Beigeordneten der Gemeinde und Kreistagsabgeordneten Elisabeth Newton - machen keinen Hehl daraus, wen sie für den geeignetsten Kandidaten gehalten hätten, auch wenn sie ihn nicht namentlich erwähnen - Bürgermeister Andreas Schulz. Der hatte sich allerdings bisher nicht offiziell beworben und gerade im Amtsblatt der Gemeinde mitgeteilt, dass er Bürgermeister bleiben wolle.

Die SPD Ebsdorfergrund kündigt zudem an, sich am Landrats-Wahlkampf nicht beteiligen zu wollen und nach den Wahlen eine Diskussion um die Neubesetzung von Führungspositionen auf SPD-Kreisebene zu eröffnen.

Bedauern bei Bartol

Unterbezirksvorsitzender Sören Bartol nahm das Schreiben „mit Bedauern zur Kenntnis“, er glaube und hoffe aber, dass dies nicht die Meinung der gesamten SPD im Ebsdorfer Grund sei. Und er scheint damit recht zu haben. Gotthard Seim, Vorsitzender der Gemeindevertretung und Ortsvorsteher in Wittelsberg, war bei der SPD-Sitzung anwesend, in der es um das Thema ging - und er erkennt die dort gefassten Beschlüsse nicht wieder. Und damit stehe er nicht allein. „Es wurde gesagt, wir gehen nicht zum Parteitag, aber wir stehen zu der Kandidatin. Wir haben zum Ausdruck gebracht, dass wir mit dem Modus der Kandidatenauswahl nicht einverstanden sind und dies dem Unterbezirksvorstand mitteilen - und nicht der Presse“, sagt Seim. Außerdem sollte das Thema beim nächsten SPD-Parteitag angesprochen werden. Dass es einen Beschluss zum Wahlkampfboykott zur Landratswahl gegeben habe, bestreitet Seim energisch: „Ich lasse mir doch nicht vorschreiben, für wen ich Wahlkampf mache.“

In der Sache hätten die Briefeschreiber unrecht, so Bartol. Der Kreisvorstand der SPD habe einen Kandidatenvorschlag gemacht, „aber am Ende entscheidet nicht Sören Bartol, sondern der Parteitag.“ Das sei immer so. Angesichts der Notsituation mit dem überraschenden Rückzug des Kandidaten Richter-Plettenberg und dem folgenden Zeitdruck sei in diesem Fall einfach keine Zeit mehr für ein basisdemokratisches Verfahren gewesen, wie es bei der Nominierungsrunde vergangenes Jahr gewählt worden war, so Bartol. Damals stieg am Ende übrigens nur ein Kandidat in den Ring - der aus Sicht der Briefeschreiber „aussichtsreichste SPD-Bewerber“ war nicht dabei.

von Michael Agricola

Ein Kommentar zum Thema

Im Wortlaut

Hiermit erklären wir, die SPD-Ortsvereinsvorsitzenden und der Gemeindeverbandsvorsitzende in Abstimmung mit der Fraktion und Mitgliedern, dass unsere Ortsvereine aus Protest nicht am Unterbezirks-Parteitag am 29. Juni teilnehmen werden. Wir sind im Ebsdorfergrund entsetzt über die Widersprüchlichkeit und die Willkür beim Verfahren zur Aufstellung eines SPD-Landratskandidaten. Erst sollen alle Mitglieder befragt werden, jetzt reicht ein einfacher und blitzschneller Vorstandsbeschluss. Die Öffentlichkeit wurde noch vor der SPD-Kreistagsfraktion informiert, obwohl diese auch noch am gleichen Tag im Anschluss eingeladen war. Kein Ortsverein wurde eingeweiht, geschweige denn gefragt.

So kann man in einer modernen Partei und auch nicht mit mündigen Mitgliedern umgehen, deren Motivation und ehrenamtlicher Einsatz als Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Wahlkampf gefordert sind. Gleichermaßen geheimnisvoll ist das Verhalten um die wahren Gründe für den Rückzug des gekürten Kandidaten Richter-Plettenberg. Ortsvereine und Mitglieder haben sich für den Kandidaten eingesetzt, die Auswahl wurde hervorgehoben. Wer übernimmt nun die Verantwortung, Richter-Plettenberg, die Parteispitze oder beide? Führungsverhalten und Transparenz sieht anders aus. Wir distanzieren uns von dem Vorgehen und dem intransparenten Verfahren der Parteispitze im Kreis, das einzig und allein darauf gerichtet scheint, den aussichtsreichsten SPD-Bewerber für den Landrat zu verhindern. Es wird auch deutlich, dass das Bestreben, zu gewinnen und die Führung des Landkreises zu übernehmen, persönlichen Kriterien untergeordnet wird.

Die SPD Ebsdorfergrund wird sich am Landrats-Wahlkampf nicht beteiligen. Das Wahlergebnis hat sich die Kreis-SPD-Spitze zuzuschreiben. Nach den Wahlen werden wir eine Diskussion um die Neubesetzung von Führungspositionen in unserer Partei auf Kreisebene eröffnen. Bitte wertet ein prozentual gutes Ergebnis nicht als große Zustimmung, rechnetlieber alle fernbleibenden Delegierten als Neinstimmen. Wir werden angesichts der Vorgänge in der SPD unsere örtliche SPD noch mehr als GRUNDPartei fortentwickeln, die den Erfolg und das Gemeinwohl der Gemeinde im Besonderen im Auge hat.

Rudi Claar, Vorsitzender SPD-Gemeindeverband Ebsdorfergrund, Klaus-Dieter Thiemann, SPD-Ortsverein Ebsdorfergrund, Walter Kaiser, SPD-Ortsverein Ebsdorf, Manfred Becker, SPD-Ortsverein Hachborn, Tobias Kaletsch, SPD-Ortsverein Wittelsberg/Rauischholzhausen

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