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Der Herr der Bienenköniginnen

OP-Jubiläumsserie: Das wäre mal einer Der Herr der Bienenköniginnen

Rudolf Zander hegt eine Leidenschaft für Bienen. 20 Völker nennt er sein Eigen. Er erntet jedoch nicht nur Honig, sondern hat sich auch der Zucht von Bienenköniginnen verschrieben.

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Dieser Bär aus Holz markiert eine Stelle, an der Rudolf Zander einige seiner Bienenvölker hat.Foto: Patricia Grähling

Quelle: Patricia Graehling

Oberweimar. Frischer Honig kommt bei Rudolf Zander regelmäßig auf den Tisch. Am liebsten genießt er Blütenhonig von der ersten Ernte im Frühjahr. Und das Besondere ist: Rudolf Zander weiß genau, wo seine schmackhafte Nascherei herkommt, denn er erntet sie selbst.

Der 65-Jährige ist vor knapp 30 Jahren zur Bienenzucht gekommen. „Ich habe damals mit drei Völkern angefangen“, erzählt er. Hilfe gab es von seinem Imker-Paten - einem erfahrenen Imker, dem er über die Schulter schauen und dem er Fragen stellen durfte. Heute hat Zander 20 Bienenvölker an zwei Standorten und selbst jede Menge Wissen angesammelt.

„Ich finde das Verhalten der Bienenvölker interessant“, erklärt Zander seine Faszination. Er lerne viel von seinen ungewöhnlichen „Haustieren“ und sei fasziniert davon, wie die Bienen mit den Jahreszeiten leben.

„Es ist erstaunlich, wie sich ein Bienenvolk im Frühjahr sprunghaft entwickelt“, erklärt der Imker. So kommen etwa 8000 bis 10000 Bienen über den Winter - im Frühjahr bestehe ein Volk dann sehr schnell aus bis zu 40000 Bienen. Die Arbeiterbiene lebt laut Zander dann bis zu 45 Tage, die Winterbienen werden rund sechs Monate alt und bilden den Grundstock für die neue Generation.

„Das spannende ist, dass das Bienenjahr ganz anders läuft als unser Kalenderjahr“, erklärt der Oberweimarer. So habe ein Bienenvolk zur Sommersonnenwende am 21. Juni die größte Population. Danach würden die Bienen langsam weniger. „Und Ende Dezember, mitten in der dunklen Jahreszeit zur Wintersonnenwende, beginnen die Bienen wieder, sich zu vermehren.“

„Wir wollen ja nicht ständig gestochen werden“

Für einen Imker hat Zander sehr viele Völker. Das liege daran, dass er auch Königinnen züchtet. Die züchtet er gezielt, verkauft sie teilweise oder gibt deren Zuchtstoff weiter. Wichtig für die Auswahl guter Königinnen sei etwa ein einheitlich aussehendes Brutnest, eine gute Ertragsstärke des Volkes und eine gewisse Sanftmut der Bienenkönigin. „Gerade die Sanftmut ist heute sehr wichtig“, sagt Zander. Die Bienen sollen nicht sofort verteidigungsbereit auf Menschen in einiger Entfernung losgehen. „Und wir Imker wollen auch nicht ständig gestochen werden.“

Im Prinzip werden Bienenköniginnen laut Zander nicht anders gezüchtet, als etwa Hunde oder Kühe: Sie werden nach bestimmten Merkmalen ausgewählt, es gibt sogar eine Körung und ein zentrales Zuchtverzeichnis.

Die Zucht erfordert laut dem 65-Jährigen besonders viel Arbeit und Aufmerksamkeit. „Das macht für mich aber den Reiz an der Imkerei aus.“ Während ein Imker, der nur Honig erntet, im Frühjahr etwa alle sieben Tage seine Völker kontrollieren sollte, fährt er deutlich öfter zu seinen Bienen bei Oberweimar und Marburg. „Ich kontrolliere dann den Zustand der Völker“, erklärt er. Eventuelle Krankheiten müssten möglichst früh erkannt werden, aber auch eine Schwarmneigung. Schwarmneigung bedeutet, dass sich ein Teil eines Bienenvolkes mit einer Königin zu einem Schwarm zusammentut und ein neues Volk bilden will. „Das kann man unterbinden, indem man einem Volk entweder mehr Raum gibt oder einen Ableger bildet.“

Honigernte ist laut Zander zwei bis drei Mal im Jahr: Den ersten Honig sammle er Ende Mai. Das ist der Blütenhonig, seine liebste Sorte. „Weil sie sehr mild ist. Die späteren Sorten werden geschmacklich immer intensiver.“ Im Schnitt produziere ein Bienenvolk 30 bis 40 Kilo Honig im Jahr.

Sein Wissen gibt Zander auch an andere Imker weiter: Er ist Vorsitzender des Marburger Imkereivereins. Für die rund 180 Mitglieder organisiert er mit seinen Vorstandskollegen im weniger arbeitsintensiven Herbst und Winter regelmäßige Stammtische. „Dort tauschen wir uns aus, hören Vorträge und bilden uns weiter“, sagt der 65-Jährige. Gemeinsam mit Jörg Klug, Wolfgang Senz und Sven Hoffmann gibt er zudem einen Imker-Kurs an der Volkshochschule. „Wir führen Interessenten an das Thema heran. Viele von ihnen werden danach tatsächlich selbst Imker“, sagt Zander stolz. So könne der Verein den starken Rückgang der Imker ein wenig aufhalten. „Grundsätzlich kann jeder Imker werden“, sagt Zander. Allerdings sollte man nicht allergisch auf Bienenstiche reagieren, denn die gebe es öfter mal.

Kennen auch Sie jemanden, der noch nie in der OP vorgestellt wurde, von dem Sie aber sagen: „Das wäre mal eine(r)“? Dann schreiben Sie uns an 150@op-marburg.de.

von Patricia Grähling

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