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Das Hobby zum Beruf gemacht

Das wäre mal Einer Das Hobby zum Beruf gemacht

Marcell Büttner hat in der Feuerwehr nicht nur ein Hobby gefunden, sondern auch eine Berufung. Daher hat er seinen Job als Elektroniker an den Nagel gehängt und ist zur Berufsfeuerwehr nach Frankfurt gegangen.

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Marcell Büttner ist mit Leib und Seele Feuerwehrmann. Daher hat er sein Hobby zum Beruf gemacht.

Quelle: Patricia Grähling

Ebsdorf. Die Arbeit für die Feuerwehr und das Retten von Menschenleben haben das Leben von Marcell Büttner stark geprägt. Dabei begann seine Karriere bei der Freiwilligen Feuerwehr Ebsdorf recht spät: „Es gab keine Jugendfeuerwehr. Deswegen konnte ich also erst mit 18 Jahren beitreten – und dann ging es direkt in die Einsatzabteilung“, erzählt Büttner. Etwa 23 Jahre ist es nun her, dass er mit seiner kompletten Clique von zehn Leuten beigetreten ist. „Und es war eine tolle Zeit“, erinnert er sich. Die jungen Leute hätten sich gegenseitig motiviert und zu immer besseren Leistungen angetrieben. „Das war schon ein kleiner Wettkampf zwischen uns“, schmunzelt er heute.

Neben der ehrenamtlichen Ausbildung zum Feuerwehrmann machte Büttner eine handfeste Ausbildung zum Kommunikationselektroniker. Parallel dazu absolvierte er keinen Wehrdienst, sondern verpflichtete sich für den Katastrophenschutz in Marburg. „Damals war ich im GABC-Zug, der mittlerweile in Dreihausen stationiert ist“, erklärt der 41-Jährige. Er besuchte verschiedene Lehrgänge und übernahm dann mit Mitte 20 erste Führungsaufgaben.

„Im Job wollte ich mich auch weiterentwickeln“, erklärt Büttner. Deshalb habe er das Fach-Abi gemacht und ein Studium begonnen – bis er las, dass die Frankfurter Feuerwehr hauptamtliche Feuerwehrleute einstellt. „Mir macht die Feuerwehrarbeit so einen Spaß, dass ich mich beworben habe.“ Und Büttner war erfolgreich: 1997 startete er seine zweijährige Ausbildung bei der Berufsfeuerwehr und lernte alles rund um Atemschutz und Strahlenschutz und machte zugleich eine Ausbildung zum Rettungssanitäter. „Das ist ein Schwerpunkt der Feuerwehrarbeit in Großstädten“, erklärt Büttner. Deshalb sei er am Anfang seiner Karriere sehr oft Rettungswagen gefahren.

Berufsfeuerwehrmann ist in Ebsdorf "ein kleines Licht"

„Ich habe viel Leid gesehen“, erklärt er. Denn Büttner gehörte zu einem Trupp, der Menschen „an und unter Zügen“ befreit. „Meistens haben wir die Menschen nur noch tot bergen können“, sagt er. Umso freudiger erinnere er sich daran, dass sie einen Menschen retten konnten, der gestolpert und unter einen Zug geraten sei. „Sowas schafft man nur, wenn ein Team super zusammenarbeitet und man nicht viel sagen muss.“ Alle hätten die Lage sofort erfasst und schnell gehandelt – das bringe die Einsatzroutine in der Großstadt mit sich. „Auf dem Dorf sind zum Glück weniger Einsätze“, sagt er. Das bringe aber auch den Nachteil, dass weniger Routine da sei. „Deswegen sind die Feuerwehrübungen so wichtig.“

Heute ist Büttner in Frankfurt Feuerwehrbeamter, hat den Aufstieg in den gehobenen Dienst geschafft. Im Schichtdienst arbeitet er als Lagedienstleiter in der Leitstelle. „Wenn ich im Dienst bin, bin ich quasi Entscheidungsträger für Einsätze in der ganzen Stadt“, erklärt er. Büttner treffe bei vielen der 15 000 Feuerwehreinsätze in der Stadt am Main die taktischen Entscheidungen, bestimme, wer wohin ausrückt. Darüber hinaus ist er Einsatzleiter für Frankfurt-Höchst und kümmert sich um die dienstlichen Belange der Trupps des Rettungshubschraubers Christoph 2.

„In Ebsdorf bin ich dagegen ein kleines Licht“, sagt Büttner mit einem Lachen. Nach jahrelanger Vorstandsarbeit habe er sich zurückgezogen und rücke nur noch bei Einsätzen mit aus. Daneben ist er aber auch im gesamten Landkreis als Feuerwehrausbilder tätig. Seit 1999 beteiligt er sich bei Grundausbildung, der Truppführerausbildung und der technischen Hilfeleistung bei Bahnunfällen. Auch war Büttner zwölf Jahre lang stellvertretender Gemeindebrandinspektor in Ebsdorfergrund.

Büttner fährt manchmal 85 Kilometer Rad zur Arbeit

„Durch die Feuerwehr bin ich auch zum Sport gekommen“, sagt Büttner. „Früher habe ich mal Fußball gespielt. Aber ich kam nur rein, wenn jemand umgetreten werden musste“, überspitzt er lachend. Er habe dann das Laufen und Radfahren für sich entdeckt, vor 15 Jahren die Feuerwehrsportgruppe der Gemeinde aufgebaut. „Im vergangenen Jahr haben wir 136 Sportangebote für die Mitglieder der Feuerwehren gemacht“, sagt er nicht ohne Stolz. Neben der jährlichen Abnahme des Sportabzeichens gehöre dazu Radfahren, Spinning, Laufen, Schwimmen und die Teilnahme an Wettkämpfen – etwa am Sky Run, bei dem er etwa in Frankfurt unter Atemschutz die 65 Stockwerke des Messeturms hochgelaufen ist.
Auch den Ebsdorfer Dorflauf hat Büttner mit den Kameraden aus der Taufe gehoben. So jagt ein Ehrenamt das andere: Der Ebsdorfer ist mittlerweile auch für das deutsche Feuerwehr-Fitnessabzeichen in Hessen zuständig.

Fit hält sich der Vater eines Mädchens auch noch neben der Arbeit und dem Feuerwehrsport: „Im Sommer fahre ich manchmal mit dem Fahrrad an die Arbeit.“ Von Ebsdorf bis zur Hauptfeuerwache in Frankfurt sind das 85 Kilometer – eine Strecke. „Meine Bestzeit liegt bei 2 Stunden und 37 Minuten.“ Für ihn sei das ein gutes Training für Radrennen oder Marathonläufe, an denen er auch regelmäßig teilnimmt.

Nur wenige bedanken sich bei den Lebensrettern

Bei dem ganzen Einsatz rund um Feuerwehr und Sport erfülle ihn sein Beruf tagtäglich. „Feuerwehrmann ist ein total abwechslungsreicher Beruf“, erklärt der Ebsdorfer. „Jeder Tag ist anders, denn es gibt immer wieder neue Probleme, die gelöst werden müssen.“ Dabei könne sich jeder Mitarbeiter in eine Richtung entfalten, die seinen Fähigkeiten entspreche. So gebe es neben den Brandbekämpfern und den taktischen Planern in der Einsatzleitstelle auch Taucher und Höhenretter. „Es ist eben ein ganz individueller Job.“

Ihm mache es Spaß, den Menschen zu helfen – auch wenn in der Stadt nie viel Dank zurückkomme. Bei 15 000 Feuerwehreinsätzen und 110 000 Rettungswagenfahrten im Jahr kämen vielleicht 20 Menschen auf die Lebensretter zu, um sich zu bedanken. „Es ist einfach selbstverständlich geworden, dass Rettungsdienst und Feuerwehr da sind und helfen“, sagt Büttner. So müsse er auch oft mit Anrufern diskutieren, wenn er ihnen erkläre, dass Feuerwehr oder Rettungswagen nicht kommen, weil kein echter Notfall vorliege. Oftmals müsse er auch Beschwerden entgegennehmen, wenn die Retter ausrücken – wegen Lärm oder weil die Wagen im Weg stünden. „Diese ,Ich habe ein Recht auf alles‘-Mentalität ist ganz schlimm geworden“, sagt der 41-Jährige, der es als Jobbeschreibung nennt, viel mit Anrufern diskutieren zu müssen.

Umso schöner seien dann die kleinen Erfolge des Tages. Auch wenn die Hilfe darin bestand, eine Tür aufzubrechen, die einer Mutter zugefallen war, deren Baby noch in der Wohnung lag. Oftmals seien es jedoch weniger harmlose Einsätze, berichtet der Feuerwehrmann. „Ich habe aber eine Verdrängungsmentalität und versuche, gerade persönliche Geschichten nicht an mich heranzulassen“, erklärt er zur Frage, wie er nach fast 20 Jahren noch mit dem vielen Leid und den Notfällen umgehen kann. „Ich versuche immer, nichts mit nach Hause zu nehmen.“ Und manchmal helfe nur ein bisschen Humor, um das Gesehene zu verarbeiten.

von Patricia Grähling

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