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"Der Zusammenhalt ist klasse"

Das wäre mal Eine "Der Zusammenhalt ist klasse"

Die Begeisterung für Manga, Anime oder Videospiele hört nicht abseits des Bildschirms auf – eine Form, sie auszuleben, ist das sogenannte Cosplay. Alisa Matz haucht den bunten Figuren dabei in der Realität Leben ein.

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Alisa Matz hat viele Gesichter: Hier hat sie sich als Sabo aus "One Piece" verkleidet.

Quelle: Ina Tannert

Dreihausen. Im schwarzen Mantel, mit Weste und Halstuch steht „Sabo“ selbstbewusst da – die eine Hand keck an den übergroßen Zylinder gelegt, unter dem sich blonde Haarsträhnen hervorstehlen, in der Hand ein langes Stahlrohr. So sieht sie aus, die Figur aus der Anime-Serie „One Piece“, die Cosplayerin Alisa Matz die Liebste ist.

Rund zehn Figuren hat die 22-Jährige aus Dreihausen auf Lager, zahlreiche knallig bunte Kostüme hängen in ihrem Kleiderschrank, viele hat sie selber zusammengestellt. „Mir macht es Spaß, in andere Rollen zu schlüpfen, in andere Welten abzutauchen“, erzählt Alisa begeistert.

Seit ihrer Kindheit interessiert sie sich für die quirligen Comic-Figuren aus Asien und den japanischen Verkleidungstrend – heute nach Abschluss ihrer Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation kann sie sich ihre Leidenschaft auch leisten: „Ich bin schon mit Pokemon und Sailor Moon aufgewachsen, jetzt kümmere ich mich um mein Hobby“.

In der Cosplay-Szene wird man schnell aufgenommen

Dabei ist sie bei Weitem nicht alleine, die Fangemeinde rund um die bunten Figuren aus diversen Animationsfilmen, Comics und Videospielen besteht seit Jahren. Neben Fanfiction, dem Nachzeichnen der Figuren, ist Cosplay ein Phänomen des weltweiten Manga-Hypes. Der japanische Verkleidungstrend ist unlängst in Europa angekommen und begeistert bis heute vor allem die junge Generation. Schon die erste Zusammenkunft, eine sogenannte Convention weckte Begeisterung für die bunte Szene bei Matz. „Der Zusammenhalt ist klasse, sehr familiär und du wirst sofort aufgenommen“, lobt sie.

Im heimischen Landkreis gibt es nur eine Handvoll Gleichgesinnte, schätzt Alisa. Andere Fans und Cosplayer, vom Kind bis zum Senioren, trifft sie auf den regelmäßig stattfindenden Themenmessen, auf denen sich die geballte Fangemeinde von nah und fern versammelt. „Es ist einfach so eine lockere Atmosphäre – du kannst zu jedem einfach hingehen und sagen: du siehst geil aus“, erzählt sie und lacht. Zuletzt war sie auf der Mangamesse „Connichi“ in Kassel – natürlich in der Person ihres Lieblings „Sabo“. Auf dem Weg zum Marburger Bahnhof zog sie, bereits im stilechten Dress samt großem Zylinder, sämtliche Blicke der Passanten auf sich. Ein wenig mulmig war ihr dabei schon noch, ihrem Hobby steht dies nicht im Weg – ein wenig aufzufallen, aus der Menge hervorzustechen gehört einfach dazu. „Manche Leute finden es schräg, viele dagegen einfach interessant“, sagt sie.

Für ihr Hobby opfert sie einiges an Freizeit, stellt regelmäßig neue Outfits zusammen, bastelt oder näht Kostüme und verbringt Stunden mit der Vorbereitung, kümmert sich um die korrekte Schminke, Perücke und Accessoires. Für ihre bisher aufwendigste Arbeit brauchte sie alleine für das Make-up drei Stunden: sie verwandelte sich für die letzte Games Conven­tion in einen weiblichen Darth Vader, den Bösewicht aus Star Wars. Dessen verbranntes, zerfurchtes Gesicht stellte sie mit einer aufwendigen, täuschend echten Latex-Maske dar, „es kam super an“, berichtet sie stolz.

Junge Frau stören verbreitete Klischees und "Atombusen"

Generell stellt die selbstbewusste junge Frau gerne männliche Figuren der Szene dar. Aus einem ganz einfachen Grund: „Ich mag keine Klischees und auch keine Atombusen“, erklärt sie mit einem Augenzwinkern. Ihrer Meinung nach sind die weiblichen Helden der Animationsfilme zum Teil immer noch mit Klischees belastet, auf die weiblichen Körpermerkmale reduziert, die indes häufig übertrieben dargestellt werden. Daneben ist der Aufwand, einen Mann überzeugend spielen zu können, noch größer und eine Herausforderung, „das macht mir noch mehr Spaß“. So mancher hielt sie bereits für einen männlichen Messebesucher – ein Erfolg für ein gut gestaltetes Kostüm.

Für eine gute Show kommt sie dabei nicht nur optisch der Figur aus Comics, Spielen und Filmen so nahe wie möglich, sondern taucht auch in deren Persönlichkeit und Rolle ein. So beschreibt Alisa etwa die leuchtend bunte Heldin und Roboter- oder sogenannte Mech-Pilotin „D.va“ aus dem Spiel „Overwatch“ als „kleine, freche Göre“. Entsprechend spielt sie das Vorbild im Dialog mit anderen Cosplayern oder beim Fotoshooting, was ihr so richtig Spaß macht. Auf sie persönlich trifft dieser Charakterzug nicht zu, gehört zum Spiel jedoch dazu, „es geht auch um das Posen, man muss seine Figur gut kennen“.

Ihre Begeisterung für Fantasy, Science Fiction und Konsolenspiele teilt sie mit ihrem Freund Philipp, mit dem die gebürtige Marburgerin seit kurzem in Dreihausen lebt. Ihre gemeinsame Wohnung richtet sich das Paar natürlich mit Fan-Utensilien ein: Neben einem Darth-Vader-Helm reihen sich Figuren ihrer liebsten Mangas aneinander, die meisten davon kann Alisa selbst darstellen. Ausufern soll ihr Hobby dabei nicht, ein wenig als Cosplayerin bekannter zu werden, würde sie dennoch freuen. Ihr Traum wäre es, für offizielle Events gebucht zu werden und durch die Welt zu reisen. „Ich freue mich immer über positives Feedback“, erzählt sie. Dafür arbeitet sie weiter an ihrem Auftritt, will demnächst ihre Nähkünste verbessern, um noch lebensechtere Outfits zu kreieren.

Zu den überall auf der Welt verteilten Cosplayern hält sie via Internet Kontakt. Dort teilen die Fans ihre besten Auftritte, Kostüme und Posen, halten alles auf Fotos und Videos fest. Als „Akita Cosplay“ hat auch Alisa
eine kleine Fanpage in den sozialen Netzwerken und mittlerweile mehrere hundert Follower gewonnen. „Die Szene wächst, wird immer intensiver – Cosplay ist einfach eine moderne Kunstform“, schwärmt Alisa Matz.

von Ina Tannert

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