Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
"Der neue Besen kehrt nicht alles raus"

Gesamtschule Ebsdorfer Grund "Der neue Besen kehrt nicht alles raus"

Mirko Meyerding unterrichtet seit 15 Jahren an der Gesamtschule Ebsdorfer Grund, nun ist er der neue Schulleiter. Gemeinsam mit seinem Team möchte er die GSE behutsam weiterentwickeln in Richtung Ganztagsschule.

Voriger Artikel
Sängerbund plant ein großes Chorfestival
Nächster Artikel
Junge Züchter präsentieren ihr Federvieh

Mirko Meyerding setzt sich seit 15 Jahren für die „Starke Schule“, die Gesamtschule Ebsdorfer Grund, ein. Nun ist er der neue Schulleiter und möchte den eingeschlagenen Weg mit Lehrern, Schülern und Eltern weiterentwickeln. Foto: Patricia Grähling

Quelle: Patricia Graehling

Heskem. Generationen von Schülern und Lehrern kennen Mirko Meyerding. Der 51-Jährige gehört seit 2001 zum Lehrerteam an der GSE. Im neuen Schuljahr hat er nun die Nachfolge des ehemaligen Schulleiters Lothar Potthoff übernommen. Dessen Posten blieb ein Jahr vakant. „Wir haben uns in einem Schulleitungsteam organisiert und die Arbeit unter uns aufgeteilt“, erklärt Meyerding. „Wir arbeiten auch weiterhin im Team. Für mich ist das wichtig, sonst hätte ich mich gar nicht auf diese Stelle beworben.“

Lehrer wollte Meyerding erst gar nicht werden, machte zunächst eine Ausbildung. Seine berufliche Neuorientierung bereut er nicht: „Es ist toll, diese jungen Menschen zu begleiten in einer Phase, in der sich alles verändert. Sie kommen als Kinder zu uns und verlassen uns als junge Erwachsene.“

Der Gymnasiallehrer hat bereits viele Erfahrungen in Leitungsfunktionen gesammelt. Damals kam Meyerding als Lehrer für Haupt- und Realschule an die GSE - direkt im Anschluss an sein Referendariat am Gymnasium Philippinum in Marburg. Bereits 2005 wurde der 51-Jährige Hauptschulzweigleiter, übernahm später auch die Leitung des Gymnasialzweigs und die Koordination mit den Verbundsschulen. „In den letzten Jahren war der Bereich Schulentwicklung mein Schwerpunkt“, erklärt Meyerding. Auch als Schulleiter werde er weiterhin die Schulentwicklungsgruppe leiten, sich in dem Bereich stark einbringen. Zuletzt habe diese Gruppe einen Verhaltenskodex entwickelt. Knapp zwei Jahre lang arbeiteten Eltern, Lehrer und Schüler daran. Nun hängt im Lehrerzimmer der Kodex für das Kollegium, in dem es heißt: „Ich achte auf eine transparente Bewertung“. Wie soll das gemacht werden? Etwa durch Begründung der Noten, durch Bewertungsbögen bei der Korrektur von Klassenarbeiten. „Wichtig ist nicht, dass wir den Kodex aufschreiben, sondern dass wir ihn leben und immer wieder drüber sprechen“, betont Meyerding. Das gute Klima an der Schule und im Kollegium sei schließlich kein Selbstläufer.

Alles verändern möchte Meyerding also nicht. „Hier kommt ja nicht der neue Besen und kehrt alles Alte raus“, betont er. Schließlich sei er ja auch schon viele Jahre an dem Weg beteiligt, den die GSE eingeschlagen hat. „Das wollen wir behutsam weiterentwickeln“, erklärt er.

Die Kooperative Gesamtschule in Heskem steht laut Meyerding auf drei Säulen: Soziales Lernen, ganztägig arbeitende Schule und Anschlussorientierung. Gerade im Bereich der Ganztagsschule solle nun noch einiges getan werden. „Wir wollen die Zeit, die Schüler in der Schule verbringen, behutsam verlängern.“

Förderschüler machen freiwillig mehr Unterricht

Dabei solle die GSE nicht sofort eine Ganztagsschule werden, sondern dahin wachsen. „Wir würden erst mal ab der Klasse7 einen zweiten Nachmittag Unterricht dazu nehmen.“ Die Zeit solle nicht für zusätzlichen Unterricht genutzt werden, sondern für zusätzliche Angebote - etwa Lernzeiten. „Die Schülervertretung hat signalisiert, dass die Schüler bereit sind, mehr Zeit in der Schule zu verbringen - wenn dann alles abgearbeitet ist, wenn sie nach Hause kommen.“ So mache die Förderstufe jede Woche eine Stunde mehr Unterricht in den Hauptfächern - und bekommt als Gegenleistung keine schriftlichen Hausaufgaben.

Derzeit haben die 5. bis 7. Klassen einen Mittag in der Woche, an dem sie verschiedene Angebote wahrnehmen können, etwa Töpfern, Schwimmen oder Kuchen backen. „Danach können sie entspannt in den Nachmittagsunterricht starten“, erklärt Meyerding. Zugleich bekämen die Schüler eine Förderung in Bereichen außerhalb des Unterrichts, könnten Fertigkeiten entwickeln, einen organisierten Tagesablauf haben. „Das ist besonders wichtig für Schüler, die keinen stabilen Familienhintergrund haben.“

Ein Ziel für Meyerding ist dabei die Verbesserung der Schulverpflegung. „Wenn die Kinder länger hier sind, brauchen sie ein vernünftiges Essen“, betont er. Zudem sei die Cafeteria zu klein für die derzeit 850 Schüler und rund 80 Lehrer. „Wir arbeiten daran, einen Neubau oder Anbau zu bekommen. Eine Mensa-AG erarbeitet derzeit Konzepte.“

Zur Person:

Mirko Meyerding wurde 1965 in Wolfsburg geboren. In Ingolstadt besuchte er das Gymnasium, beendete die Schule jedoch nach der 10. Klasse mit dem Hauptschulabschluss. Durch Prüfungen in den Ferien holte er die mittlere Reife nach und machte dann eine Ausbildung zum Restaurantfachmann. Anschließend arbeitete er viereinhalb Jahre bei einem Autobauer. 1989 machte Meyerding am Hessenkolleg in Wetzlar das Abitur nach, begann anschließend das Lehramtsstudium in den Fächern Deutsch und Geschichte in Marburg. Am Hessenkolleg lernte Meyerding seine Frau kennen, mit der er während des Studiums zwei Kinder bekam. Zusätzlich arbeitete er im Jugendzentrum Richtsberg und leitete den Bereich Hauptschulabschluss für Erwachsene an der Vhs.

von Patricia Grähling

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Südkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr