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Der TÜV-Prüfer der Feuerwehr

Das wäre mal einer Der TÜV-Prüfer der Feuerwehr

Feuerlöscher, Ausrüstung, Gerätschaften - über das Equipment der Feuerwehr Niederwalgern wacht ­Gerätewart Joachim Deichmann mit Argusaugen. Er hält Technik wie Ehrenamt gleichermaßen in Schuss.

Niederwalgern. Seine Leidenschaft für alles Technische brachte den 51 Jahre alten Brandschutztechniker nicht nur zu seinem Wunschberuf, sondern, als Mann vom Fach, auch als Gerätewart zur Feuerwehr. Er ist „der Mann, der repariert, umbaut und prüft“, beschreibt Joachim Deichmann sein Aufgabengebiet. Über alles was mit Technik zu tun hat, hält der 51-Jährige eine schützende Hand und die Ausrüstung der Truppe in Schuss. Darüber hinaus ist er Mitglied der Einsatzabteilung, lässt im Notfall „alles stehen und liegen“, der Dienst bei der freiwilligen Feuerwehr gehört fest zu seinem Leben.

Der gebürtige Saarländer stammt aus einer Feuerwehrfamilie, ist seit seiner Jugend aktives Mitglied im ehrenamtlichen Brandschutz. Auch nach einem Umzug nach Niederwalgern vor 13 Jahren trat er umgehend der örtlichen Feuerwehr bei, wurde „herzlich aufgenommen“, erzählt er. Schon in seinem Geburtsort Blickweiler wurde er schnell zum Gerätewart, übernahm auch in der neuen Wehr wieder sein liebstes Amt, ein echter Gewinn für die Truppe. Er hat nicht nur das technische Know-how, sondern auch den Lkw-Führerschein, fährt daher in der Regel den Einsatzwagen.

„Jeder hilft einfach jedem, auch im Alltag“

Sein Beruf kam ihm dabei immer zugute. Als gelernte Karosseriebauer mit Schwerpunkt auf Fahrzeugunfallreparatur kennt er sich mit dem Aufbau von Fahrzeugen aus, weiß schon von Berufs wegen wo man im Notfall die Hydraulikschere anzusetzen hat, um eingeklemmte Personen sicher aus verunglückten Wagen herauszuschneiden.

In die Gemeinde Weimar zog es den gebürtigen Saarländer der Liebe wegen. Dort lebt er mit Ehefrau Monika und den beiden Töchtern. Seine Älteste, Tochter Benita, trat unlängst in die Fußstapfen des Vaters und ist in der Jugendabteilung aktiv, erzählt der Papa stolz. Schwester Anika darf mit sieben Jahren zwar noch nicht eintreten, „läuft aber schon jetzt gerne mit“.

Die Feuerwehrarbeit gehört fest zum Familienalltag, Deichmann fasziniert dabei vor allem „die Technik, die Kameradschaft, und dass man in Not geratene Menschen helfen kann“. Ein starker Zusammenhalt unter den Kameraden ist ihm wichtig, „jeder hilft einfach jedem, auch im Alltag“, lobt er. Gerade auf dem Land hat der ehrenamtliche Einsatz der Bewohner eine große Bedeutung für den flächendeckenden Brandschutz wie für das dörfliche Gemeinschaftsleben: „Die Feuerwehr ist wichtig und wird überall mit ins Boot geholt.“

Dass er die Pflege und Wartung der Ausrüstung übernimmt ist für ihn Ehrensache, begeistert ihn alles Technische doch schon seit seiner Kindheit. Bereits als kleines Kind schraubte er mit dem Vater an alten Autos herum, und das „seit ich laufen kann“. Vom Vater übernahm er das technische Verständnis und auch gleich noch den Beruf.

Der Autofan machte sich als Brandschutztechniker selbstständig, kümmert sich um Wartung und Instandsetzung von Wandhydranten und Feuerlöschern im ganzen Landkreis. Die werden alle zwei Jahre gewartet, komplett auseinandergebaut und überprüft. „Die Arbeit wird nie langweilig, man kommt mit so vielen Leuten in Kontakt“, erzählt er. Dabei gehen Beruf und Hobby häufig „nahtlos ineinander über“. Auch das Equipment der Wehr hält er in Schuss, reinigt und checkt die technische Ausrüstung, repariert entweder selber Kleinigkeiten oder bringt wichtige Geräte zum Profi. Wer nicht ordentlich mit seinen ihm anvertrauten Schätzen umgeht, bekommt auch mal was zu hören: „Dann kommt schon mal ein Donnerwetter, aber das wissen die Kollegen“, sagt er mit einem Schmunzeln.

Familie hält Deichmann stets den Rücken frei

Ohne sein Prüfsiegel geht eben nichts, er ist der TÜV der Feuerwehr - „ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, freut sich Deichmann. Jede Woche fährt er die Jugend zu Übungen, Aktionen oder Wettkämpfen, kutschiert den Feuerwehrnachwuchs gerne durch das Land. Mit rund 30 aktiven Einsatzkräften und 25 Jugendlichen ist die Wehr gut aufgestellt - keine Selbstverständlichkeit im Feuerwehrwesen. „Uns geht es gut, eine tolle Truppe“, lobt der Gerätewart.

Für diese opfert er einiges an Freizeit; ihn auch am Wochenende im Feuerwehrhaus anzutreffen ist nicht ungewöhnlich. Da braucht es eine wohlgesinnte Familie, „die das mitmacht, sonst geht es nicht“, weiß der 51-Jährige und lobt seine Ehefrau, die ihm stets „den Rücken freihält“. Sie weiß: Das Ehrenamt ihres Mannes ist Bestandteil in seinem Leben, „Verantwortung für und über andere zu übernehmen und Hilfe zu leisten ist einfach wichtig“, sagt Deichmann.

Sein Ehrenamt als Gerätewart und den aktiven Dienst in der Einsatzabteilung will er noch so einige Jahre weiterführen, „so lange es eben geht“, sagt der 51-Jährige. In etwa zehn Jahren wird er wohl spätestens aus dem aktiven Dienst ausscheiden müssen, sein technisches Wissen aber noch solange wie möglich zur Verfügung stellen.

von Ina Tannert

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