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Die Ersten werden die Letzten sein

Oldtimer-Festival Die Ersten werden die Letzten sein

Am Freitag und Samstag blitzte das Chrom auf dem Werk-II-Gelände in Dreihausen, die schmucken Oldtimer glänzten im Sonnenlicht. Am Sonntag wurden die guten Stücke bei Dauerregen ordentlich nass.

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Reisten mit ihrem Opel Aero aus Kirchhain an – und blieben trotz Regens fünf Tage lang: Marianne und Bernd Klingelhöfer.

Quelle: Carina Becker

Dreihausen. „Macht nix, der hält das aus“, sagt Bernd Klingelhöfer aus Kirchhain und streichelt liebevoll über die Motorhaube seines regennassen Opel Kadett Aero. „Mein Heiligtum“, sagt er und lacht selig. Der Opel ist ein seltenes Stück aus einer Baureihe mit herausnehmbaren Dachelementen. „Davon wurden nur 1300 Stück gebaut“, erzählt der 64-jährige Ruheständler voller Stolz und berichtet, dass der Wagen, der aus dem Jahr 1978 stammt, erst in Spanien lief, bis er ihn 2004 in Gernsheim kaufte. „Ist noch alles original“, freut er sich beim Anblick seines schlüpferblauen und sehr gut erhaltenen Autos, „in Spanien stand er auch immer nur in der Garage.“

Alte und ganz alte Schmuckstücke – auf Hochglanz poliert und auch mal mit einer besonderen Kühlerfigur – ließen die Herzen von Oldtimer-Liebhabern am Wochenende in Dreihausen höher schlagen (Fotos von oben im Uhrzeigersinn). Reisten mit ihrem Opel Aero aus Kirchhain an – und blieben trotz Regens fünf Tage lang: Marianne und Bernd Klingelhöfer. Fachsimpeln unterm Regenschirm – so sieht echte Autoliebe aus. Vor allem am Samstag waren bei strahlendem Sonnenschein viele jahrzehntealte Schmuckstücke auf dem Werk-II-Gelände zu sehen.

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Nun muss der Opel Aero ordentlich Feuchtigkeit aushalten. Am Sonntagmorgen und teils auch schon in der Nacht setzt über dem Werk-II-Gelände in Dreihausen andauernder Regen ein - da müssen die Old­timer-Fans, die bleiben wollen, nun durch. Nicht alle halten das aus, von Dreihausen kommend sind am Sonntagvormittag einige schicke alte Wagen wieder auf dem Weg nach Hause.

Doch Bernd Klingelhöfer und seine Frau Marianne, die bleiben, „noch bis morgen“, sagt die 65-Jährige, „wir sind das gewohnt und wir haben ja auch unseren Campingwagen dabei.“ Sie zeigt vom Ausstellungsgelände auf die danebengelegene Wiese, wo übers Wochenende rund 25 Camper mit Wohnwagen oder auch Zelten ihr Quartier fürs Festival aufgebaut haben.

Stimmung trotz Regenwetter "toll"

Die Klingelhöfers waren am Donnerstag auf dem Festival-Gelände in Dreihausen die Ersten, und heute, am Montag, werden sie die Letzten sein, die abfahren - so gut gefällt es ihnen. „Regenwetter ist Regenwetter“, sagt Bernd Klingelhöfer und schmunzelt, „aber die Stimmung, das Ambiente und das Publikum hier sind trotzdem toll.“

So sehen das auch die Besucher, die am Sonntag zu Dutzenden mit dem Schirm zwischen den verbliebenen Oldtimern umherwandern oder an geöffneten Motorhauben stehen und fachsimpeln. „Über die Tage verteilt waren bestimmt so zwischen 600 und 700 Autos hier“, sagt Jörg Vaupel, Vorsitzender der Vereinsgemeinschaft Dreihausen, die das Festival zum nunmehr vierten Male organisiert. „So genau zählen können wir das aber nicht, denn hier gibt es keine Dauerausstellung über die drei Tage - die Oldtimer-Besitzer kommen und fahren zwischendurch auch wieder weg, beispielsweise, um einem Interessenten ihr Auto auf der Straße vorzuführen.“

Dass Besucher und Teilnehmer an dem Wochenende zu Hunderten kommen und auch gern verweilen, ist kein Wunder. Die Vereinsgemeinschaft legt sich ordentlich ins Zeug, um die Menschen auf dem Festival-Gelände zu umsorgen. Am Sonntagmorgen kommen allein schon die Dreihäuser Bürger in Scharen, das kleine Festzelt ist fast vollbesetzt. „Dass es beim Oldtimer-Fest immer ein gutes Frühstück gibt, das hat sich rumgesprochen“, sagt Heike Claar von der Damen­gymnastikgruppe Dreihausen und lacht.

Kaffeedurst der Besucher ist groß

Sie ist schon seit 7.30 Uhr im Festzelt damit beschäftigt, die Leute zu verköstigen. „Als ich kam, hab’ ich gleich Kaffee gekocht - in 20 Minuten waren dann 120 Tassen weg, die Camper haben schon darauf gewartet“, erzählt sie und schmunzelt. Und der Kaffeedurst bleibt groß: Bis mittags haben die Helfer fast 1100 Tassen gekocht. Dazu gibt’s deftige Wurst und frisches Dreihäuser Bauernbrot. „Nachmittags geht es nahtlos weiter mit Kaffee und Kuchen“, berichtet Heidrun Wurdinger, die ebenfalls am Tresen hilft.

Die Organisatoren des Festivals haben indes noch das eine oder andere zu tun. Nachmittags sollen die schönsten Autos ausgewählt werden - und es gilt, einen Gewinner auszulosen. Schließlich bleibt der Hauptpreis der Festival-Verlosung in Dreihausen. Reiner Koch bekommt den voll fahrtüchtigen und frisch lackierten Trabi von 1982. „Den haben wir hier in der Gemeinde jemandem abgekauft“, berichtet Lars Debelius vom Organisations-Team über das Auto und erzählt, dass das hellblaue DDR-Kult-Objekt vom Autohaus Schmidt in Schweinsberg kostenlos aufgearbeitet wurde. „Nur das Material haben wir bezahlt“, sagt Debelius und freut sich über diese Unterstützung. Das trifft auch auf den Hauptgewinn fürs nächste Jahr zu, ein Opel C-Kadett, der beim Festival schon bewundert werden kann.

Überhaupt, es gibt dort so viele schöne Modelle zu sehen, die an alte Zeiten erinnern, einen Jaguar beispielsweise. Oder einen solchen Lotus wie der, mit dem James Bond in dem Film „Der Spion, der mich liebte“ unter Wasser ging. Einen Dolorean, berühmt durch den Film „Zurück in die Zukunft“. Und einen VW-Bus T1 Samba, der nicht nur Hippie-Herzen höher schlagen lässt. „Viele von ihnen waren schon mehrfach hier und kommen immer wieder“, freut sich Jörg Vaupel über den Stellenwert, den das Dreihäuser Old- und Youngtimer-Festival inzwischen in Mittelhessen einnimmt.

von Carina Becker

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