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Das Land verspricht: „Wir zahlen alles“

Lahn-Renaturierung Das Land verspricht: „Wir zahlen alles“

Ein vom Land Hessen voll finanziertes Großprojekt zur Renaturierung der Lahn wurde den Fronhäuser Gemeindevertretern am Donnerstagabend vorgestellt.

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Die Gemeindevertreter aus Fronhausen beschäftigten sich am Donnerstagabend unter anderem mit einem Lahn-Renaturierungsprojekt.

Quelle: Ina Tannert

Fronhausen. Ein groß angelegtes Renaturierungsprojekt der Lahn im Schenkenwald beschäftigte die Mitglieder der Gemeindevertretung Fronhausen. Das Beste daran: die gesamte Finanzierung würde das Land Hessen übernehmen. Eine Abstimmung steht noch aus.

Ein Thema der Sitzung war die aktuelle Situation der Feuerwehren, über diese berichtete Gemeindebrandinspektor Eric Schnabel. Er kritisierte erneut die „geheime“ Vergabe des Brandschutzbedarfsplanes an eine externe Firma aus Bayern sowie die Tatsache, dass Bürgermeister Reinhold Weber anstelle des zuständigen Beigeordneten und Brandschutzdezernenten Lothar Mücke mit dem Unternehmen die Rahmenbedingungen für die Feuerwehr besprochen hatte.

Dieses Verhalten führe zu weiterem „unterschwelligem Misstrauen“ bei den Einsatzkräften über die Offenheit der Beteiligten, so Schnabel. Positiv äußerte er sich über die langsam voranschreitende Modernisierung des veralteten Equipments der Wehr, mehrere Neuanschaffungen seien mittlerweile auf den Weg gebracht worden. Er appellierte an die Anwesenden, den Investitionsstau bei den Feuerwehren weiterhin schrittweise abzubauen und vorausschauend im Sinne der Sicherheit der Gemeindebürger zu handeln.

Das vorhandene Personal „bei der Stange zu halten“ und ausreichend motivierte Nachwuchskräfte zu gewinnen, gelinge nur durch ehrliche Wertschätzung und uneingeschränkte politische Unterstützung der Gemeindevertretung, betonte Schnabel.

Daneben informierte das Regierungspräsidium (RP) Gießen die Anwesenden über ein Projekt zur Lahnrenaturierung im Schenkenwald.

Das Großprojekt unter der Trägerschaft der Gemeinde Fronhausen, sollte das Gremium zustimmen, beinhaltet umfangreiche bauliche Maßnahmen im Bereich der Lahnschleife bei Fronhausen mit dem Röthger Pfuhl der Gemeinde Weimar sowie dem Schenkenwäldchen und dem Bellnhäuser Altarm, erklärte Wasserwirtschaftler Dr. Herbert Diehl vom RP Gießen, Abteilung Umwelt. In diesen drei Bereichen, grob geschätzt eine Gesamtfläche von 60 Hektar, sollen umfangreiche Rückbaumaßnahmen der „menschlichen Eingriffe“ wie Ufersicherungen und eine Steigerung der natürlichen Dynamik des Gebietes erfolgen.

„Das Korsett der Lahn, das der Mensch dem Fluss anlegte“ soll entfernt, der ursprüngliche Verlauf und alte Arm wieder hergestellt werden, erklärte Diehl. Die gesamte Natur, der Wald und verschiedene Lebensraumtypen würden von dem geplanten „Hilfe zur Selbsthilfe“-Programm in hohem Maße profitieren. Das Projekt folgt den festgelegten Richtlinien der Bundesregierung zur Wasserrahmenrichtlinie sowie zu den Zielen der Natura2000-Richtlinie, so der Wasserwirtschafter. Aus diesem Grund könnte das Großprojekt komplett - sämtliche Planung sowie Grunderwerb und Baumaßnahmen - aus Mitteln des Landes Hessen über das RP finanziert werden. „Wir zahlen alles“, versprach auch Bauoberrätin Wiebke Büschel. Einzige Ausnahme sei eine von der Gemeinde finanzierte Amtsperson, die das Projekt begleitet. Die Projektkosten belaufen sich grob geschätzt auf zwei Millionen Euro, zusätzlich rund 270000 Euro für den Röthgers Pfuhl. Die Finanzierungszusage der Oberen Naturschutzbehörde des RP Gießen liege bereits vor.

Neben der positiven Auswirkung auf Ökologie und Wasserwirtschaft durch eine „Entwicklung naturnaher Strukturen“ leiste das Vorhaben einen hohen Beitrag zum Hochwasserschutz. Auch die noch ausstehenden Ausgleichsmaßnahmen der Gemeinde, die etwa durch die Ansiedlung der Firma Seidel 2001 entstanden, seien durch das Projekt ebenfalls abgedeckt, betonte Bürgermeister Weber. Es sei geradezu „ein Leuchtturmprojekt für die Region“.

Nun müssen beide Gemeinden über eine geplante Projektträgerschaft, federführend unter der Gemeinde Fronhausen, in Kooperation der Gemeinde Weimar abstimmen. Baustart könnte in etwa drei bis vier Jahren sein. Aufgrund der Kostenübernahme seitens des Landes wurde die Projektvorstellung überwiegend positiv aufgenommen. Bei der nächsten Sitzung im kommenden Monat soll über das Projekt beraten werden.

von Ina Tannert

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