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Das erste Stromnetz ist verkauft

Ebsdorfergrund Das erste Stromnetz ist verkauft

Seit drei Jahren steht fest, dass im „Grund“ das Stromverteilnetz wieder in kommunale Hand soll. Nach langen Verhandlungen wurde die erste Netzübernahme am Dienstagnachmittag besiegelt.

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Alexander Schurz (Prokurist Stadtwerke Marburg, von links), Stadtwerke-Geschäftsführer Rainer Kühne, Elisabeth Newton (Erste Beigeordnete Ebsdorfergrund), Bürgermeister Andreas Schulz und Grund-Netz-Geschäftsführer Ulrich Ley halten das gekaufte Stromverteilnetz der Gemeinde symbolisch in Händen.

Quelle: Martina Becker

Dreihausen. „Es war es wert, den Kauf unter Dach und Fach zu bekommen“, sagte Stadtwerke-Geschäftsführer Rainer Kühne zum Abschluss des Besiegelungstermins. Ende Juni hatten die Gemeindevertreter das gemeinsame Geschäft mit den Stadtwerken Marburg offiziell abgesegnet. Dieses umfasst den Kauf von 122 Kilometern Stromverteilnetz plus 80 Kilometer Straßenbeleuchtungskabel, 21 Schaltstationen sowie 40 Transformationsstationen. Als Preis wurde im Gemeindeparlament 2,82 Millionen Euro zuzüglich 240000 Euro für das Straßenbeleuchtungsnetz genannt (die OP berichtete).

Mit dem Geschäft sind die Eigentumsrechte von der Energie Netz Mitte GmbH, ehemals Eon Mitte AG, auf die GrundNetz GmbH übergegangen. Diese Netzgesellschaft wurde von den Stadtwerken Marburg und der Gemeinde Ebsdorfergrund eigens für diesen Zweck gegründet. Unter ihrem Dach wird zukünftig alles entschieden, was die Stromversorgung der zum Kauf gehörenden 2950 Hausanschlüsse anbelangt.

„Nach Wasser, Kanal und Müll ist jetzt auch der Strom in gemeindlicher Hand“, freute sich Bürgermeister Andreas Schulz. Er habe zwar summenmäßig schon höhere Verträge unterzeichnet, aber der Kauf des Stromnetzes habe historische Bedeutung, berge hohe Verantwortung und sei keineswegs selbstverständlich, so der Verwaltungschef. Er fungiert in der gemeinsamen GmbH als Aufsichtsratsvorsitzender. Geschäftsführer sind Ulrich Ley, Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung sowie Rainer Kühne. Der Geschäftsführer der Stadtwerke bestätigte, dass die Neugründung eines kommunalen Versorgungsunternehmens in dieser Größenordnung nahezu einmalig in Deutschland sei.

Mit einer solch schnellen Umsetzung habe er selber nicht gerechnet. „Weder die technische noch die kaufmännische Umsetzung war gegeben“, so Kühne. Beide Vertragspartner hatten das Netz unabhängig voneinander geprüft und Gutachten erstellen lassen. „Am Ende steht ein faires Geschäft“, meinten Kühne und Schulz. Für den „Grund“ steht dieser Kauf als Meilenstein auf dem Weg zu einer energetisch autarken Gemeinde. Für die Stadtwerke sei es eine Fortführung des Geschäftsmodells, das eine breitere Aufstellung im Landkreis mit neuen Dienstleistungen und weiteren Marktanteilen anstrebe, so Kühne.

Mehr als 1000 Kunden

In Ebsdorfergrund versorgt das kommunale Unternehmen zurzeit 1045 Kunden. Dass es stetig mehr werden, erhoffe man sich, so Kühne. Ab dem 1. Januar 2015 werden die Stadtwerke Marburg Ansprechpartner für alle Netznutzer in der Gemeinde sein. Auch die Zähler gingen durch die Übernahme in den Besitz der Grund Netz GmbH und fallen jetzt in die Zuständigkeit des Marburger Versorgers. Zudem übernimmt dieser die Instandhaltung und Wartung der Straßenlampen. Diese Aufgabe wurde von der Gemeinde und die Zuständigkeit für das Stromverteilnetz von der Grund Netz an das Partnerunternehmen verpachtet.

„Früher waren wir Bittsteller bei der Eon Mitte, jetzt entscheiden wir selber über unseren Strom“, freute sich Schulz. Er betonte, dass die Stadtwerke Marburg und die Gemeinde Ebsdorfergrund mittlerweile ein gutes Team bildeten. Eine Zusammenarbeit gibt es bereits bei der Versorgung mit Nahwärme, Gas, Telefon, Breitband oder der Straßenbeleuchtung. Am Start ist auch schon das nächste Projekt, die Nahwärmeversorgung für den Ortsteil Dreihausen.

„Das erfolgreich vollzogene Geschäft, sprich die erste Stromnetzübernahme im Landkreis Marburg-Biedenkopf würden wir gerne als Blaupause für die Energie Marburg-Biedenkopf übertragen“, sagte Kühne. Dieser Netzgesellschaft gehören zehn weitere Kommunen des Landkreises Marburg-Biedenkopf an, die jüngst entsprechende Wegenutzungsverträge mit den Stadtwerken geschlossen haben. Sie setzten ebenfalls auf die Rekommunalisierung ihrer Stromnetze, um mit den Stadtwerken Marburg zusammenzuarbeiten. Ebsdorfergrund hat mit der Grund Netz GmbH einen eigenen Weg gewählt, weil es sein Stromverteilnetz aus eigener Tasche erwerben wollte.

von Martina Becker

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